Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Putin allein auf weiter Flur

Einen Tag vor der Präsidenten-Wahl in Russland scheint der Sieger bereits festzustehen

Von Gesine Dornblüth

Wladimir Putin (dpa / picture alliance / Valeriy Melnikov)
Wladimir Putin (dpa / picture alliance / Valeriy Melnikov)

WWP steht für Wladimir Wladimirowitsch Putin. WWP wurde im Internet ein Hit. Ein bis dahin unbekannter Sänger jubelt: WWP wurde von Gott gesandt, er hat das Volk gerettet! Ob Putin wirklich von Gott gesandt ist, mag man bezweifeln - dass er am Sonntag die Wahl gewinnt, ist jedoch so gut wie sicher.

Wladimir Wladimirowitsch Putin verfügte im Wahlkampf über den bequemen Vorteil, als Premierminister ohnehin ständig in den Medien zu sein. Diesen Vorteil nutzte er schamlos aus.

Jeweils am Montag veröffentlichte er einen programmatischen Artikel, jedes Mal in einer anderen Zeitung. Was er schrieb, wurde Tagesthema im Fernsehen. Sein Lieblingsslogan: Stabilität. Putin bekam Schützenhilfe von prominenten Musikern, Schauspielern, Sportlern, Medienschaffenden. Wie vom Kriegsreporter Alexander Sladkow.

"Ich habe vier Kinder. Ich möchte, dass sie hier leben. Mit irgendwelchen anderen Politikern will ich nicht herumexperimentieren. Ich habe genug von all den Revolutionen. So was ist sehr gefährlich. Man muss für Stabilität stimmen."

Die vier Gegenkandidaten haben keine Chance. Da ist zunächst der Kommunist Gennadij Zjuganow, seit zwanzig Jahren in der Politik.

"Ich habe schon in den 90er Jahren dafür appelliert, die Sowjetunion zu erhalten. Ich sage das heute wieder. Sie haben die Möglichkeit, einen linkszentristischen Kurs zu wählen, so dass das Volk, die Arbeit und Gerechtigkeit den Kurs des Landes bestimmen werden."

Das ist in Russland 2012 ein politischer Ladenhüter. Zjuganov kommt Umfragen zufolge auf zwischen zehn und sechzehn Prozent der Stimmen. Deutlich dahinter liegt der Krawallnationalist Wladimir Schirinowskij. Auch er ist schon lange dabei. Schirinowskij machte mit gewohnt schrillen, ausländerfeindlichen Tönen Wahlkampf. Abgeschlagen und blass blieb Sergej Mironov von der Partei "Gerechtes Russland". Er setzte im Wahlkampf auf soziale Gerechtigkeit und besuchte dementsprechend gestern zum Abschluss seiner Kampagne eine Brotfabrik.

"Für viele Bürger ist Brot das Hauptnahrungsmittel. Unsere Rentner können sich Milch und Brot leisten. Daher brauchen wir Supermärkte, in denen sozial Schwache billiges Brot kaufen können."

Umfragen sehen Mironov bei unter fünf Prozent. Großes Medieninteresse zog der fünfte Kandidat auf sich, der Oligarch Michail Prochorow – auch deshalb, weil er als einziger offen auf Journalisten zuging. Prochorow gilt als der drittreichste Mann Russlands. Im Wahlkampf präsentierte er sich als Manager, der nicht nur einen Großkonzern, sondern das ganze Land zu Wohlstand führen will.

"Die ganze Welt steckt in der Krise. Ich denke, unser Land hat ein großes Schicksal: Wir werden die Welt retten, wir müssen die Welt retten. Denn wir können der Ort sein, der sich stürmisch entwickelt und die Weltwirtschaft rettet."

Prochorows Vorteil: Er ist schon reich, viele Russen glauben, dass er deshalb zumindest den Präsidentenposten nicht missbrauchen wird, um sich selbst zu bereichern. Allerdings weiß niemand, ob Prochorow nicht eine Marionette des Kremls ist.

Die spannende Frage ist also nicht, wer die Wahl gewinnt; sondern wie fair die Wahl am Sonntag verläuft. Nach den Fälschungen bei der Parlamentswahl im Dezember und den anschließenden Massenprotesten ist die Aufmerksamkeit groß.

Erstmals werden bei der morgigen Präsidentenwahl alle Wahllokale mit Webcams ausgestattet sein. Wladimir Putin selbst hatte das angeregt. Die Kameras sollen Wahlfälschungen verhindern. Das Misstrauen ist dennoch groß. Mehrere tausend Freiwillige werden deshalb im ganzen Land in den Wahllokalen das Geschehen beobachten. Protestgruppen haben für Montag bereits Kundgebungen angemeldet. Mit der größten wird auf dem Puschkinplatz in Moskau gerechnet. In St. Petersburg wollen Oppositionelle ein Zeltlager errichten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Spielraum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Einstand

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Evakuierung Ost-Aleppos "Die UNO darf sich da nicht so weit einmischen"

Syrien-Expertin und Autorin Kristin Helberg auf dem 20. Literaturfestival des Vereins Erfurter Herbstlese 2016. (imago / Viadata)

Die Evakuierung von Zivilisten aus Ost-Aleppo durch Assads Regime sollte nicht als humanitäre Aktion missverstanden werden, sagte Syrien-Expertin Kristin Helberg im DLF. Es handele sich vielmehr um "eine Form von politischer Säuberung". Die UNO befinde sich dadurch in einer schwierigen Situation, betonte die Politologin.

Therapie oder Spleen?Die Kunst des guten Selbstgesprächs

Mann sitzt auf einer Bank. (imago)

Wer in der Öffentlichkeit laut Selbstgespräche führt, gilt als zumindest ein bisschen verrückt. Dabei können Selbstgespräche durchaus eine therapeutische Funktion erfüllen, meint der Publizist Urs Willmann. Aber es komme dabei auf die "Selbstgesprächskultur" an.

Cadmium in KakaoBitterschokolade besonders von Schwermetall betroffen

Eine Tafel Vollmilchschokolade in Nahaufnahme (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Über die Nahrung oder über die Atemwege kann das Schwermetall Cadmium aufgenommen werden. Es gelangt auch in die Nahrung - über Kakao-Pflanzen, vor allem über die, die auf vulkanischem Gestein gewachsen sind. Besonders Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil ist laut Lebensmittelchemikern betroffen.

100. Geburtstag von Kirk Douglas"Ich habe Karriere gemacht, weil ich Hurensöhne spielte"

Kirk Douglas in dem Film "The Man from Snowy River" (1982). (imago/United Archives)

Den klassischen Helden verkörperte Schauspieler Kirk Douglas selten. Seine herausragendste Rolle war die des Vincent van Gogh. Politisch zeigte er klare Kante im Anti-Kriegsfilm "Wege zum Ruhm". Am heutigen Freitag feiert Kirk Douglas seinen 100. Geburtstag.

Doping-EnthüllungenMcLaren-Report wirft Russland "institutionelle Verschwörung" vor

WADA-Sonderermittler Richard McLaren (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)

Es ist die Bestätigung des ersten Teils - und geht noch weiter: Der zweite Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zeigt, wie gewaltig das Ausmaß des Staatsdopings in Russland war. Von mehr als 1.000 Athleten ist die Rede. Und das IOC? Warnt vor voreiligen Schlüssen.

Nachruf auf Hildegard Hamm-BrücherDie freischaffende Liberale

Hildegard Hamm-Brücher nimmt am 17.03.2012 an einer Fraktionssitzung von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin teil. Hamm-Brücher war als Wahlfrau für die Bundesversammlung eingeladen. Foto: Kay Nietfeld dpa | Verwendung weltweit (dpa)

Weil sie Helmut Schmidt nicht stürzen wollte, fiel sie in Ungnade. Später kandidierte sie als Bundespräsidentin. 2002 brach sie mit der FDP. Vorgestern ist Hildegard Hamm-Brücher mit 95 Jahren gestorben. Sie gilt als eine der größten liberalen Politikerinnen der Bundesrepublik.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Atom-Ausstieg  AKW-Betreiber wollen Teil der Klagen zurückziehen | mehr

Kulturnachrichten

21st Century Fox will Bezahlsender Sky kaufen  | mehr

Wissensnachrichten

Deutsches Kulturerbe  Ostfriesische Teekultur, Skat und Hebammen gehören dazu | mehr