Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Putin: Snowden ist noch in Moskau

Russland will den Enthüller aber nicht an die USA ausliefern

Edward Snowden ist noch in Moskau - im Flughafen (picture alliance / dpa)
Edward Snowden ist noch in Moskau - im Flughafen (picture alliance / dpa)

Das Rätselraten hat ein Ende: Edward Snowden ist noch in Moskau - genauer gesagt: Er ist im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo. Das gab Präsident Putin bekannt. Eine Auslieferung Snowdens an die USA, soviel ließ Putin durchblicken, ist aber nicht geplant.

"Wir können Ausländer nur an Länder überstellen, mit denen wir ein Auslieferungsabkommen für Straftäter haben": Das hat Wladimir Putin klargestellt. Weiter sagte er: Edward Snowden habe in Russland keine Straftaten begangen. Er habe auch die Staatsgrenze nicht überschritten und benötige daher kein Visum.

Und dann sagte Putin noch einen Satz, der die Vereinigten Staaten besonders ärgern dürfte: "Herr Snowden ist ein freier Mensch." Und: Je eher der 30-Jährige sein endgültiges Ziel wähle, desto besser für Russland und für ihn. Im übrigen machte Putin deutlich, dass der Kreml zumindest "überrascht" war von Snowdens Ankunft in Moskau. Kontakte zum russischen Geheimdienst habe es jedenfalls keine gegeben.

Die USA reagierten unverzüglich: Es gebe sehr wohl eine rechtliche Grundlage dafür, Snowden auszuliefern. Das Weiße Haus verwies darauf, dass Snowdens Pass annulliert sei und der Spionage-Vorwurf im Raum stehe. Russland müsse jetzt handeln - und auf der starken rechtlichen Kooperation aufbauen, die die Vereinigten Staaten seit dem Anschlag von Boston mit Russland gepflegt hätten.

Whistleblower auf der Flucht

Edward Snowden (picture alliance / dpa / The Guardian Newspaper / FILE)Edward Snowden (picture alliance / dpa / The Guardian Newspaper / FILE)Nachdem sich Edward Snowden wochenlang in Hongkong aufhielt und von dort aus die Internetüberwachung durch die NSA und den britischen Geheimdienst GCHQ enthüllte, flog er am 23. Juni nach Moskau. Von Moskau aus wollte er ursprünglich offenbar über Kuba nach Ecuador weiterreisen. Fernsehteams harren nach wie vor am Flughafen Scheremetjewo aus.

Edward Snowden hat zumindest bestätigterweise einen Asylantrag in Ecuador gestellt und versucht so, der US-Strafverfolgung zu entkommen. Ecuadors sozialistischer Präsident Rafael Correa kündigte an, die Entscheidung werde ohne Druck von außen fallen. Correa liegt bereits mit den USA und Großbritannien über Kreuz, weil er dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der Londoner Botschaft seines Landes Unterschlupf gewährt. Inzwischen hieß es aus Ecuador, die USA hätten wegen der Snowden-Affäre Kontakt mit dem Land aufgenommen.

Teufel bedeutet Hitze

Im Deutschlandfunk kommentierte ARD-Korrespondent Horst Kläuser mit Blick auf Snowden: "Unter dem Mäntelchen der globalen Verantwortung bringt er Dinge und Verfahren ans Licht, deren Konsequenzen er nicht einschätzen kann." Ob Snowden wisse, wie die Chinesen nun künftig mit Dissidenten und deren Möglichkeit zu kommunizieren umgingen? Und die Freiheit und Transparenz, für die Snowden vorgebe zu kämpfen, seien weder in Russland noch in China zu finden - und auch nicht in Ecuador, Venezuela und Kuba, die als Fluchtpunkte Snowdens gehandelt würden. Kläuser schließt: "Wer sich mit dem Teufel einlässt, der wird auch die Hitze spüren."

Absichtliche Jobsuche

Über Edward Snowden ist inzwischen mehr bekannt geworden. In einem früheren Interview räumt er ein, dass er mit der festen Absicht, die Internetschnüffelei des US-Geheimdienstes NSA aufzudecken, den Job als IT-Techniker angenommen habe.

Die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" veröffentlicht am Dienstag ein Interview vom 12. Juni. Darin erklärt er, dass er gezielt bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angefangen habe, die im Auftrag des US-Geheimdienstes NSA an der Internetüberwachung beteiligt war: "Meine Stelle bei Booz Allen Hamilton verschaffte mir Zugang zu Listen aller Rechner in der ganzen Welt, die von der USA gehackt wurden. Deshalb nahm ich den Job vor drei Monaten an."

Die Affäre um Internetspähprogramme der britischen und US-Geheimdienste schlägt in Deutschland hohe Wellen. Die Briten hingegen nehmen das Thema gelassen, fast schon desinteressiert auf: Keine der sonst so kritischen Medien greift das Thema auf und so mancher Abgeordnete reagiert nur lakonisch auf den Fall,berichtet London-Korrespondent Jochen Spengler.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Whistleblower auf der Flucht - Offiziell ist nicht bekannt, wo Edward Snowden ist
Big Boss is watching you - Der Datenhunger der amerikanischen Geheimdienste und Unternehmer
Jeder Bürger unter Generalverdacht EDV-Experte kritisiert das NSA-Programm PRISM

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Streitkultur

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kinderraub in ArgentinienGroßmutters Suche voller Schmerz

Die Großmütter der Plaza de Mayo (picture alliance/dpa/Foto: Javier Gallardo)

Zwischen 1976 und 1983 ermordete Argentiniens Militärjunta tausende Oppositionelle, raubte 500 ihrer Babys und übergab sie fremden Familien. Die Großmütter machten sich auf die Suche - bis heute fanden sie 122 Enkel. So wie den 38-jährigen Ignacio, Enkel von Estela de Carlotto. Sie ist Präsidentin der Großmütter der Plaza de Mayo. Beide trafen sich 2014 zum ersten Mal.

Isabelle Huppert Ein Gesicht und unendlich viele Ausdrucksformen

"Untitled" von Oda Jaune. Anlässlich des Gallery Weekends Berlin 2017 zeigt die Michael Fuchs Galerie die Ausstellung ”Behind the Screen” zu Ehren der französischen Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert (Promo)

Im Gesicht einer jeden Schauspielerin gebe es eine ganz eigene, persönliche Wahrheit, sagt Isabelle Huppert und beschreibt ihre Liebe zur Fotografie. Beim Berliner Gallery Weekend widmet sich eine Ausstellung dem französischen Filmstar.

52Weeks52SportsEinfach mal durchboxen

Im Monat vier von 52weeks52sports hatte Caro gleich fünf Mal richtig heftigen Muskelkater. Und das, obwohl sie sich bei zwei der Sportarten kaum bewegt hat.

EU-Sondergipfel zum Brexit"Die 27, die bleiben, müssen die EU reformieren"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz während eines Interviews im Jahr 2014, als er noch EU-Parlamentspräsident war (Deutschlandradio/ dbate)

Angesichts des britischen Austritts aus der Europäischen Union verlangt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Veränderungen in der EU. Die Staats- und Regierungschefs verhielten sich bislang nur reaktiv, sagte Schulz im Deutschlandfunk. Die EU müsse aber reformiert werden und mehr gegen Steuerflucht, Sozialdumping und Bürokratie tun.

Umstrittene WildtierhaltungWie der Circus Krone um seine Löwen kämpft

Circus-Krone-Dompteur Martin Lacey mit seinen Löwen (Deutschlandradio Kultur / Michael Watzke)

Löwen brüllen ordentlich und machen Eindruck, wenn sie ihre Tatzen spielen lassen. So auch im Circus Krone. Allerdings verbieten immer mehr deutsche Kommunen den Besuch von dressierten Zirkuslöwen. Was sagt ein Raubtier-Dompteur zu den Vorwürfen der Tierschützer?

FotografieArchitektur des Wartens

Treffpunkt, Schattenspender oder der Platz für die Mittagspause. Haltestellen in der ehemaligen Sowjetunion sind wichtige Orte - und ziemlich auffällig. Sie sind Treffpunkt, spenden Schatten und sind ein guter Ort zum Pausemachen. Auf manchen sind lokale Bräuche und Geschichten abgebildet.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  EU will geschlossen in Austrittsverhandlungen gehen | mehr

Kulturnachrichten

Performancepionier Vito Acconci gestorben  | mehr

 

| mehr