Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Putin versteht sein Land nicht mehr"

Meinungen und Einschätzungen zur Präsidentenwahl in Russland

Wladimir Putin zieht wieder in den Kreml ein (dradio.de)
Wladimir Putin zieht wieder in den Kreml ein (dradio.de)

Egal, wie das Ergebnis der Präsidentenwahl ausfallen wird: Mehr als je zuvor muss sich Wladimir Putin auf Kritik aus dem In- und Ausland einstellen. Dem früheren und vermutlich künftigen Präsident werden Wahlfälschungen und ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen.

Unionsfraktionsfize Andreas Schockenhoff fürchtet, dass nach der Wahl die Entfremdung zwischen Staat und Gesellschaft in Russland weiter zunimmt. "Die Menschen, die Russlands Zukunft ausmachen, wollen Reformen", sagte Schockenhoff im Deutschlandfunk. Putin wolle dagegen nur den Status Quo bewahren. Die Grünen-Politikerin und Beobachterin der Wahl, Marieluise Beck, meinte ebenfalls im Deutschlandfunk, Gegner Putins hätten keine Wahl gehabt. Angesichts der vier Herausforderer könne man nicht von einer Alternative zu Putin sprechen.

Der frühere Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow sagte, das Ergebnis entspreche nicht dem Wählerwunsch. "Es gibt große Zweifel, dass dies die wahre Stimmung in der Gesellschaft widerspiegelt", sagte der Friedensnobelpreisträger der Agentur Interfax.

"Putin ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit", urteilt Werner Schulz, stellvertretender Vorsitzender der Russland-Delegation des Europäischen Parlaments im Interview der Woche des Deutschlandfunks. "Er glaubt, wenn er die Zeitung in der Hand hat und das Fernsehen, dann kann er mit seiner Propagandamaschinerie die Leute im Land beeinflussen und suggerieren, dass er der Einzige ist, der dieses Land führen kann. In der Gegenöffentlichkeit denkt man darüber schon längst anders nach. Putin versteht sein Land nicht mehr, er versteht die Leute nicht mehr und er hat die Liebe dieser nachwachsenden Generation längst verloren."

Jens Siegert von der Heinrich-Böll-Stiftung kommt zu folgendem Schluss: "Russland ist heute ein autoritäres Land, demokratisch kann man es nicht nennen, denn es gibt keine demokratische Wahl weder des Parlaments noch des Präsidenten, aber die Menschen leben selbst in ihrem privaten Leben einigermaßen frei. Insofern ist es auch nicht richtig eine Diktatur. Es ist ein bisschen schwierig - es ist etwas dazwischen."

Der Frankfurter Ökonom Alexander Libman erwartet für die kommenden Jahre keine Veränderungen in Russland, denn: "Putin war nie von der Machtspitze weg. Auch im Laufe der vergangenen vier Jahre, als er formal als Ministerpräsident tätig war, war er trotzdem die Person, die Entscheidungen getroffen hat."

Aktuelle Meldungen zur Präsidentenwahl in Russland

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:30 Uhr Essay und Diskurs

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Ruben Östlund über seinen Film "The Square" Der Kunstszene den Spiegel vorhalten

Ein einen Affen mimender Künstler (Terry Notary) steht auf einem Tisch, die chic gekleideten Gäste blicken erschrocken zu ihm auf (Alamode-Film)

Die Kunstszene interessiere sich nur noch für das, was in ihrem Kosmos passiere, kritisiert der schwedische Regisseur Ruben Östlund. Das nehme er mit seinem Film "The Square" auf die Schippe. Ebenso den harten Kampf der Künstler um die kurze Aufmerksamkeit ihres Publikums.

Alltäglicher Sexismus"Dumme Sprüche sind Teil einer Vergewaltigungskultur"

Stefanie Lohaus, Missy Magazine (Deutschlandradio Kultur )

Bei sexualisierter Gewalt gehe es um die Ausübung von Macht, sagte die Kulturwissenschaftlerin Stefanie Lohaus im Dlf. Es diene dazu, Frauen sozusagen auf ihren Platz zu verweisen, sie zu verunsichern. Hier grundsätzlich etwas zu verändern, werde sehr lange dauern, ein Hashtag werde da so schnell nichts ändern.

Zeitreise von Amerikas Sklaven zu #blacklivesmatterBlack America

Menschen demonstrieren in Ferguson gegen die Ermordung des Schwarzen Michael Brown. (dpa / picture alliance / Larry W. Smith)

Bei seiner Wahl begrüßte das schwarze Amerika Barack Obama wie einen lang ersehnten Heilsbringer. Auf einer ehemaligen Sklavenplantage in Georgetown und in der Chicagoer South Side geht der Autor der Frage nach: Hat sich in der Obama-Zeit etwas verändert oder nicht?

Der jüdische EruvWas die Schnur an Manhattans Straßenlaternen bedeutet

Straße in Manhattan, durch die Luft gespannt und an einer Laterne befestigt ist ein dünner Nylonfaden. (Kai Clement)

Der Eruv spannt sich in einem Teil Manhattans von Laternenmast zu Laternenmast. Der Nylonfaden ist fast unsichtbar und erleichtert doch das Leben vieler orthodoxer Juden, die hier leben. Korrespondent Kai Clement war bei der wöchentlichen Kontrolle dabei.

Die Krim nach der AnnexionLeben mit Sanktionen

Ein Bogen wird an der Brücke über die Meerenge von Kertsch errichtet. Die Brücke soll einmal 19 Kilometer lang werden und Russland mit der Halbinsel Krim verbinden. (imago / Sergei Malgavko / TASS)

Das Leben auf der Krim dreieinhalb Jahre nach der russischen Annexion: Güter müssen aufgrund der Sanktionen per Flugzeug oder Fähre aus Russland angeliefert werden, was sie teuer macht. Die Tourismussaison war ein Flop. Doch die meisten Menschen sind guter Dinge. Gegen Kritiker wird allerdings mit aller Härte vorgegangen.

Pro Quote Bühne "Das Publikum hat ein Recht auf Qualität und Vielfalt"

Die Schauspieler Marcel Kohler und Lorna Ishema bei einer Fotoprobe zum Theaterstück "Unterwerfung" 2016 im Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Theater werden zu 80 Prozent von Männern geleitet. Nur bei den Souffleusen, also im Niedriglohnbereich, ist das Verhältnis umgekehrt. Angelika Zacek vom Verein Pro Quote Bühne fordert die Häuser auf, in der nächsten Spielzeit 50 Prozent Regisseurinnen zu engagieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Tschechien  Wahlsieger Babis will weitere EU-Staaten auf Anti-Einwanderungskurs bringen | mehr

Kulturnachrichten

Nina Hoss erhält Braunschweiger Filmpreis | mehr

 

| mehr