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Putins Sieg ist "eine sehr wichtige Mission"

Wie Anhänger der "Allrussischen Volksfront" in der Provinz um Stimmen werben

Von Gesine Dornblüth

Wladimir Putin (AP  / Ivan Sekretarev)
Wladimir Putin (AP / Ivan Sekretarev)

In Russland erfährt Wladimir Putin zum ersten Mal ernsthaften Gegenwind. Seine Partei wirbt nun mit großen Aufmärschen für ihn - aber auch mit anderen Methoden, wie in Samara an der Wolga zu beobachten ist.

Früh am Morgen in der Parteizentrale von Einiges Russland in Samara an der Wolga, gut tausend Kilometer südöstlich von Moskau. Nacheinander treffen etwa 30 Menschen ein. Einige blicken noch etwas müde unter ihren dicken Pelzmützen hervor. Eine Frau hakt Listen ab, teilt Gruppen ein. Man kennt sich. Von einem Plakat blickt ein faltenfreier Putin. Das Foto stammt noch aus der Zeit seiner ersten Präsidentschaft.

Die Menschen gehören zu einer mobilen Einsatztruppe, die in den Wochen vor der Präsidentenwahl Dörfer und Kleinstädte rund um Samara besucht. Sie sind Fachärzte, Juristen, Psychologen. Eine Wahlkampfaktion, organisiert von Putin-Anhängern.

Noch im Dunkeln setzen sich fünf Kleinbusse in Bewegung. An den Seiten kleben Plakate. Darauf steht: Allrussische Volksfront. Dieses Bündnis vieler gesellschaftlicher Organisationen existiert seit einem halben Jahr nur zu einem Zweck: Die Präsidentschaftskandidatur Wladimir Putins zu unterstützen.

Gut 50 Kilometer entfernt, im Dorf Jekaterinowka, sitzt Raissa Mitjokina bereits auf dem Flur der Ambulanz und wartet auf die Ärzte aus Samara:

"Ich hatte schon zwei Infarkte. Und ich habe zu hohen Blutdruck. Und auch noch Diabetes. Wir haben in unserem Dorf nur einen Allgemeinmediziner. Ich will mit den Spezialisten reden, damit sie mir sagen, wie lange ich noch lebe."

Die Brigade aus Samara trifft ein, die Ärzte ziehen weiße Kittel über. Eine Frau verteilt Schlüsselanhänger und Kugelschreiber mit dem Logo der Volksfront. Raissa Mitjokina will ohnedies für Putin stimmen. Sergej geht noch auf eine Zigarette vor die Tür. Der 22-Jährige studiert Medizin und möchte Chirurg werden:

"Ich sammle hier Erfahrung. Im Studium lernen wir immer nur auswendig. Das ist der einzige Grund, weshalb ich bei der Sache mitmache. Um Geld geht es jedenfalls nicht. Wir bekommen 200 Rubel am Tag. Das reicht, um sich unterwegs etwas zu essen zu kaufen, mehr ist das nicht. Wir machen das ehrenamtlich."

Geld ist ein heikles Thema. In Moskau und anderen Städten finden in diesen Tagen Massenaufmärsche für Putin statt. Immer wieder ist zu hören, dass die Teilnehmer bezahlt werden. Mit Geld, das angeblich aus dem Staatshaushalt abgezweigt wird.
Valentina Stapnewitsch schüttelt entschieden den Kopf. Die Psychologin arbeitet im Krankenhaus von Samara und fährt jedes Wochenende mit in die Dörfer:

"Wir erfüllen eine sehr wichtige Mission, deshalb mache ich gern mit. Die Leute können sich rundum durchchecken lassen. Das ist gut für die Gesundheit. Und ich finde es interessant, mich mit den Menschen hier zu unterhalten."

Ein paar hundert Meter weiter ist das Bürgermeisteramt von Jekaterinowka. Ein Holzhaus, die Türen dick mit grüner Farbe überstrichen. Nacheinander treten die Dorfbewohner ein.

Swetlana Chripak sorgt sich um die Felder in ihrem Dorf. Sie liegen brach, sie möchte wissen, wer der Eigentümer ist und warum er den fruchtbaren Boden nicht nutzt. Die Juristin aus Samara verspricht, einen Brief an die Gemeindeverwaltung aufzusetzen. Swetlana Chripak ist zufrieden. Auch sie will Vladimir Putin wählen:

"Natürlich. Wie alle Frauen bei uns im Dorf. Wir haben das gemeinsam besprochen. Wir sehen ja im Fernsehen, was in Moskau los ist. Die Proteste dort.
Die alten Leute bei uns sind deshalb sehr erschrocken. Jetzt ist doch vieles viel besser als früher. Wir haben in den letzten Jahren Kühe bekommen. Wenn jemand anders an die Macht kommt, nimmt er uns die vielleicht wieder weg."

Im Nachbarraum empfängt Wjatscheslaw Maleew die Bürger. Er leitet die Bürgersprechstunde von Wladimir Putin in Samara. Aufmerksam hört er dem Besucher zu:

"Wir können keinen Machtwechsel brauchen. Die Regierung unter Wladimir Putin hat viele föderale Programme aufgesetzt: Gegen den Bevölkerungsrückgang, für mehr Bildung, im Gesundheitswesen, im öffentlichen Wohnungsbau. Gut, einige dieser Programme stocken auf regionaler Ebene, in den Städten und Gemeinden. Da muss man Leute austauschen."

Auf dem Flur in der Ambulanz ist die Luft mittlerweile stickig. Mehrere Dutzend Menschen stehen Schlange, meist alte Frauen. Tatjana Levitschewa sitzt in Puschen auf einer Bank. Sie kümmert sich um die alten Leute in ihrem Dorf. Zu acht sind sie heute da, um sich untersuchen zu lassen. Die Gemeinden fahren die Bewohner mit Bussen nach Jekaterinowka:

"Ich interessiere mich nicht für Politik. Ich bringe meiner Nachbarin Brennholz. Hinter unserem Dorf verläuft zwar eine Gasleitung, aber wir haben keinen Gasanschluss. Dabei sollten wir den schon vor zehn Jahren bekommen."

Trotzdem will sie Putin wählen.

Nachmittags um vier bricht das Kommando auf, zurück nach Samara. Die Bilanz an diesem Tag: 240 behandelte Patienten, 30 weitere Einzelgespräche im Bürgermeisteramt, allein in Jekaterinowka. Die Aktion soll bis kurz vor der Wahl fortgesetzt werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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