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Putins TV-Marathon

Der viereinhalbstündige Fernseh-Liveauftritt des russischen Premierministers

Von Robert Baag

"Heute kann man sich nur auf das russische Volk stützen": der russische Premierminister Wladimir Putin. (AP  / Ivan Sekretarev)
"Heute kann man sich nur auf das russische Volk stützen": der russische Premierminister Wladimir Putin. (AP / Ivan Sekretarev)

Im Fall seiner Wiederwahl wolle er Garant für die Sicherheit vor ausländischen Bedrohungen, für Stabilität und wirtschaftlichen Fortschritt sein, sagt Wladimir Putin. Sein Fernsehauftritt war eine Präsidentschafts-Bewerbungsrede. Doch phasenweise wirkte der russischen Premier verkrampft.

Über die vielen jungen und intelligenten Gesichter bei der Großdemonstration am vergangenen Samstag hat sich Russlands Ministerpräsident Vladimir Putin herzlich gefreut. So gab er wenigstens zu Protokoll und fügte erheitert hinzu:

"Wenn das ein Ergebnis des Putin-Regimes ist, dann ist das gut!"

Diese Demonstration halte er für eine - so wörtlich - "normale Sache". Die Fröhlichkeit Putins währte indes nicht lange. Während des viereinhalbstündigen Fernseh-Liveauftritts wirkte seine Gelassenheit bei den Stichworten "Dumawahlen" und "Opposition" schon gleich zu Beginn der Sendung phasenweise eher verkrampft. Er versuchte sichtlich, die richtigen Worte zu finden. Das Wahlergebnis, so Putin sei korrekt, es spiegele die wahren politischen Machtverhältnisse im Land wieder. Die Stimmverluste für seine Partei "Geeintes Russland" wertete er als normalen, erklärlichen Vorgang. Den national wie international erhobenen Vorwürfen, bei den Dumawahlen sei massiv gefälscht und manipuliert worden, hielt Putin entgegen:

"Waren die Wahlen ehrlich? Waren sie nicht ehrlich? Die Opposition wird immer behaupten, dass sie unfair waren. Immer! Das geschieht überall! In allen Ländern!"

Putin wiederholte alte Vorwürfe an die außerparlamentarische Opposition sowie an die Demonstranten vom vergangenen Samstag, sie seien vom Ausland gesteuert, ihr Abzeichen, das weiße Band, Teil einer sogenannten "bunten Revolution":

"Was diese ‘bunte Revolution’ angeht, da ist doch alles klar: Das sind ausgearbeitete Planspiele, um eine Gesellschaft zu destabilisieren. Dieses Schema ist kein Selbstläufer. Wir erinnern uns doch an die ukrainische ‘Orangene Revolution’. Dort haben übrigens einige unserer Oppositionellen mitgemacht und dem damaligen Kandidaten Juschtschenko offiziell als Berater gedient. Und das übertragen sie jetzt auf einen russischen Nährboden."

Er, Putin, werde im Fall seiner Wiederwahl als russischer Präsident am 4. März - wie schon während seiner beiden früheren Präsidentschaften zwischen 2000 und 2008 - Garant für die Sicherheit vor ausländischen Bedrohungen, für Stabilität und wirtschaftlichen Fortschritt sein. Als Hauptfeind Russlands sieht Putin offenbar weiterhin die USA:

"Da gibt’s ein paar, die wollen Russland so ein bisschen beiseite drängen, allein die Weltkugel beherrschen. Allerdings haben sie immer noch Angst vor unserem Atomwaffen-Potenzial. Das ärgert sie, nervt sie. Und deshalb haben wir unsere Meinung. Unsere Politik ist unabhängig. Und wird es, hoffe ich, auch weiterhin sein."

Der derzeitige Staatspräsident Russlands, Medwedew, werde im Falle seines - Putins - Sieges bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen wie angekündigt das Amt des Premierministers übernehmen. Im Übrigen aber gilt für Putin laut eigener Aussage:

"Heute kann man sich nur auf das russische Volk stützen. Wenn dieser Beistand fehlt, hat man an der Macht nichts verloren! - Ich kann Ihnen ausdrücklich versichern: Wenn ich solche eine Unterstützung nicht verspüren sollte ... - das aber hängt nicht von irgendwelchen Websites oder öffentlichen Plätzen ab! Das hängt in einer Demokratie nur von einem Wahlergebnis ab! - Wenn ich also sehe, die Unterstützung fehlt, dann bleibe ich keinen Tag länger in meinem Arbeitszimmer!"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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