Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ratlose Ministerin

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und der Dioxin-Skandal

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (dapd)
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (dapd)

Nach Ansicht vieler Bundesbürger macht Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bei der Aufklärung des Skandals um Dioxin im Futtermittel keine gute Figur. So fühlt sich jeder dritte Deutsche laut einer Emnid-Umfrage nicht ausreichend über den Giftstoff in Eiern und im Fleisch informiert.

62 Prozent der Bürger bemängelten in der Umfrage von TNS-Emnid für das Magazin "Focus" die Informationspolitik der Bundesverbraucherschutzministerin. Nur 34 Prozent zeigten sich zufrieden mit dem Krisenmanagement rund um den Dioxin-Skandal in Aigners Berliner Ministerium.

Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner forderte unterdessen in der "Bild am Sonntag" bei der Futtermittelkontrolle mehr Kompetenzen auf Bundesebene anzusiedeln. "Gegenwärtig verbietet es mir das Grundgesetz, die Kontrollpraxis [der Länder] zu kontrollieren", sagte Aigner dem Blatt. Es könne doch schließlich nicht sein, dass "der Bund politisch haftbar gemacht" werde, sobald es in einem Bundesland zum Skandal komme.

Am Samstag waren erneut bundesweit weitere 1000 landwirtschaftliche Betriebe wegen Dioxinverdachts gesperrt worden. Zuvor war ans Licht gekommen, dass ein Tierfutterhersteller im niedersächsischen Damme - ein Kunde der Firma Harles und Jentzsch, dem mutmaßlichen Ausgangspunkt des Dioxins im Tierfutter - Lieferdaten offenbar nicht an die Behörden gemeldet hatte.

Ultimatum an niedersächsischen Ministerpräsidenten

David McAllister, CDU-Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag, spricht in Oldenburg beim Landesparteitag der CDU Niedersachsen. (AP Archiv)David McAllister, Ministerpräsident von Niedersachsen (AP Archiv)Ministerin Aigner hatte daraufhin dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg vorgeworfen, ihr die Ausweitung des Skandals verschwiegen zu haben, und Ministerpräsident David McAllister (CDU) aufgefordert, personelle Konsequenzen zu ziehen. McAllister konterte im Radiosender ffn: "Frau Aigner hat das gegenüber den Medien gefordert. Nicht mir gegenüber, und deswegen habe ich darauf nicht reagiert."

Im Interview mit dem Deutschlandfunk kritisiert Karl Ludwig Schweisfurth die industrielle Tierproduktion in ihrer jetzigen Form. Seit 20 Jahren setzt er sich für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ein, zuvor war er mit seiner Firma Herta Europas größter Wurtsproduzent.

Gewinner des Dioxin-Skandals ist derweil die Biobranche: Die Verkäufe von Bio-Eiern im Fachhandel stiegen um fast 50 Prozent, der Umsatz von Bio-Geflügelfleisch um etwa 30 eine Umfrage beim Bundesverbands Naturkost Naturwaren des Magazin "Focus" ergab.


Mehr in unserem Programm:

Zahnlose Ministerin - Warum Ilse Aigner mehr Kompetenzen braucht (DLF, 16.1. 2011)

Plausibler Plan, bloß viel zu spät - Aigners zehn Punkte gegen das Dioxin (DLF, 14.1. 2011)

Verunsicherung muss beendet werden - NRW-Verbraucherschutzminister fordert Debatte über Lebensmittelproduktion (DKultur, 14.1. 2011)

Der Druck muss einfach erhöht werden - Agrar-Expertin fordert konsequenteres Handeln im Dioxin-Skandal (DLF, 14.1. 2011)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:05 Uhr Kakadu

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

HochschulenMisstrauen unter türkischstämmigen Studenten

Rotes Schloss, im Vordergrund eine grüne Wiese, auf der eine kleine Gruppe Menschen sitzt. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)

Das harte Vorgehen der türkischen Behörden sorgt auch an deutschen Hochschulen für Unruhe. Die meisten türkischen Studenten winken ab, wenn man sie nach ihrer Meinung fragt. Offene Gespräche sind kaum noch möglich. Es gibt Angst, als Staatsfeind oder Verräter angefeindet zu werden.

Afrika-Historiker Jürgen ZimmererZähe Verhandlungen um Völkermord an den Herero

Jürgen Zimmerer - Afrika-Historiker und Genozid-Forscher an der Universität Hamburg.  (privat)

Während des Herero-Nama-Kriegs vor über 100 Jahren töteten deutsche Kolonialtruppen rund 100.000 Einheimische. Die Bundesregierung habe sich schwergetan, von Völkermord zu sprechen, sagt der Afrika-Historiker Jürgen Zimmerer.

Rolle der MedienIm Wettlauf um Meldungen bleibt kaum Zeit zur Prüfung

Kurz nach den ersten Schüssen im Olympia-Einkaufszentrum twitterten Augenzeugen und luden Videos vom Tatort hoch. Klassische Nachrichtenmedien geraten dadurch unter Zugzwang, denn von ihnen wird erwartet, dass sie genauso schnell reagieren.

Amoklauf von München"Einsatz der Bundeswehr hätte nicht weitergeholfen"

Sie sehen die Grünen-Politikerin Irene Mihalic (dpa / picture alliance / Maurizio Gambarini)

Nach dem Amoklauf von München hat die Grünen-Politikerin Irene Mihalic im DLF klargestellt, dass sie wenig davon hält, die Bundeswehr einzubeziehen. Die Polizei habe hervorragende Arbeit geleistet, auch in der Öffentlichkeitsarbeit.

München als mediales Ereignis Soziale Medien hysterisieren die Gesellschaft

Auf einem iPhone sind Hashtags, die als Reaktion auf die Schießerei in München gepostet wurden, zu sehen. Über die Hashtags "#München" und "#offenetür" gewährten Bewohner der Stadt nach der Schießerei anderen Menschen Unterschlupf. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Bei Onlinemedien liegen Fluch und Segen nah beieinander, bestätigt Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Zwar seien die Sozialen Medien strukturell schneller, tragen aber auch zur Hysterisierung bei.

Unentdeckte LänderSchon mal auf dem Schiffsfriedhof in Karakalpakstan gewesen?

Nein? Dafür aber Dennis Gastmann. Der Entdeckungsreisende hat unsere Welt nach unbekannten Gegenden, weißen Flecken und vergessenen Welten durchforstet.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Konsequenz aus Amoklauf  De Maizière will Waffengesetze überprüfen, Gabriel für strenge Kontrollen | mehr

Kulturnachrichten

Auftakt der Salzburger Festspiele  | mehr

Wissensnachrichten

Politiker in Deutschland  Regierungsbänke ohne Muslime | mehr