Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Reaktionen auf die Russische Rochade

Medienstimmen zum geplanten Ämtertausch zwischen Putin und Medwedew

Von Robert Baag

Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin werden in Moskau auf dem Parteitag ihrer Partei "Geeintes Russland" beklatscht. (picture alliance / dpa / Ekaterina Shtukina)
Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin werden in Moskau auf dem Parteitag ihrer Partei "Geeintes Russland" beklatscht. (picture alliance / dpa / Ekaterina Shtukina)

Schwere Zukunft oder mehr Stabilität? Die geplante Ämterrochade von Russlands Präsident Dimitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin, der zuvor selbst lange Jahre Präsident war, sorgt in den russischen Medien für ein geteiltes Echo.

Die Reaktion von Boris Nemcow, eine Art Vorhersage, fiel ausgesprochen extrem aus:

"Ich schließe nicht aus, dass dies alles mit einer tiefen Wirtschaftskrise enden wird - und mit gewaltigen Protesten. Wenn dem Volk die Möglichkeit genommen ist, die Macht im Land auszutauschen, dann hat es nur noch eine Chance: Die Chance auf einen Aufstand!"

So weit und so deutlich wie der Oppositionelle und langjährige Putin-Gegner Nemcow, immerhin unter dem damaligen Staatspräsidenten Boris Jelzin einst stellvertretender Ministerpräsident Russlands, geht nach diesem Wahlparteitagswochenende öffentlich sonst kein russischer Beobachter und Kommentator von Rang. Aber: In den wenigen vergleichsweise unabhängigen Tageszeitungen herrschen dennoch die skeptischen Untertöne vor:

"Wladimir Putin und Dmitri Medwedew haben den 12. Kongress der Partei Geeintes Russland zur Auflösung eines lange hinausgezögerten politischen Doppelspiels genutzt",

ist etwa in der Moskauer "Nezavisimaja Gazeta" zu lesen - und weiter steht dort mit ironisch-bissigem Unterton:

"Die Frage über die Zukunft des Präsidenten wurde mit maximaler Straffheit gelöst - mit einer trivialen Rochade. Mit einer Variante, von der Experten wussten, aber an die sie nicht glaubten. Wegen ihrer extremen Einfachheit - oder eher ihrer Banalität."

Das Moskauer Blatt "Vedomosti" sieht in dem verabredeten Rollentausch zwischen Putin und Medwedew vom vergangenen Samstag ein verheerendes Signal für die Zukunft Russlands:

"Für viele junge, intelligente, aktive Russen, ist Putins lebenslange Thronbesteigung ein Signal, dass in Russland keine Veränderungen zum Besseren zu erwarten sind. Man diskutiert daher nicht mehr darüber, ob man das Land verlässt oder nicht, sondern nur noch darüber, in welches Land man auswandert. Für den endgültigen Untergang eines verrosteten Schiffs ist manchmal gar kein Zusammenstoß mit einem Eisberg nötig - manchmal reicht es aus, wenn man eine Tür zu kräftig zustößt oder das Ruder in die falsche Richtung dreht."

Die "Novaja Gazeta", das Blatt der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja, das mitherausgegeben wird von Michail Gorbatschow, dem Vater der Perestrojka und dem letzten Staatsoberhaupt der UdSSR, meint im Kernsatz seines Kommentars:

"Die Entscheidung Putins wieder als Präsident anzutreten - das ist ein Vorzeichen dafür, dass dem Land schwere Zeiten bevorstehen."

Die englischsprachige "Moscow Times" hingegen nennt heute in ihrem namenlosen Leitartikel schon in der Überschrift - Zitat:

"Fünf Gründe für Investoren Putins Rückkehr zu begrüßen: Erstens: Die Unsicherheit ist vorbei, wer 2012 kandidieren wird. - Zweitens: Die neuen Beziehungen zwischen den USDA und Russland - begonnen zwischen Obama und Medwedew - werden fortgesetzt, da sie mit Putins Billigung eingeleitet worden waren. - Drittens: Stabilität. Dass Putin ein starker Führer und an Stabilität interessiert ist, hat er bewiesen. Viertens: Die Zerschlagung des Chodorkowski-Konzerns JUKOS wird nicht rückgängig gemacht. Chodorkowski wird weiter in Haft bleiben. Und schließlich fünftens: Die Hoffnung wächst, dass sich das Investitionsklima in Russland jetzt verbessern wird. Dafür wird schon Medwedew als wahrscheinlicher künftiger Ministerpräsident sorgen."

Michail Kasjanow dagegen, einst Regierungschef in Staatspräsident Putins erster Amtszeit, dann von ihm aber gefeuert und heute ebenfalls ein Oppositionspolitiker, sieht in den Vorgängen vom Wochenende vor allem ein politisch bedenkliches Signal:

"Putin und seine ganze Vertikale der Macht haben jetzt den Kurs bestimmt, die Macht nicht mehr abzugeben!"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:35 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

ÖsterreichVan der Bellen will weder Oberlehrer noch Zuchtmeister sein

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (r.) und der künftige Bundespräsident Alexander Van der Bellen (l) sitzen das erste Mal zusammen. (picture-alliance / dpa/epa/Christian Bruna)

Der neue österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen möchte seine Persönlichkeit und Erfahrung in das neue Amt einbringen. In der Wiener Hofburg, seinem künftigen Amtssitz, traf er heute schon mal auf Amtsinhaber Heinz Fischer.

Aggressionen gegen Flüchtlingshelfer"Damit die richtig schön Angst kriegen"

Ehrenamtliche, die Geflüchteten helfen, werden immer häufiger bedroht.  (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Drohbriefe, eingeschlagene Fensterscheiben, Beleidigungen und Verleumdungen in sozialen Netzwerken, sogar Brandanschläge auf Autos - das alles müssen Ehrenamtliche ertragen, die Flüchtlingen helfen.

Gesichtserkennungs-App "FindFace"Das Ende der Anonymität

Ein Mann hält sich die Augen zu (imago/blickwinkel)

Meine Freunde, mein Beruf, meine Hobbys: Eine Software erkennt Gesichter auf Fotos und liefert in kürzester Zeit Informationen aus sozialen Netzwerken. In Russland ist das schon Realität. Auch die Polizei und Geheimdienste sind an der Gesichtserkennung in Echtzeit interessiert.

InvestierenGeldanlage mit gutem Gewissen

Geld auf dem Konto bringt keine Zinsen, Immobilien sind viel zu teuer - wie könnt ihr trotzdem Geld für später anlegen? Zum Beispiel mit Aktienfonds. Das Problem: Nicht jedes Unternehmen, das hohe Renditen erzielt, wirtschaftet auch ökologisch und moralisch gut. Aber es gibt Hilfe.

MitkuschelzentraleKuscheln mit Fremden gegen Einsamkeit

Teilnehmer beim Kuscheln während einer Kuschelparty (imago/momentphoto/Killig)

Einfach nur kuscheln – unter diesem Motto vermittelt die Mitkuschelzentrale Menschen, die sich nach körperlicher Nähe sehnen, ohne sexuelle Interessen zu verfolgen. Dem Mitgründer Sebastian Nichele aus Leipzig kam die Idee nach einer schmerzhaften Trennung.

Alternative zur BankKredite von Privat zu Privat

Zwei Hände. Die eine Hand gibt der andere mehrere Euroscheine. (dpa/ picture-alliance/ Franziska Kraufmann)

Banken sind heutzutage nicht mehr die einzigen Kreditgeber. Als Alternative haben sich immer mehr Internetportale etabliert, die Darlehen von Privat an Privat vermitteln. Kreditnehmer sollten dabei jedoch auf mögliche Zusatzkosten achten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Räumung angelaufen  Über 1.500 Migranten haben Idomeni verlassen | mehr

Kulturnachrichten

Künstler aus Sachsen bekommen Marion-Ermer-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Roboter-Wachmann  Robocop läuft in US-Einkaufszentrum Streife | mehr