Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Reaktionen auf Wulffs Erklärung

Opposition sieht weiter Aufklärungsbedarf

Bundespräsident Christian Wulff verlässt die Pressekonferenz im Schloss Bellevue. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Bundespräsident Christian Wulff verlässt die Pressekonferenz im Schloss Bellevue. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Bundespräsident Christian Wulff hat am Donnerstag sein Schweigen gebrochen und eine persönliche Erklärung zur Kreditaffäre abgegeben. Er kam damit einer Forderung nicht nur der Opposition nach. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Hubertus Heil, hält die Erklärung für nicht ausreichend.

Nach über einer Woche Dauerkritik an seinen engen Beziehungen zu vermögenden Unternehmern hat sich Bundespräsident Wulff am Donnerstag für seinen bisherigen Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigt - doch damit ist die Diskussion um die Privatkreditaffäre längst nicht verstummt.

Hubertus Heil, SPD-Generalsekretär (Deutschlandradio - Bettina Straub)SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sieht weiter Klärungsbedarf. (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Opposition will weitere politische Aufarbeitung

Trotz Entschuldigung und Trennung von seinem Pressesprecher: Die Fragen zu Wulffs Krediten, Urlaubsaufenthalten und Wahlkampffinanzierung seien nicht ausreichend beantwortet worden, sagt Hubertus Heil, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Er begrüße es zwar, dass der Präsident sein Schweigen gebrochen habe, sagte Heil im Deutschlandfunk. Es sei aber noch zu klären, ob Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident gegen das Ministergesetz des Landes verstoßen habe.

Dass Bundespräsident Christian Wulff öffentlich Fehler eingestanden hat, sei kein Schlussstrich, sondern nur ein Zwischenschritt, sagt der Politikwissenschaftler Wichard Woyke im Deutschlandfunk. Um seine Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, müsse er alle Fakten offenlegen. Wulffs Entschuldigung "war kein Befreiungsschlag"

Peter Altmaier, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium (CDU) (Bundestagsbüro Peter Altmaier)Peter Altmaier, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium (CDU) (Bundestagsbüro Peter Altmaier)

"Wir vertrauen diesem Bundespräsidenten"

Die Union stehe weiter hinter Christian Wulff, bekräftigt der Parlamentarische Unions-Geschäftsführer, Peter Altmaier. Mit seiner Entschuldigung habe der Bundespräsident "einen großen Schritt auf die Kritiker zugemacht", so Altmaier im Deutschlandfunk.

Wulf sei "ein Präsident, der sich auf sehr dünnem Eis bewegt", bewertet hingegen der Leiter des "taz"-Parlamentsbüros, Ulrich Schulte, die Erklärung des Bundespräsidenten. Wulff habe allerdings "eine zweite Chance verdient", da die Erklärung weitgehend gewesen sei, erklärt Schulte im Mediengespräch im Deutschlandradio Kultur.

Der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter sagt, dass der Bundespräsident zu spät an die Öffentlichkeit gegangen sei. Dennoch sei seine Erklärung, ohne das Wort Entschuldigung verwendet zu haben, eine Form der Entschuldigung, so der Politikwissenschaftler im Deutschlandfunk. Der Bundespräsident habe das getan, was er in seinem Amt tun konnte.

Der ehemalige Sprecher des Bundespräsidenten, Olaf Glaeseker, aufgenommen am 13.12.2011 in Kuwait. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Der ehemalige Sprecher des Bundespräsidenten, Olaf Glaeseker, aufgenommen am 13.12.2011 in Kuwait. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Der Pressesprecher geht - ein Bauernopfer?

Ebenfalls am Donnerstag war der langjährige Sprecher des Bundespräsidenten, Olaf Glaeseker, von seinen Aufgaben entbunden worden. Laut Angaben des Bundespräsidialamtes werden die Aufgaben des Sprechers des Bundespräsidenten ab sofort kommissarisch von Petra Diroll wahrgenommen.

Wulf bedauerte die Trennung von Glaeseker und sagte: "Ich habe ihm viel zu verdanken und wünsche ihm alles Gute." Gründe für die Trennung nannte er nicht. Wie es aus Kreisen des Bundespräsidialamtes hieß, hat Glaeseker selbst um seine Ablösung gebeten, weil die Medien sich inzwischen auch für sein Privatleben interessiert hätten.

Pressesprecher hätten die Aufgabe, ihre Dienstherren möglichst positiv darzustellen, macht Jörg Schillinger vom Bundesverband deutscher Pressesprecher im Deutschlandradio Kultur deutlich. Gelinge dies nicht, diene der Kommunikationschef oftmals als Sündenbock.


Links bei dradio.de:

Die Erklärung des Bundespräsidenten im Wortlaut.

Heil: Wulff muss Zweifel schnellstmöglich ausräumen - SPD-Fraktionsvize drängt auf Aufklärung der Wulff-Affäre

"Wir vertrauen diesem Bundespräsidenten" - CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer fordert mehr Sachlichkeit in Debatte um Wulff

Wulffs Entschuldigung "war kein Befreiungsschlag" - Politikwissenschaftler über die Kommunikationsstrategie des Bundespräsidenten

Wulff entschuldigt sich - <br> Bundespräsident gesteht Fehler ein und will sein Amt weiter fortführen

"Alle zwei Stunden muss eine neue Nachricht her" - Journalist der Süddeutschen Zeitung über die Privatkredit-Affäre um Bundespräsident Wulff

"Herr Glaeseker tut nichts unüberlegt" - Pressesprecher-Vertreter zum Rückzug von Wulffs Sprecher

"Ein Präsident, der sich auf sehr dünnem Eis bewegt" <br> Leiter des "taz"-Parlamentsbüros zur Erklärung des Bundespräsidenten

"Der Bundespräsident hat das getan, was er in seinem Amt tun konnte" - Nach Wulffs Erklärung zur Kreditäffäre

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Auftakt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Lange Nacht des Blauen Sofas

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Agenda 2010"Es ist immer wieder gut, Dinge in Frage zu stellen"

BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise nimmt am 25.02.2016 in Berlin im Haus der Wirtschaft an der Veranstaltung "Ankommen in Deutschland", dem Aktionsprogramm der Industrie- und Handelskammern zur Integration von Flüchtlingen teil. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat die Agenda 2010 gelobt und sich zugleich für Änderungen ausgesprochen. Berufe, Arbeitsverträge und Arbeitsorte veränderten sich. Deshalb könne man erwarten, dass die Politik diese Entwicklungen nach vorne gerichtet unterstütze, sagte er im Deutschlandfunk.

Aretha Franklins GeburtstagSoul-Ikone und Bürgerrechtlerin feiert 75.

Aretha Franklin  (picture alliance / dpa / Ron Sachs)

Aretha Franklin sang für Martin Luther King und bei der Amteinführung von Barack Obama, die afroamerikanische Sängerin gilt als eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt. Nun ist die Soul-Diva 75 Jahre alt geworden - und denkt über einen Abschied von der Bühne nach.

BuchprojektAuf einen Coffee to go nach Togo

Ein leerer Starbucks-Kaffeebecher (dpa picture alliance / Inga Kjer)

Coffee to go kennen wir alle. Bloß wo kommt eigentlich der echte Kaffee Togo her? Markus Weber wollte es wissen und machte sich auf den Weg. Mit dem Fahrrad nach Togo, durch 26 Länder, 14.000 Kilometer. Daraus entstand sein Buch "Ein Coffee to go in Togo".

KaczynskilandWie polnische Geschichte und Kultur umgedeutet werden

Das Denkmal "Westerplatte" zu Ehren der polnischen Verteidiger in der gleichnamigen Gedenkstätte in Danzig in Polen, aufgenommen am 17.06.2012. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Mit dem deutschen Beschuss der Westerplatte vor Danzig beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Die Polen wehren sich tapfer und unterliegen. So wird die Geschichte im Museum der Stadt Gdansk erzählt. Und das, findet die neue polnische Regierung, ist viel zu unpatriotisch.

FamilienkonflikteGeschichten vom Loslassen

Eine Frau zerreißt ein Foto ihrer Eltern. (imago/epd )

Wenn sich Familienkonflikte nicht lösen lassen, bleibt noch die Möglichkeit, sich ganz zu trennen. Die "Lange Nacht" porträtiert Menschen, die genau das getan haben.

Sir Elton John wird 70"Musik ist meine Liebe, Shoppen meine Sucht"

Elton John in Brasilien  (picture alliance / dpa / Foto: EPA/Antonio Lacerda)

Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht Elton John auf der Bühne. Er zählt zu den erfolgreichsten Popstars aller Zeiten. Rund 300 Millionen Alben hat der exzentrische Brite verkauft. Doch ans Aufhören denkt Sir Elton John noch lange nicht: Die Show wird weitergehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Fall Anis Amri  NRW-LKA warnte offenbar frühzeitig vor Anschlag | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Trump-Kunstinstallation erneut abgebrochen  | mehr

 

| mehr