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Rechte provozieren Salafisten in Köln

Dänischer Karikaturist wehrt sich gegen Missbrauch

Pure Provokation im Wahlkampf: Die rechtsextreme Pro NRW zeigt eine Mohammed-Karikatur (dpa / Henning Kaiser)
Pure Provokation im Wahlkampf: Die rechtsextreme Pro NRW zeigt eine Mohammed-Karikatur (dpa / Henning Kaiser)

Rechtsextreme stellen sich vor Moscheen und halten Mohammed-Karikaturen hoch. Salafisten fühlen sich davon wie heute in Köln provoziert. Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard protestiert gegen den Missbrauch seiner Zeichnungen durch die rechtsextreme Partei Pro NRW - gerade im Landtagswahlkampf.

Am Rande einer Kundgebung der rechtsextremen Partei Pro NRW hat die Polizei in Köln mehrere Salafisten festgenommen. Die Islamisten hätten nicht näher bezeichnete Gegenstände dabei gehabt, die auf nicht friedliche Absicht schließen ließen, sagte ein Polizeisprecher. Die Zahl der Festnahmen belaufe sich auf "weniger als zehn" Salafisten. Mehr als 100 radikale Islamisten war das Betreten des Kölner Stadtgebiets untersagt worden.

Ein massiver Polizeieinsatz verhinderte Krawalle wie zuletzt in Solingen und Bonn. Mehr als 300 Bürger demonstrierten friedlich gegen Parteianhänger und Salafisten. "Es ist eine Unverschämtheit, heute, am Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus, sich hier hinzustellen und zu versuchen, Menschen gegeneinander aufzuhetzen", sagte der Bezirksbürgermeister von Köln-Ehrenfeld, Josef Wirges (SPD).

Bonn verbietet Salafisten-Infostände

Salafisten protestieren gegen eine Wahlkampfveranstaltung der Partei Pro NRW (dpa / Henning Kaiser)Salafisten protestieren gegen eine Wahlkampfveranstaltung der Partei Pro NRW (dpa / Henning Kaiser)In Bonn hatten Salafisten 29 Polizisten verletzt, zwei von ihnen schwer. Ein 25 Jahre alter Islamist wurde wegen dreifachen Mordversuchs verhaftet. Die Stadt hat den Salafisten als Konsequenz aus den Krawallen verboten, Info-Stände mit Koran-Ausgaben aufzustellen. Ein Polizist aus dem Ruhrgebiet, der sich an solchen Infoständen beteiligt haben soll, wurde suspendiert.

Die Salafisten fühlen sich von Pro-NRW-Anhängern provoziert, wenn sie Mohammed-Karikaturen zeigen. Damit hatten die Rechtsextremen auch bei ihrer Kundgebung in der Nähe einer Moschee gedroht. Das Verwaltungsgericht hob das Verbot des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen im Eilverfahren auf, islamfeindliche Karikaturen zu zeigen. Begründung: Die Meinungsfreiheit geht vor.

Karikaturist protestiert gegen Missbrauch

Anhänger von pro NRW halten Schilder mit einer durchgestrichenen Moschee in die Höhe (picture-alliance / Revierfoto)Anhänger von Pro NRW halten Schilder mit einer durchgestrichenen Moschee in die Höhe (picture-alliance / Revierfoto)Der dänische Zeichner Kurt Westergaard wehrt sich dagegen, dass die rechtsextreme Partei die Karikaturen für politische Zwecke missbraucht. "Ich lehne es strikt ab, mit einer politischen Partei oder Bewegung in Verbindung gebracht zu werden", sagte Westergaard dem "Kölner Stadt-Anzeiger" laut Vorabbericht.

Der 76-jährige Karikaturist hätte Pro NRW die Genehmigung zum Zeigen der Karikatur "niemals gegeben", sagte Westergaard der Zeitung. "Rechtsgewirkten Wirrköpfen" sei "so etwas wie Copyright ... vollständig gleichgültig". Westergaard hatte 2005 in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" eine Karikatur über den Propheten Mohammed veröffentlicht. Seither wird er bedroht und lebt wegen ständiger Morddrohungen unter Polizeischutz.

In Nordrhein-Westfalen ist Landtagswahlkampf. Die kleine rechtsextreme Partei versucht auf diese Weise möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Gestern gab es solche Kundgebungen in Bielefeld und Münster.


Programmhinweis 2254:

Reicht massive Polizeipräsenz? Müssen Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit eingeschränkt werden? Diskutieren Sie mit! In unseren Nachtgesprächen am Telefon, ab 1.05 Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 00800 - 2254 2254

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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