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Rechtsradikal im Nadelstreifenanzug

Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern

Von Peter Marx

Udo Pastörs, NPD (AP)
Udo Pastörs, NPD (AP)

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat ein braunes Problem. Und das wird immer deutlicher, je näher die Landtagswahlen kommen. In allen Umfragen lagen die Rechtsextremen immer über 4 Prozent, zuletzt sogar 4,5 Prozent. 110.000 Erst- und Zweitstimmen sammelte die NPD vor fünf Jahren ein und schafften mit 7,3 Prozent den sicheren Sprung über die Fünfprozenthürde. Und vieles spricht dafür, dass es die NPD am Sonntag wieder in den Landtag schafft.

Markttag auf dem Großen Dreesch in Schwerin: Die roten, gelben und grünen Sonnenschirme der Parteien stehen eng zusammen, bilden eine Wagenburg, umgeben von Bäcker- und Gemüseständen. Ein Schirm steht abseits, zehn Meter weg von den anderen Parteien. Der Schirm ist braun und die kräftigen Männer darunter tragen schwarze T-Shirts. Ihre Haare sind kurz geschnitten. Zwischen ihnen läuft ein Mann umher im grauen Anzug, dunkler Krawatte: Udo Pastörs, der NPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag. Während sich die Kandidaten der anderen Parteien hinter den Bannern und Schirmen fast verstecken, verteilt Pastörs Parteizeitungen, diskutiert mit den Marktbesuchern, verspricht Unterstützung bei deren Problemen. So was kommt an, beeindruckt Männer wie Frauen auf dem Markt in der ehemaligen Plattenbausiedlung Großer Dreesch; eine Hochburg von Wählern der SPD und der Linken-Partei.

"Also, das sind ganz liebe Jungs, also sind auch nicht so wie Skinheads oder so, wie die meisten denken, oder Nazis. Das ist Quatsch. Es hat sich rumgesprochen, dass einem die NPD weiterhilft."

Udo Pastörs wettert über Blockparteien, womit er alle demokratischen Parteien meint und verspricht Hilfe bei Hartz-IV-Problemen. Ein Kümmerer eben, so wie er sich gerne selbst sieht:

"Ich war ja ursprünglich jemand, der im Umfeld der CDU zu Hause war, CSU bis zu einem Zeitpunkt, wo ich eine große Enttäuschung erlebt habe. Und da habe ich mich umorientiert und habe mich dann ein ganz gutes Stück weiter nach rechts gewandt."

Ganz weit rechts nach sogar. Bei seinen öffentlichen Märschen durch die Städte Mecklenburgs, umgeben von Hundertschaften brauner Gesinnungsgenossen, sagt er lautstark, was er wirklich denkt. Der 59-Jährige, der wegen Volksverhetzung eine Bewährungsstrafe erhielt, provozierte in den letzten fünf Jahren die demokratischen Parteien im Land bis aufs Blut, und die ließen es fast wehrlos zu. Pastörs:

"Wir sind eine kleine Splitterpartei. Wir sind eine nationale Kraft mit sechs Abgeordneten und unsere Aufgabe ist zunächst einmal, die Missstände zu kritisieren.. Die Realität sieht hier anders aus."

Erst im letzten halben Jahr vor der Wahl hat sich die Lage geändert, kämpfen die demokratischen Parteien offensiv gegen die NPD. Davon übrig blieb lediglich die Forderung nach einem generellen Verbot der NPD, als wäre das die einzige Möglichkeit, das braune Gespenst im Land zu vertreiben. Doch zunächst einmal will Pastörs wieder in den Landtag einziehen. Die aktuellen Umfragen sehen die NPD bei 4,5 Prozent. Pastörs:

"Das ist ein ganz hervorragender Wert. Wenn Sie berücksichtigen, dass die Blockparteien jetzt über vier Jahre gegen uns trommeln in einem Monolog, ohne unsere Politiklösungen zu diskutieren, sondern sich nur reduzieren, das sind die Bösen von rechts. Das sind die Nationalisten, dann sage ich, sind 4,5 oder 5 Prozent habe ich auch gelesen. Das ist eine wunderbare Basis für so eine kleine Partei wie wir, um da aufzubauen und wieder zu punkten."

Der Erfolg der NPD lässt sich mit Zahlen belegen. Über 57.000 Erststimmen und knapp 60.000 Zweitstimmen reichten der NPD vor fünf Jahren zu einem Wahlergebnis von 7,3 Prozent. Heute verfügt die Partei im Land über sechs Kreisverbände mit rund 400 Mitgliedern. Der politische Einfluss auf kommunaler Ebene ist deutlich gestiegen. 2004 verfügte die NPD in den Kreis-, Gemeinde- und Stadtparlamenten über zehn Sitze. 2009 waren es bereits 62 Sitze. Warum jedoch will die NPD wieder in den Landtag, den sie als politisches Plenum kategorisch ablehnt. Pastörs:

"Zunächst einmal, um diese unhaltbaren Zustände, die ja in einer Art Containment unter der Decke verborgen werden, dass der normale Wähler überhaupt gar nicht weiß, was hier abgelaufen ist."

Tatsächlich ist der erneute Sprung ins Schweriner Schloss für die NPD aus finanziellen Gründen wichtig. Die Fraktion erhielt 2010 über 700.000 Euro vom Landtag. Ohne diese Zuschüsse fällt die Machtbasis von Udo Pastörs weg. Und ohne das Geld und ohne den Wiederholungserfolg kann der ehemalige Uhrmacher seine bundespolitischen Ambitionen vergessen:

"Ich glaube, dass es ratsam ist, erfolgreiche Leute nach oben zu hieven. Und ich glaube, dass mit einem guten Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern die Frage des Vorsitzes in Berlin dann absolut offenbleibt, und wir schauen mal, wie die Wahl ausgeht."

Bis dahin muss der NPD-Frontmann weiter eifrig Wählerstimmen sammeln, wie hier auf dem Dreescher Marktplatz. Pastörs kommt dabei immer wieder ins Gespräch mit den Marktbesuchern, während die politischen Konkurrenten Kaffee trinken und sich über die Anwesenheit der Braunen echauffieren. Mehr aber auch nicht.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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