Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Regierungen wollen Neuanfang in deutsch-polnischen Beziehungen

Antrittsbesuch von Donald Tusk in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt  den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk mit militärischen Ehren. (AP)
Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk mit militärischen Ehren. (AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der neue polnische Ministerpräsident Donald Tusk streben einen Neuanfang in den deutsch-polnischen Beziehungen an. "Wir haben uns vorgenommen, um kein Problem einen Bogen zu machen", sagte Merkel nach einem zweistündigen Gespräch mit Tusk im Kanzleramt. Tusk betonte bei seinem Antrittsbesuch in Berlin, es dürfe zwischen beiden Seiten keine Tabuthemen geben. Auch wenn man nicht alle Positionen teile, dürfe es bei Freunden nicht dazu kommen, dass sie nicht miteinander sprechen.

Merkel nannte Tusks Vorschlag interessant, in Danzig ein Weltkriegsmuseum zu errichten, das auch auf das Vertreibungsproblem eingehen soll. Dies sei aber keine Alternative zu der von der Bundesregierung in Berlin geplanten Dokumentationsstätte zum Thema Vertreibung.

Tusk begrüßte mit Blick auf die umstrittene Haltung des Bundes der Vertriebenen, dass das Projekt in Verantwortung der Bundesregierung und nicht von Organisationen geplant werde. Bezüglich der Entschädigungsansprüche deutscher Vertriebener und Aussiedler äußerte sich der polnische Regierungschef zufrieden darüber, dass Merkel erneut jegliche deutsche Ansprüche gegenüber Polen ablehnte.

Merkel kündigte die Entsendung einer Delegation nach Warschau an, die die Details des geplanten Dokumentationszentrums erläutern solle. Wichtig sei, die deutsch-polnischen Beziehungen auf eine freundschaftliche Basis zu stellen.

Vor seinem Besuch hatte sich Tusk dafür ausgesprochen, anstelle der in Berlin geplanten Gedenkstätte gegen Vertreibungen ein Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig als "gemeinsames europäisches Projekt" zu errichten. Darin könne man die Vertreibungen in einem größeren Zusammenhang darstellen. An dem Projekt könnten sich andere Parteien wie Russland und Israel beteiligen.

Philosoph: Deutsch-polnisches Verhältnis auf dem Wege der Besserung

Zum Stand des deutsch-polnischen Verhältnisses äußerte sich der Direktor des Collegium Polonicum an der Viadrina-Universität, Krzysztof Wojciechowski, optimistisch. 50 Prozent der polnischen Bevölkerung wünschten sich eine starke Kooperation mit dem westlichen Nachbarland, zitierte er im Deutschlandfunk eine Umfrage. (Text / MP3-Audio)

Tusk war vor knapp vier Wochen vereidigt worden. Unter seinem Vorgänger Jaroslaw Kaczynski hatten sich die deutsch-polnischen Beziehungen dramatisch verschlechtert.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:26 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Hörspiel

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Die besondere Aufnahme

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

HochschulenMisstrauen unter türkischstämmigen Studenten

Rotes Schloss, im Vordergrund eine grüne Wiese, auf der eine kleine Gruppe Menschen sitzt. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)

Das harte Vorgehen der türkischen Behörden sorgt auch an deutschen Hochschulen für Unruhe. Die meisten türkischen Studenten winken ab, wenn man sie nach ihrer Meinung fragt. Offene Gespräche sind kaum noch möglich. Es gibt Angst, als Staatsfeind oder Verräter angefeindet zu werden.

Afrika-Historiker Jürgen ZimmererZähe Verhandlungen um Völkermord an den Herero

Jürgen Zimmerer - Afrika-Historiker und Genozid-Forscher an der Universität Hamburg.  (privat)

Während des Herero-Nama-Kriegs vor über 100 Jahren töteten deutsche Kolonialtruppen rund 100.000 Einheimische. Die Bundesregierung habe sich schwergetan, von Völkermord zu sprechen, sagt der Afrika-Historiker Jürgen Zimmerer.

Rolle der MedienIm Wettlauf um Meldungen bleibt kaum Zeit zur Prüfung

Kurz nach den ersten Schüssen im Olympia-Einkaufszentrum twitterten Augenzeugen und luden Videos vom Tatort hoch. Klassische Nachrichtenmedien geraten dadurch unter Zugzwang, denn von ihnen wird erwartet, dass sie genauso schnell reagieren.

Amoklauf von München"Einsatz der Bundeswehr hätte nicht weitergeholfen"

Sie sehen die Grünen-Politikerin Irene Mihalic (dpa / picture alliance / Maurizio Gambarini)

Nach dem Amoklauf von München hat die Grünen-Politikerin Irene Mihalic im DLF klargestellt, dass sie wenig davon hält, die Bundeswehr einzubeziehen. Die Polizei habe hervorragende Arbeit geleistet, auch in der Öffentlichkeitsarbeit.

München als mediales Ereignis Soziale Medien hysterisieren die Gesellschaft

Auf einem iPhone sind Hashtags, die als Reaktion auf die Schießerei in München gepostet wurden, zu sehen. Über die Hashtags "#München" und "#offenetür" gewährten Bewohner der Stadt nach der Schießerei anderen Menschen Unterschlupf. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Bei Onlinemedien liegen Fluch und Segen nah beieinander, bestätigt Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Zwar seien die Sozialen Medien strukturell schneller, tragen aber auch zur Hysterisierung bei.

Unentdeckte LänderSchon mal auf dem Schiffsfriedhof in Karakalpakstan gewesen?

Nein? Dafür aber Dennis Gastmann. Der Entdeckungsreisende hat unsere Welt nach unbekannten Gegenden, weißen Flecken und vergessenen Welten durchforstet.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

München  Amokläufer erschoss sich vor den Augen von Polizisten | mehr

Kulturnachrichten

Seehofer sagt Staatsempfang bei den Bayreuther Festspielen ab  | mehr

Wissensnachrichten

Politiker in Deutschland  Regierungsbänke ohne Muslime | mehr