Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Rekord-Börsengang für Facebook

Netzwerk erreicht Höchstpreis für Aktien

Logo des sozialen Netzwerks Facebook (picture alliance / dpa)
Logo des sozialen Netzwerks Facebook (picture alliance / dpa)

Facebook steht vor dem größten IT-Börsengang der Geschichte: Der Ausgabepreis liegt bei 38 Dollar pro Aktie. Damit wäre der Konzern 104 Milliarden Dollar wert – mehr als BMW, die Deutsche Bank und Adidas zusammen.

Facebook hat den Höchstpreis für seine Aktien erzielt: Die Anteilsscheine gingen gestern Abend für 38 Dollar das Stück an die Investoren. Damit wurde das obere Ende der Preisspanne von 34 bis 38 Dollar erreicht. Das Unternehmen erlöst so mindestens 16 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der US-Internetgigant Google kam 2004 nur auf knapp zwei Milliarden Dollar und eine Gesamtbewertung von 23 Milliarden Dollar.

Um 11 Uhr Ortszeit (17 Uhr deutscher Zeit) wird die Facebook-Aktie heute zum ersten Mal an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Dann steht endgültig fest, ob der Börsengang ein Erfolg ist. Experten trauen der Aktie bei ihrem Debüt einen kräftigen Kurssprung zu. "Ich denke, alles über 50 Prozent wird als erfolgreiche Emission betrachtet - alles unter 50 Prozent als enttäuschend. Viele Privatanleger kümmern sich nicht um die Bewertung", sagte Jim Krampfel, Analyst bei Morningstar.

25 Prozent mehr Aktien ausgegeben

Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer (picture alliance / dpa / ©franck Castel/wostok Press)Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer (picture alliance / dpa / ©franck Castel/wostok Press)Facebook-Gründer Mark ZuckerbergWegen der starken Nachfrage erhöhte Facebook zuletzt sowohl das Volumen der angebotenen Aktien als auch die Preisspanne. Am Mittwoch gab Facebook bekannt, 25 Prozent mehr Aktien anzubieten als zuvor geplant. Am Dienstag hatte der Branchenprimus die Preisspanne für seine Aktien auf 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben.

Von den Einnahmen des Börsengangs fließen Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Netzwerks früh erkannt haben. Auch Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat einen Teil seiner Aktien verkauft, um fällige Steuern zu begleichen. Seine 30 Millionen Anteilsscheine brachten gut 1,1 Milliarden Dollar. Der 28-Jährige behält mit seinen verbleibenden Anteilsscheinen im Gegenwert von gut 19,1 Milliarden Dollar weiterhin die Kontrolle über das 900 Millionen Mitglieder starke Netzwerk.

Zweifel am Facebook-Konzept

Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei vergleichsweise schmalen 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1 Milliarde Dollar.

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, dass die Megamilliarden-Wette aufgeht. So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil die Nutzer dadurch kaum erreicht würden. Zudem nutzen immer mehr Menschen Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.

Experten sind skeptisch

Christian Schulze, Marketing-Professor an der Frankfurt School of Finance, zeigte sich im Gespräch mit dem Deutschlandfunk eher skeptisch: "Facebook ist sicherlich alles andere als eine sichere Investition." Das Unternehmen stehe vor großen Herausforderungen, deren Ausgang nicht klar seien.

Ähnlich äußerte sich auch der Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier, der den Börsengang im Interview mit dem Deutschlandfunk skeptisch beurteilte. Das soziale Netzwerk Facebook erreiche an der Börse nur die Hälfte des Wertes von Google - und der Umsatz betrage sogar nur ein Zehntel des Suchmaschinengiganten, erklärte Brunnermeier.

Der Deutschlandfunk begleitet den Börsengang mit einem Themenschwerpunkt: Mit Userdaten Geld verdienen - Facebook geht an die Börse

Diskutieren Sie über dieses Thema auf der Facebook-Seite mit Deutschlandfunk-Redakteur Benjamin Hammer.

Mehr zum Thema:
Wie Facebook Geld verdient - Personalisierte Werbung und mobile Apps
Soziale Netzwerke sind Datenabwurfplätze mit knallharten wirtschaftlichen Absichten - Medienwissenschaftler zum bevorstehenden Börsengang von Facebook
Milliarden aus der Werbung - Wie Facebook und Co. ihr Geld verdienen
Zwischen Skepsis und Hype - Countdown für den Börsengang von Facebook

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Konzertdokument der Woche

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Festival

Aus unseren drei Programmen

Verhältnis zwischen AfD und Christen"Das Christentum in Geiselhaft genommen"

Ein Mann mit einem AfD Poloshirt und einer Kette mit Kreuz um den Hals. (imago  /Jens Jeske)

Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch "Alternative für Christen?" und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Sommerreihe: Die Qual der Wahl"Heute ist es ohne Weiteres möglich, nicht gläubig zu sein"

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)

Wer heute gläubig sei, sei sich dessen voll bewusst, dass er oder sie genauso gut auch nicht gläubig sein könnte, meint der Sozialphilosoph Hans Joas. In die Attraktivität von Religionsgemeinschaften fließe auch immer ein, wie sie sich zu zentralen politischen Fragen wie sozialer Ungleichheit stellten.

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Der Fall Doğan Akhanlı Ein Missbrauch internationaler Verträge

Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Tempodrom in Berlin. Der Premier sprach 2014 vor tausenden Anhängern auf der von den European Turkish Democrats (UETD) organisierten Veranstaltung. (imago - Christian Mang)

Der eigentliche Grund für die Festnahme des türkischstämmigen Schriftstellers Doğan Akhanlı in Spanien dürfte dessen Beschäftigung mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern sein, meint Kemal Hür. Dass der türkische Präsident Erdoğan aber inzwischen so weit gehe, Kritiker auch im europäischen Ausland zu verfolgen, sei ein Skandal.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Comedy-Legende  Jerry Lewis im Alter von 91 Jahren gestorben | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller Akhanli kommt unter Auflagen frei  | mehr

 

| mehr