Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Reporter ohne Grenzen" kritisiert Verhör in NSA-Affäre

Partner des NSA-Enthüllers und "Guardian"-Journalisten Greenwald festgehalten

Der Journalist Glen Greenwald veröffentlichte die Enthüllungen von Edward Snowden. (picture alliance / dpa)
Der Journalist Glen Greenwald veröffentlichte die Enthüllungen von Edward Snowden. (picture alliance / dpa)

Fast neun Stunden lang wurde David Miranda auf dem Flughafen London-Heathrow durch britische Behörden vernommen. Miranda ist der Lebensgefährte von Glenn Greenwald, der über den Geheimdienst-Aussteiger Ed Snowden und die NSA-Ausspähprogramme berichtet hatte. Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" übt scharfe Kritik.

"Wir bewerten das als klaren Missbrauch der Terrorgesetzgebung", sagte der Vorstandssprecher der Organisation in Deutschland, Michael Rediske. Miranda sei offensichtlich nicht zu Terrorakten befragt worden, sondern zu Verbindungen zu Wikileaks und dem "Guardian". "Das bestätigt unsere Befürchtung, dass die Terrorgesetze zu ganz anderen Zwecken missbraucht werden." So sollten offenbar Journalisten eingeschüchtert und ihre Arbeit behindert werden. Damit werde moderner investigativer Journalismus gefährdet, erklärte Rediske.

Glenn Greenwalds Lebensgefährte, brasilianischer Staatsbürger, war am Sonntag in Heathrow festgehalten worden. Er befand sich auf dem Weg von Deutschland in seine Heimatstadt Rio de Janeiro. In Deutschland hatte er die Filmemacherin Laura Poitras getroffen, die auch an der Recherche über die Geheimdienstprogramme beteiligt war.

Das britische Antiterrorgesetz gestattet das Festhalten von Menschen von bis zu neun Stunden Länge zum Zweck der Befragung. Diese Zeitspanne nutzte die Polizei aus: Nach eigenen Angaben hielt sie Miranda von Sonntag Vormittag um kurz nach 8 Uhr bis etwa 17 Uhr in Gewahrsam. Nach offiziellen Angaben laufen Befragungen unter dem britischen Antiterrorgesetz in der Regel deutlich schneller ab als in diesem Fall. 97 Prozent der festgehaltenen Personen kommen nach höchstens einer Stunde frei.

"Angriffe auf den Prozess der Nachrichtenbeschaffung"

Der Journalist Glenn Greenwald zeigte sich entrüstet darüber, wie die Behörden mit seinem Lebenspartner umgingen. "Das ist ganz klar eine ziemlich schwere Eskalation ihrer Angriffe auf den Prozess der Nachrichtenbeschaffung und den Journalismus", schrieb Greenwald, der mit Miranda in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt. Für den britischen "Guardian" hatte Greenwald zahlreiche Artikel geschrieben, in denen er die Spähprogramme der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste darstellte. Greenwalds Berichte waren das Sprachrohr des untergetauchten Ex-Spions Edward Snowden.

Greenwald: Einschüchterung misslungen

"Das sollte offensichtlich eine einschüchternde Botschaft an uns Journalisten sein, die wir über die NSA und ihr britisches Gegenstück, den GCHQ, berichten", schreibt Greenwald im "Guardian". Diese Taktik werde aber einen gegenteiligen Effekt haben. Auch die brasilianische Regierung kritisierte den Vorfall: Man sei "sehr besorgt" über die "unentschuldbare" Maßnahme gegen den Staatsbürger. Es habe keine Anschuldigung gegen ihn vorgelegen, die die Anwendung des Gesetzes gerechtfertigt hätte. Das Außenministerium teilte weiter mit, Brasilien hoffe, dass sich ein derartiger Zwischenfall nicht wiederholen werde.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Milestones - Jazzklassiker

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Ab 21

Aus unseren drei Programmen

Wahl zur SPD-Parteichefin"Nahles ist eine Hoffnungsträgerin"

Andrea Nahles (SPD) im September 2017. (imago/photothek)

Andrea Nahles vertrete einen SPD-Flügel, der das linke Profil der Partei schärfen werde, sagt der Politologe Emanuel Richter. Er zeigt sich überzeugt, dass die Politikerin am Sonntag zur Vorsitzenden gewählt und unter ihr die SPD auch versuchen werde, sich neu zu positionieren.

Debatte nach dem "Echo"Pose der Anständigen gegen die "Musik der Unterschicht"?

Der Schatten eine Rap-Musikers (imago stock&people)

Für Campino war "die Grenze erreicht" mit der Echo-Würdigung an Kollegah und Farid Bang. Es gab eine Gala und danach sehr viele Fronten und Definitionen - was Rap darf oder nicht. Azadê Peşmen und Axel Rahmlow blicken auf acht Tage Rap-Debatte zurück.

Mögliches Verbot von NeonicotinoidenEin erster und wichtiger Schritt

Eine Biene sammelt Pollen auf einer Blüte. (picture alliance / Sven Hoppe/dpa)

Die Bundesregierung will dem europaweiten Verbot sogenannter Neonicotinoide zustimmen. Das sei aber nur ein erster Schritt, kommentiert Georg Ehring. Denn das Schwinden der Insekten sei nicht allein auf diese Mittel zurückzuführen. Im Fokus stünden weitere Pestizide, zum Beispiel das Pflanzengift Glyphosat.

Sieben Jahre Krieg in Syrien Wird Assad mit Russlands Hilfe der Sieger sein?

Syriens Präsident Bashar al-Assad und Russlands Präsident Vladimir Putin beim Handschlag, im November 2017 in Russland (picture alliance / Mikhail Klimentyev/TASS/dpa)

Es sieht so aus, als ob das von Russland gestützte Assad-Regime den Bürgerkrieg gewinnen könnte. Warum hat die Welt zugesehen, wie aus einer friedlichen arabischen Revolution ein Gemetzel werden konnte?

Katja Bohnets Krimi "Kerkerkind" Tote Männer, starke Frauen

Die Schriftstellerin Katja Bohnet (Droemer Knaur / Markus Röleke)

Das Buch "Kerkerkind" von Katja Bohnet steht in diesem Monat auf unserer Krimi-Bestenliste. Wieder ermittelt das Berliner Duo Rosa Lopez und Viktor Saizew. Mit ihren Romanen will sie Geschlechterklischees unterlaufen, sagt die Autorin im Gespräch.

Massenarbeitslosigkeit durch Digitalisierung?"Solche Prognosen haben noch nie gestimmt"

Ein Roboter mit der Bezeichnung "ARMAR IIIb" steht in einem Raum des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).  (dpa-Bildfunk / Christoph Schmidt)

Pflegeroboter, fahrerlose Taxis oder Drohnen, die Pizza ausliefern - geht uns bald die Arbeit aus? Psychologe Bertolt Meyer widerspricht: "Künstliche Intelligenz wird uns einfache Arbeiten nicht einfach wegdigitalisieren."

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Medienbericht  Hacker-Angriff gegen deutsche Unis | mehr

Kulturnachrichten

Schwedischer DJ Avicii gestorben | mehr

 

| mehr