Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Rivalität nicht nur auf dem Fußballplatz

140 Festnahmen, zehn Verletzte beim EM-Spiel Russland gegen Polen

Auseinandersetzungen zwischen russischen und polnischen Fans vor dem EM-Vorrundenspiel in Warschau (picture alliance / dpa / Rafal Guz)
Auseinandersetzungen zwischen russischen und polnischen Fans vor dem EM-Vorrundenspiel in Warschau (picture alliance / dpa / Rafal Guz)

Dass sich beim Fußball Gemüter erhitzen, gehört zum Spiel. Manche Begegnungen bergen allerdings nicht nur sportliche, sondern auch historische Brisanz - Russland gegen Polen zum Beispiel, aber auch das Deutschland-Niederlande-Spiel heute Abend.

Tränengas, Gummigeschosse, Wasserwerfer und zehn Verletzte: Gestern Abend knallte es vor dem Vorrundenspiel Russland-Polen in Warschau gewaltig. Nach schweren Krawallen nahm die Polizei 130 Hooligans fest. Vom "bislang größten Sicherheitsproblem" sprach Polens Innenminister Jacek Cichocki - auch 6000 Beamte konnten die Lage nicht komplett kontrollieren.

Schon seit Tagen war die Stimmung aufgeheizt, polnische Zeitungen hatten das Spiel im Vorfeld mit historischen Anspielungen und militärischer Sprache kommentiert. Dass sich viele Russen und Polen spinnefeind sind, hat Tradition: Die schlechten Beziehungen zwischen beiden Völkern wurzeln tief.

Das Verhältnis sei bis heute nicht bereinigt worden und bei solchen Gelegenheiten kämen alle Emotionen hoch, sagt Krzysztof Wojciechowski, Direktor des Collegium Polonicum in Frankfurt an der Oder.

Mehrfache Teilungen und das Massaker von Katyn

Seit dem 17. Jahrhundert haben sich Polen und Russland immer wieder Kriege geliefert - Polen verlor dadurch nach und nach an seinem einst bedeutenden Einfluss in Europa. Mehrfach wurde das Land im 18. Jahrhundert unter russischer Ägide geteilt. Als Revanche auf den polnisch-russischen Krieg 1919/20 beteiligte sich die Sowjetunion 1930 am deutschen Überfall auf Polen, indem sie den sowjetisch besetzten Teil von Polen brutal "umvolkte". 1940 brachte Stalins Armee im Dorf Katyn im heutigen Russland zwischen 24.000 und 25.000 Soldaten und Zivilisten um - erst 2010 zeigte Wladimir Putin Verantwortung für das Massaker, als er zur Trauerfeier in Katyn erschien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Polen endgültig unter sowjetischem Machteinfluss und wurde zum dominierten Ostblockstaat - auch den Warschauer Frühling schlug Moskau nieder. Die polnisch-russischen Beziehungen gelten bis heute als asymmetrisch und belastet. Daran hat das Ende der Sowjetunion wenig geändert - für Hooligans die optimale Basis, um Gewalttätigkeiten zu rechtfertigen.

Deutsche Besatzung der Niederlande

Auch die deutsch-niederländischen Beziehungen sind nicht ohne Brisanz. Die Rivalität ist vor allem sportlicher Art, wenn Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw heute Abend um 20:45 Uhr in der Ukraine zur "Hitzeschlacht" lädt. Doch bei vielen Niederländern ist noch die Erinnerung an die nationalsozialistische Besatzung in den 1940er Jahren präsent. Bundespräsident Joachim Gauck hat erst kürzlich an dieses Kapitel der Geschichte erinnert.

Portal UEFA EM 2012

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 11:35 Uhr Umwelt und Verbraucher

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:35 Uhr Folk

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

No-Spy-Abkommen"Merkel sollte im Wahlkampf als Heldin dastehen"

Christian Flisek spricht im Bundestag in eine Reihe von Mikrofonen von Rundfunksendern. (imago / Martin Müller)

Der SPD-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss Christian Flisek wirft dem Bundeskanzleramt vor, die Aussichten auf ein No-Spy-Abkommen mit den USA bewusst falsch dargestellt zu haben. 

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften"Diskriminiert durch den Gesetzgeber"

Sonnenschirm in Farben der Regenbogenflagge vor dem Rathaus in München (Ralph Peters / imago)

Das irische Votum für die Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen hat auch die Debatte in Deutschland neu entfacht. Soziologin Andrea Buschner äußert sich über den Stand der Forschung.

Ab dem 27. Mai 2015Die neuen Seiten des Deutschlandfunks

Das Deutschlandfunk-Funkhaus bei Nacht. (© Deutschlandradio/Markus Bollen)

Der Deutschlandfunk hat seine Seiten im Netz verändert. Ab heute finden Sie das Angebot im neuen Gewand und mit neuen Funktionen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

175. Todestag Niccolò PaganinisDer Hexenmeister der Violine

Der italienische Geiger Niccolo Paganini. (imago)

Der Geiger und Komponist Niccolò Paganini wird bis heute bewundert als einer der größten Virtuosen aller Zeiten. Vom Vater zum Wunderkind gedrillt, entwickelte er seine einzigartige Technik überwiegend autodidaktisch.

Syrische Flüchtlinge in ÄgyptenGestrandet in Alexandria

Flüchtlinge aus Syrien in einem Aufnahmelager (imago stock&people)

Etwa 140.000 Syrer leben derzeit in Ägypten - über die Hälfte von ihnen in Alexandria. Doch für die meisten ist die Stadt nur eine Zwischenstation. Denn sie sind nicht willkommen.

Systeme und Bewegungen Revolutionär wird Diktator

Lenin-Denkmal in Moskau (picture alliance / dpa / Foto: Yuri Kochetkov)

Was haben Sozialismus und Fundamentalismus gemein? Mehr als es auf den ersten Blick scheint, sagt Lutz Rathenow. Beide lockten mit einer sehr klaren Sichtweise auf die Welt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Blatter-Herausforderer  "Trauriger Tag für den Fußball" | mehr

Kulturnachrichten

Klaus Staeck plädiert für Nachfolgerin an der Berliner Akademie der Künste  | mehr

Wissensnachrichten

Natur  Studie: 40 Sekunden ins Grüne starren hilft beim Konzentrieren | mehr