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"Rock am Ring": Vertragschaos am Nürburgring

Eifel könnte größtes deutsches Rockfestival verlieren

Von Ludger Fittkau

Mehrere zehntausend Zuschauer drängen sich beim Rockfestival "Rock am Ring" 2012 vor der Hauptbühne.  (picture alliance / dpa / Thomas Frey)
Mehrere zehntausend Zuschauer drängen sich beim Rockfestival "Rock am Ring" 2012 vor der Hauptbühne. (picture alliance / dpa / Thomas Frey)

Am 18. Juni feiert der Nürburgring seinen 85. Geburtstag. Doch die Rennbahn steckt seit Langem im Finanzchaos. Die künftige Betreiberstruktur ist unklar, und auch die Verträge für Großevents sind gefährdet. Das betrifft auch "Rock am Ring" - das größte deutsche Rockfestival, das seit den 80er-Jahren einmal im Jahr rund 80.000 Menschen in die Eifel lockt.

Auf die Frage, warum er Marek Lieberberg, dem Veranstalter von "Rock am Ring" keine Terminzusage für das nächste Jahr geben könne, reagiert der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz gereizt:

"Machen Sie das doch als Deutschlandradio."

Doch nicht vom Deutschlandradio, sondern vom Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer des Nürburgrings erwartet Marek Lieberberg eine Terminzusage für "Rock am Ring" im nächsten Jahr:

"Ich erwarte von Herrn Lewentz, dass er wirklich den Stier bei den Hörnern packt und einfach auch die Verantwortung übernimmt. Das kann er auch! Und sagt: Wir werden hier eine Terminzusage geben, das können wir auch ganz unabhängig von der neuen Pachtsituation. Das Leben in der Eifel geht weiter, auch für den Nürburgring. Und man kann da eine Interimslösung schaffen, zumal es überhaupt nicht um Konditionen geht, die Konditionen sind verhandelt. Es geht nur um eine Terminzusage und sonst gar nichts. Und da kann ein engagierter Minister und als solcher hat sich Herr Lewentz ausgegeben, durchaus den Bann brechen und die Veranstaltung zusagen."

Der rheinland-pfälzische Innenminister verweist jedoch darauf, dass es immer noch einen privaten Pächter am Nürburgring gäbe, mit dem Marek Lieberberg seinen Vertrag machen müsse. Diesen privaten Betreiber will das Land zwar am liebsten loswerden, weil er die vereinbarte Pacht nicht zahlt – doch bis heute bestehen die Verträge.

"Das ist auch für das Land eine extrem wichtige Veranstaltung. Wir wollen, dass "Rock am Ring" dort dauerhaft angesiedelt bleibt, das sieht man dort genauso. Man hat dort wohl noch Gesprächsbedarf über die eine oder andere Kondition, diese Gespräche laufen glaube ich mit Herrn Lieberberg, da kann ich leider nicht eingreifen."

Rock-am Ring-Veranstalter Marek Lieberberg sieht sich jetzt als Opfer des Streits zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und den privaten Pächtern des Nürburgrings:

"Zunächst mal bin ich verwundert, um das ganz deutlich zu sagen. Ich bin ja nicht Teil dieses Konfliktes zwischen Land und Pächtern, der dieses ganze Problem erst nach oben gespült hat, sondern ich bin, wenn man so sagen darf, der einzige erfolgreiche Mieter auf diesem Gelände. 'Rock am Ring' ist die einzige Veranstaltung nach meinem Wissen, die einen erheblichen Deckungsbeitrag seit 27 Jahren leistet. Man kann sagen, dass das Land Rheinland-Pfalz und der Nürburgring Millionen verdient haben an Mieten und Beteiligungseinnahmen und gleichzeitig auch die Region natürlich durch den Besuch von Hunderttausenden, ja insgesamt Millionen von Zuschauern ja ganz erheblich profitiert hat."

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz bestreitet diese Erfolgsbilanz von "Rock am Ring" nicht. Deshalb, so versichert er, wolle er alles tun, um "Rock am Ring" in der Eifel zu halten. Doch die Termingarantie für das nächste Jahr könne er eben nicht geben, so Lewentz. Er sei aber davon überzeugt, dass der Festival-Veranstalter Lieberberg sich mit den jetzigen Pächtern schnell über einen Termin verständigen kann, wenn er will. Ein "Rock-am Ring", das künftig nicht am Nürburgring, sondern beispielsweise am baden-württembergischen Hockenheimring stattfindet, könne er sich nicht vorstellen, so Lewentz:

"Ich bin davon überzeugt, dass 'Rock am Ring' am Nürburgring bleiben wird, da gehört es auch hin, da haben wir gute Erfahrungen gemacht. Ich habe noch gute Erinnerungen, ich war Gast beim ersten 'Rock am Ring' damals als junger Mann, meine Kinder fahren zu Rock am Ring, das ist eine Institution in der Eifel, und wir tun alles dafür, dass sie auch dort bleibt."

Doch das ist möglicherweise nicht genug. "Rock am Ring"-Veranstalter Marek Lieberberg verhandelt jedenfalls bereits mit anderen Orten, um für das nächste Jahr eine Alternative zu haben:

"Ich kann das Ganze nicht verstehen. Ist für mich ein absurdes Spiel, was hier stattfindet. Und deshalb habe ich mich bereits mit verschiedenen möglichen Spielstätten in Verbindung gesetzt, und wir werden alles prüfen, damit wir auf jeden Fall am Ende des Sommers gewappnet sind, um 'Rock am Ring' auch im kommenden Jahr erfolgreich zu veranstalten."



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

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