Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Röttgen lädt zum Endlager-Gipfel

Bundesumweltminister will Alternativen zu Gorleben finden

Von Susanne Schrammar

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Atomlager Gorleben (picture alliance / dpa / Fabian Bimmer)
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Atomlager Gorleben (picture alliance / dpa / Fabian Bimmer)

Seit 35 Jahren wird im niedersächsischen Gorleben radioaktiver Abfall gelagert. Bis heute ist nicht entschieden, ob der Salzstock dafür geeignet ist. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat heute die Bundesländer eingeladen, um über alternative Standorte zu beraten - doch die sind wenig begeistert.

"Schacht Konrad liegt in Niedersachsen, die Asse, auch das liegt bei uns in Niedersachsen, das Zwischenlager Gorleben, mit all den Belastungen für unser Land durch die Castor-Transporte liegt in Niedersachsen und das einzige bisher zu erkundende mögliche Endlager liegt eben auch bei uns in Niedersachsen – ich finde, die anderen Bundesländer sind jetzt wirklich auch mal gefordert."

Schließlich trage Niedersachsen die Last der Endlagerung in Deutschland bislang ganz allein, sagt Ministerpräsident David McAllister, CDU in Hinblick auf das heutige Treffen im Bundesumweltministerium. Die Bundesregierung will den Salzstock Gorleben ergebnisoffen zu Ende erkunden, parallel dazu jedoch auch andere Standorte in Augenschein nehmen.

"Selbst im Falle einer Eignung, um juristisch auf der sicheren Seite zu sein","

pflichtet der niedersächsische Regierungschef bei. Wo weitere Untersuchungsgebiete liegen könnten, das soll im geplanten Endlagersuchgesetz festgeschrieben werden. Doch die Begeisterung der Länder hält sich in Grenzen: Die meisten lehnen eine Standortsuche im eigenen Land ab. Neben McAllister wird nur ein weiterer Ministerpräsident, der Grüne Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg, der Einladung Röttgens folgen. Alle anderen Länder schicken ihre Fachminister, Staatssekretäre oder lediglich Ministerialbeamte. Ignoranz? Affront? In Niedersachsen schüttelt man darüber verärgert den Kopf. Björn Thümler, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion:

""Alle müssen sich ihrer Verantwortung auch bewusst sein, weil in fast jedem Bundesland gibt es Kernkraftwerke, dann muss man seinen Allerwertesten auch mal in die Hand nehmen und nach Berlin bewegen, wenn es eben um eine solche wichtige Frage geht und auch, um gegenüber dem Bundesumweltminister deutlich zu machen, dass ein Endlagersuchgesetz von besonderer Dringlichkeit ist, das eben auch ziemlich zügig vorgelegt werden muss."

Zumindest leichte Bewegung ist bei den beiden zu spüren, die aufgrund geologischer Gegebenheiten vermutlich am ehesten für Alternativen zu Gorleben infrage kommen: Baden-Württemberg und Bayern, hier gibt es größere Ton- beziehungsweise Granitvorkommen. Die grün-rote Landesregierung in Stuttgart hat ein eigenes Konzept für den Neustart bei der Endlagersuche vorgelegt, danach sollen unter Bürgerbeteiligung bis 2014 bundesweit vier Vergleichsstandorte zu Gorleben festgelegt werden. Mit der Energiewende hat auch Bayern seine jahrelange Blockadehaltung aufgegeben, jedoch beeilte sich der bisherige Umweltminister Söder, CSU, deutlich zu machen, dass eine Suche in Bayern vermutlich aussichtslos verlaufen dürfte:

"Da haben wir in Bayern keine Sorge, weil die geologischen Formationen, die bleiben nach wie vor. Wir haben im Vergleich zu Gorleben keine vergleichbaren geologischen Formationen, die denkbar sind."

Beim Neustart der Endlagersuche will die Bundesregierung auch Rahmenbedingungen für die atomare Endlagerung festgelegen: Oberirdisch oder unterirdisch? Zentral oder dezentral? In welchen Gesteinsschichten soll gelagert werden? Niedersachsen will ein Kriterium unbedingt durchsetzen: dass der hoch radioaktive Atommüll rückholbar gelagert wird. In der schwarz-gelben Landesregierung werden Zweifel am Salzstock Gorleben immer lauter. Müssten die hoch radioaktiven Abfälle wieder geborgen werden, könne dies zum K.O.-Kriterium für Gorleben und andere Salzstöcke in Niedersachsen werden, da Salz die Abfälle sehr stark einschließt. In einem Briefwechsel ließ der Bundesumweltminister seinen Parteikollegen McAllister in Sachen Rückholbarkeit jedoch auflaufen. Auch die in Niedersachsen gewünschte schnelle Vorlage eines Endlagersuchgesetzes – hier wird 2013 gewählt - wird sich wohl nicht erfüllen. Erst im Laufe des nächsten Jahres soll es einen Gesetzesentwurf geben.

Interview: Kretschmann schließt Gorleben als Atom-Endlager nicht aus - Baden-württembergischer Ministerpräsident: Frage in einem großen nationalen Konsens lösen

Interview: "In Gorleben wird nicht erkundet, in Gorleben wird gebaut" - Grünen-Politiker Trittin fordert Stopp der Arbeiten im atomaren Endlager

DLF-Magazin: Der erfolglose Gorleben-Dialog - Norbert Röttgens Einsatz für ein Endlager in Gorleben kommt in der Region nicht gut an

DLF-Magazin: Gorleben ja, aber bitte in einem anderen Bundesland <br> Alternativen zum Atommüll-Lager gesucht

Forschung Aktuell : Gorleben plus - Expertengruppe legt Memorandum für die Suche nach atomarem Endlager vor

Umwelt und Verbraucher: Die Strategie "Gorleben plus" - Europäische Akademie legt Empfehlung für Endlagersuche vor

Interview Björn Thümler: Gorleben-Erkundung bleibt "ergebnisoffen" - Fraktionschef der niedersächsischen CDU kritisiert süddeutsche Länder

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Gottesdienst

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Mladen Ivanic, Vorsitzender des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina2025 Verhandlungsauftakt für EU-Beitritt?

Mladen Ivanic, Mitglied des Dreier-Staatspräsidium von Bosnien und Herzegowina (dpa picture alliance/ Michael Kappeler)

Bosnien und Herzegowina könnte ab 2025 ernsthaft über einen EU Beitritt verhandeln. Einen früheren Verhandlungsauftakt hält der amtierende Vorsitzende des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina, Mladen Ivanic, für unrealistisch. Ein EU Beitritt für sein Land jedoch die einzige Alternative.

Wildtiere in NotRettung in letzter Sekunde

Fast wäre ein Gullydeckel dem kleinen Eichhörnchen zum Verhängnis geworden. Es wollte durch eines der Löcher schlümpfen und hing fest. Zum Glück informierte eine Frau die Wildtierretter, die das völlig entkräftete Tier im letzten Moment noch befreien konnten.

VenezuelaGesundheitssystem vor dem Kollaps

Der kleine Isaai Camacho (v.r.) wartet mit seiner Mutter am 20.06.2016 am Kinderkrankenhaus «Jorge Lizarraga» der Stadt Valencia in Venezuela (Südamerika) auf eine Behandlung.  (dpa / picture-alliance / Georg Ismar)

Leere Klinik-Apotheken, durchgelegene Betten und marode Gebäude - das staatliche Gesundheitssystem in Venezuela ist völlig am Boden. Die Opposition wirft Präsident Nicolás Maduro vor, den Bürgern die Unterstützung von ausländischen Hilfsorganisationen zu verweigern. Er fürchte um das Image des Landes.

Vereine in DeutschlandEs sterbe der Sport?

Die TG Bornheim in Frankfurt ist einer der deutschen Großvereine. (Deutschlandradio / Marina Schweizer)

Es gibt immer mehr Vereine in Deutschland, aber immer weniger Mitglieder. Insbesondere Sportclubs klagen über Austritte und fehlende Ehrenamtler. Kann Deutschland den Titel als Vereinsweltmeister halten?

Tag der Menschenrechte Wie weit soll man die Wirtschaft auf Menschenrechte verpflichten?

Frauen und Männer arbeiten in der Textilfabrik "One Composite Mills" in Gazipur, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch. (picture alliance / dpa)

Inwieweit wird in Deutschland die Würde aller Menschen geachtet? Michael Windfuhr, Direktor des Instituts für Menschenrechte, plädiert dafür, etwa Unternehmen dazu zu verpflichten, ihre Produktionskette auf die Wahrung von Menschenrechten zu überprüfen.

Literaturnobelpreis 2016 Bob Dylans Shakespeare

Seit mehr als einem halben Jahrhundert prägt und inspiriert Bob Dylan die Kultur seiner Nation und der Welt. Seine Songtexte erscheinen oft rätselhaft. Näher als in diesem Hörsaal können wir dem rätselhaften Songwriter nicht kommen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Iran  Teheran beabsichtigt Anti-Terror-Koalition mit Saudi-Arabien | mehr

Kulturnachrichten

"Toni Erdmann" zum besten europäischen Film gekürt  | mehr

Wissensnachrichten

Deutsches Kulturerbe  Ostfriesische Teekultur, Skat und Hebammen gehören dazu | mehr