Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Rohani gewinnt Präsidentschaftswahl im Iran

Hoffnungsträger der Mittelschicht

Irans neuer Präsident: Der Geistliche Hasan Rohani.  (picture alliance / dpa / Vahid Salemi)
Irans neuer Präsident: Der Geistliche Hasan Rohani. (picture alliance / dpa / Vahid Salemi)

Überraschend hat der von Moderaten und Reformern unterstützte Kandidat Hassan Rohani im Iran die Präsidentschaftswahl gewonnen. Er erhielt nach offiziellen Angaben 50,71 Prozent der Stimmen und wurde damit im ersten Wahlgang gewählt.

Das bestätigte Innenminister Mostafa Mohammad Nadschar im Staatsfernsehen. Damit löst der als gemäßigter Geistlicher geltende 64-Jährige den amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ab. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 72 Prozent.

Reformer und moderate Kräfte hatten den Rohani als Kandidaten aufgestellt. Er erhielt vor der Wahl insbesondere die Unterstützung der einflussreichen Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani, der selbst nicht hatte antreten dürfen.

Rohani für Annäherung an Westen

Im Wahlkampf wurde nun Rohani durch seine Kritik an der Überwachung von Presse, Internet und Universitäten sowie seinem Versprechen, die Diskriminierung der Frauen zu bekämpfen, zum Hoffnungsträger der urbanen Mittelschicht. Der Geistliche sprach sich im Atomstreit für eine Annäherung an den Westen aus, um eine Aufhebung der Sanktionen zu erreichen.

Der Vorsitzende der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Bijan Djir-Sarai (FDP), warnte trotzdem vor zu hohen Erwartungen an Rohani. Ob er den Titel "Reformer" verdiene, müsse Rohani im Falle eines Wahlsiegs erst noch beweisen, sagte Djir-Sarai im Deutschlandfunk. "Die Menschen sind im Prinzip dankbar für einen Kandidaten, der wie gesagt auch ansatzweise nach Reformen riecht." Der FDP-Politiker wies auch darauf hin, dass das Geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Chamenei, die Macht habe, jegliche Reformen zu verhindern.

Auf Rohani folgen mit weitem Abstand eine Reihe konservativer Rivalen, unter anderem:

  • Teherans Bürgermeister Mohammed Baker Kalibaf mit 16,56 Prozent

  • Der akuelle Atomunterhändler Said Dschalili mit 11,36 Prozent, der als Kandidat des Geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei gehandelt wurde und als möglicher Favorit galt.

  • Der konservative Kleriker Ali Akbar Welajati, der lange als Favorit galt, nun aber mit 6,2 Prozent Fünfter wurde
Beobachter berichteten, die Anhänger der sechs Kandidaten, die zur Wahl angetreten waren, wollten die ausgezählten Stimmen genau überprüfen.

Ahmadinedschad durfte nicht noch einmal antreten

Irans Präsident Ahmadinedschad vor der UNO-Generalversammlung (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)Irans Präsident Ahmadinedschad vor der UNO-Generalversammlung (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad durfte nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht erneut antreten. Er hatte als Streiter für ein iranisches Atomprogramm, als Holocaust-Leugner und Antiamerikanist einen konfrontativen Regierungsstil gepflegt.

Bei der vergangenen Präsidentschaftswahl im Jahr 2009 hatte Ahmadinedschads stärkster Gegner Hossein Mussawi den Verdacht der Wahlfälschung geäußert und das Wahlergebnis abgelehnt. Daraufhin kam es zu gewaltsamen Protesten, die eine Neuauszählung von 50.000 Wahlurnen zur Folge hatten - am Ergebnis änderte dies nichts.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Hillary ClintonUnbeliebt, aber unentbehrlich

Sie sehen Hillary Clinton auf einem Großbildschirm. (AFP/Saul Loeb)

Hillary Clinton sei erfahren, politisch geerdet und ausdauernd, kommentiert Thilo Kößler. Sie sei aber auch Teil des Establishments und wirke kühl und verschlossen. Und doch sei sie die Einzige, die den Demagogen Trump noch stoppen könne.

Indiens Jugend unter DruckScheitern ist nicht vorgesehen

Schulkinder sitzen in Mahabalipuram (Indien) in einem Park. (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)

Der Konkurrenzdruck im indischen Bildungssystem ist riesengroß − in Nachhilfe-Instituten büffeln Kinder und Jugendliche für ihre Karriere. Wer es nicht schafft, erlebt manchmal fatale Konsequenzen.

EU-Kommission vs. GoogleVon Macht und Ohnmacht

Sie sehen eine Radfahrerin und den Schriftzug Google auf einem Straßenschild. (AFP / Jana Asenbrennerova)

Seit mehr als sechs Jahren laufen die Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Google. Der Vorwurf: Der US-Konzern missbrauche seine Marktmacht. Google sieht sich zu Unrecht in der Kritik, nimmt die Verfahren aber ernst: Denn der Ausgang könnte weltweit Konsequenzen für den Konzern haben.

Kriminalität im Darknet"Da wird zu wenig und das Falsche getan"

Symbolfoto zum Thema Internetkriminalität: eine Hand vor einem Computer-Monitor (imago / epd / Annette Zoepf)

Der Amokläufer von München soll seine Waffe aus dem Darknet bezogen haben. Zuletzt sei es besser gelungen, gegen Kriminalität im Netz vorzugehen, so das Bundeskriminalamt. Ein großes Problem sei aber die mangelnde Expertise der Ermittler, sagt der Forscher Sandro Gaycken.

Coaching und SingenMit Herbert Grönemeyer bei der Sommerakademie

Drei Männer mittleren Alters sitzen an einem Tisch mit Mikrofonen vor sich. Sie werden gleich eine Pressekonferenz geben. (Deutschlandfunk/Dirk Groß-Langenhoff)

Bei der Sommerakademie "Deine Stärken, Deine Zukunft" in Essen ging es darum, Schüler mit Förderbedarf und jugendliche Flüchtlinge beim fragilen Übergang zwischen Schule und Beruf zu unterstützen. "Da ist insgesamt viel Potenzial und das muss man nur auftauen", war das Fazit von Schirmherr Herbert Grönemeyer. Der studierte mit den Schülern auch ein Musical ein.

Digitalisieren für die Nachwelt"Aufnahmen für kommende Generationen erhalten"

Schallplattenspieler mit Langspielplatte  (imago stock&people)

Die Recording Preservation Foundation widmet sich dem Erhalt von amerikanischen Klangaufnahmen wie Radiosendungen, Musik und Reden. Stiftungsleiter Gerald Seligman erklärt die Idee.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Zahlreiche Zeitungen und Fernseh-Sender geschlossen | mehr

Kulturnachrichten

Zwei geraubte Gemälde wieder aufgetaucht  | mehr

Wissensnachrichten

Südseestaat Tonga  Statt Sonnen lieber Skifahren bei Olympia | mehr