Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan beschlossen

Kritik an Menschenrechtslage in dem zentralasiatischen Land

Nursultan Nasarbajew (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Nursultan Nasarbajew (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)

Die deutsche Wirtschaft kann in Kasachstan nach neuen Rohstoffvorkommen suchen. Beim Besuch von Präsident Nursultan Nasarbajew in Berlin wurde eine Rohstoffpartnerschaft unterzeichnet. Kritiker bemängeln derweil die Menschenrechtslage in dem zentralasiatischen Land.

Der kasachische Präsident Nasarbajew ist zu einem Besuch in Deutschland eingetroffen. In Berlin unterzeichneten beide Länder eine Rohstoffpartnerschaft. Sie eröffnet deutschen Unternehmen die Möglichkeit, in dem zentralasiatischen Land nach seltenen Erden und anderen seltenen Ressourcen zu suchen und diese zu fördern. Im Gegenzug erwartet Kasachstan deutsche Investitionen in die Industrialisierung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach der Unterzeichnung der Partnerschaft, sie habe auch die Frage der Menschenrechte angesprochen. Sie sei sich mit Präsident Nasarbajew darin einig, dass das gewaltsame Vorgehen gegen streikende Ölarbeiter im Dezember untersucht werden müsse. Damals waren 17 Arbeiter getötet worden.

Knüppeleinsatz gegen Ölarbeiter in Schonaosen (picture alliance / dpa /Anatolij Ustinenko)Knüppeleinsatz gegen Ölarbeiter in Schonaosen/Kasachstan, Dezember 2011 (picture alliance / dpa /Anatolij Ustinenko)

Nasarbajew sichert Untersuchung zu

Nasarbajew stellte die Mängel bei den Menschenrechten als Entwicklungsproblem dar. Niemand könne erwarten, dass sein Land innerhalb von zehn Jahren eine mustergültige Demokratie werde. Die Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon warf der Bundesregierung im Deutschlandfunk vor, sie übergehe die Menschenrechtsfrage und demokratische Standards zugunsten lukrativer Wirtschaftsverträge. Von Cramon wies auch auf die Fälschungsvorwürfe bei den Parlamentswahlen im Januar hin. Offiziell hatte die Partei Nasarbajews die Wahl mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen. Er bekleidet dieses Amt seit 1990. Vorher war er Parteichef der Sowjetrepublik Kasachstan. Familienmitglieder Nasarbajews kontrollieren große Teile der Wirtschaft und der Politik.

Wirtschaftlich begehrter Partner

Kasachstan, das im Laufe des 19. Jahrhunderts von Russland kolonisiert wurde, wurde erst in der Sowjetzeit grundlegend modernisiert. Die Wirtschaft stützt sich bislang hauptsächlich auf Rohstoffexporte. Kasachstan verfügt angeblich über die fünftgrößten Reserven der Welt. Bereits genutzt werden die Öl- und Gasvorräte, die teils über Russland nach Europa exportiert werden, teils über eine neue Pipeline nach China. Die Verhandlungen der EU mit dem Land über direkte Gaslieferungen treten auf der Stelle; dies ist einer der Gründe dafür, dass die Russland umgehende Nabucco-Pipeline von Aserbaidschan in die Türkei nach wie vor Auslastungsprobleme hat.

Deutsche Wirtschaft will sich von China emanzipieren

In Kasachstan werden aber auch Lagerstätten der sogenannten Seltenen Erden vermutet. Sie sind für viele elektronische Geräte unentbehrlich. Derzeit wird ein Großteil dieser Metalle in China gefördert; Peking sucht sein Quasi-Monopol durch Exportbeschränkungen zu bewahren und die Preise hoch zu halten. Vertreter der deutschen Industrie begrüßten daher den Abschluss der Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan nachdrücklich. Zuvor hatte Deutschland schon mit der Mongolei ein vergleichbares Abkommen geschlossen.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

PolitikerPlötzlich Populist

Wo kommen auf einmal die vielen Populisten her? In den USA hat sich Donald Trump mit seinen extremen Positionen durchgesetzt. In Frankreich bringt sich Marine Le Pen in Stellung für den Präsidentschaftswahlkampf 2017. Geert Wilders macht die Niederlande unsicher und in Ungarn hat sich der selbstbewusste Viktor Orbán festgesetzt.

Referendum in Italien"Diese Unsicherheit ist es, die Europa bewegt"

Die Flagge der Europäischen Union weht vor wolkenverhangenem Himmel. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Wenn Italien nein sagt zur Verfassungsreform, wären die Folgen für die EU nicht absehbar, sagte Florian Eder vom Onlinemagazin "Politico" im DLF. Die größte Sorge sei die Frage, wie die Märkte reagieren. Die schlimmste Furcht wäre, wenn die Eurokrise mit aller Macht zurückkäme.

Hackerangriff auf die Telekom Raus aus der digitalen Unmündigkeit

Ein Passwort wird auf einem Laptop über die Tastatur eingegeben. Die Hände auf der Tastatur tragen schwarze Stulpen. Auf dem Monitor sind die Worte "Enter Password" zu lesen. Im Hintergrund erkennt man verschwommen weitere Bildschirme.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Der Hackerangriff auf die Telekom-Router war ein Warnschuss. Er zeigt: Wir müssen uns besser wappnen gegen die Bedrohung durch Cyber-Kriminelle und Spionage. Dazu braucht es mehr digitale Bildung und mehr Haftung von Herstellern, meint Philip Banse.

Ruth Klüger über Österreich"Entsetzlich, dass es so weit gekommen ist"

Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger spricht am 27.01.2016 in Berlin im Bundestag bei der Gedenkveranstaltung. (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)

Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger betrachtet den Aufstieg der Rechtspopulisten in ihrem Geburtsland Österreich mit Sorge. Auch Jahrzehnte nach ihrer Emigration sei ihr die Entwicklung dort noch wichtig, sagte sie mit Blick auf die morgige Präsidentenwahl im DLF. Für gefährlicher hält Klüger jedoch die Lage in ihrer Wahlheimat: den USA.

Carmen Maja-Antoni über Gisela May"Ich habe immer ihre Haltung bewundert"

Gisela May, Schauspielerin und berühmte Brechtinterpretin zu Gast im Studentenkeller "Zur Rosen" in Jena (dpa / picture alliance / Universität Jena )

Beim Singen auch die Geschichte eines Liedes zu erzählen - diese Lektion habe sie von Gisela May gelernt, so die Schauspielerin Carmen Maja-Antoni. May sei eine große Frauenfigur des Berliner Ensembles gewesen: "Und eine Haltung hatte sie immer".

Trump und die Deutsche BankEin juristisches Minenfeld

Hochhaus der Deutschen Bank in Frankfurt (dpa - Wolfram Steinberg )

Sechs Wochen vor dem Amtsantritt des Immobilienunternehmers Donald Trump als US-Präsident ist noch unklar, wie mögliche Interessenskonflikte vermieden werden sollen. Das ist auch für die Deutsche Bank ein Problem: Sie ist Gläubiger von Trump - dessen Regierung bald über ein milliardenschweres Bußgeld gegen das Geldinstitut entscheiden wird.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Italien  Verfassungsreferendum angelaufen | mehr

Kulturnachrichten

Originalausgabe von "Der kleine Prinz" für knapp 90.000 Euro versteigert  | mehr

Wissensnachrichten

Steigende Nachfrage  Der Kirche fehlen die Exorzisten | mehr