Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Romney und die versteckte Kamera

US-Präsidenschaftskandidat der Republikaner unter Druck

Us-Präsidentschaftkandidat: Mitt Romney (picture alliance / dpa / EPA / Shawn Thew)
Us-Präsidentschaftkandidat: Mitt Romney (picture alliance / dpa / EPA / Shawn Thew)

In einem heimlich gefilmten Video bezeichnete Mitt Romney die Hälfte der Amerikaner als Nichtsnutze und Sozialschnorrer. Weiter lästerte der Kandidat über eine Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt. Haben die Republikaner damit einen möglichen Sieg bei den US-Wahlen verspielt?

In einer Zeit, in der fast jeder im Besitz eines Smartphones ist, lässt sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney bei einer Spendenveranstaltung zu äußerst uncharmanten Aussagen hinreißen. Eigentlich hätte er damit rechnen müssen, aufgenommen zu werden.

Heimlicher Videomitschnitt: Romney lästert über US-Bürger

Vor wohlhabenden Spendern lästerte Mitt Romney Mitte Mai im US-Bundesstaat Florida über seine Landsleute. Er stellt sich dabei als ein Kandidat vor, der nur Amerikas bessere, weil reichere Hälfte zu neuen Ufern führen will. Fast die Hälfte, exakt 47 Prozent der Amerikaner, hat er abgeschrieben.

"Es sind 47 Prozent, die zu ihm (Präsident Barrack Obama) halten, die abhängig sind von der Regierung, die sich als Opfer sehen und die glauben, dass die Regierung sich um sie kümmern muss", sagt Romney in dem mit versteckter Kamera gedrehten Mitschnitt. "Es ist nicht mein Job, mir um diese Leute Sorgen zu machen", fügte er mit Blick auf die Anhänger Obamas hinzu. "Ich werde sie nie davon überzeugen, dass sie selbst Verantwortung übernehmen und sich um ihr Leben kümmern sollten."



Romney spricht Palestinensern Friedenswillen ab

Außerdem äußerte er sich in dem Video zum Nahost-Konflikt. Darin sprach er Pälestinensern den Friedenswillen ab. "Ich sehe es so, dass die Palästinenser aus politischen Erwägungen keinen wie auch immer gearteten Frieden haben wollen, dass sie sich der Zerstörung und Auslöschung Israels verschrieben haben", sagte Romney.

Als Präsident würde er im Nahostprozess lediglich auf Zeit spielen. Es gebe nur die Hoffnung, dass "irgendwann irgendwie irgendwas passieren und es sich lösen wird". Mit Empörung haben die Palästinenser auf Äußerungen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zu ihrer Rolle im Nahost-Friedensprozess reagiert. Romneys Einschätzung, die Palästinenser seien an einer Lösung des Nahost-Konflikts nicht interessiert, sei "vollkommen inakzeptabel", sagte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat. "Niemand hat mehr Interesse an Frieden als die Palästinenser", weil dieser "Freiheit und Unabhängigkeit von der israelischen Besatzung" bedeute.

Romney bleiben nur noch nur sieben Wochen, um sein ramponiertes Image aufzupolieren. Das erscheint schwierig, wenn man bedenkt, dass er in dem heimlich aufgenommenen Video offen zugibt, die Hälfte der amerikanischen Wähler im Grunde zu verachten.

Obama nimmt Steilvorlage an

US-Präsident Barack Obama redet beim Parteitag der Demokraten (picture alliance / dpa / EPA / Tannen Maury)US-Präsident Barack Obama redet beim Parteitag der Demokraten (picture alliance / dpa / EPA / Tannen Maury)Präsident Barack Obama hat die Steilvorlage seiner Herausforderers Mitt Romney dankbar angenommen: Der Präsident müsse für alle Amerikaner da sein und nicht nur für wenige auserwählte, sagte Obama im US-Fernsehen. "Eine Sache, die ich als Präsident gelernt habe, ist, dass man das ganze Land repräsentiert", sagte Obama. Er wies die Einschätzung Romneys zurück und erklärte, es gebe nur wenige Menschen in den USA, die sich als Opfer betrachteten.

Romney bemüht sich unterdessen, seine Kommentare als Beweis für die fundamentalen Unterschiede zu Obama darzustellen. Der Herausforderer sagte dem US-Fernsehsender Fox, er habe keine Wähler abschreiben wollen.

Hinter der Veröffentlichung steckt Jimmy Carters Enkel

Hinter der Veröffentlichung des Videos stand ein Enkel des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter. James Carter IV. sagte, er habe denjenigen, der die Äußerungen heimlich aufgenommen habe, überzeugt, den Film den Medien zu übergeben. Er habe zunächst einen kurzen Clip auf YouTube entdeckt und dann via Twitter den Verfasser ausgemacht.

Der frühere Präsident war begeistert von der Arbeit seines Enkels: "James: Das ist außergewöhnlich ", schrieb er in einer Mail, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:05 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Landlust/Landfrust (1/2)Dorfleben im Wandel

Zwei ältere Dame tragen nach einem Einkauf ihre Lebensmittel nach Hause. (picture alliance/ dpa/ David Ebener)

Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Dorfidylle ist in der Gesellschaft groß. Mit der Realität hat diese Vorstellung des Landlebens oft wenig zu tun. Kerstin Faber hat sich intensiv mit ländlichen Regionen auseinandergesetzt. Ein Problem seien Dörfer mit großer Überalterung, sagte sie im DLF. "Da haben wir es mit einem Abbau der Daseinsvorsorge zu tun."

Berlinale 2017"Vollmundiger Jahrgang mit kratzigem Abgang"

Die Filmkritiker Peter Körte ("FAS") und Katja Nicodemus ("Zeit") nach ihrem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur auf der Berlinale 2017. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Das Gleichnis eines guten Weines fällt der Filmkritikerin Katja Nicodemus zum Wettbewerb des diesjährigen Berliner Filmfestivals ein. "Ich habe wenig gesehen, was mich umgehauen hätte", hält ihr Kollege Peter Körte dagegen.

Hanya Yanagihara: "Ein wenig Leben"Ein umwerfender und suspekter Roman

"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Im Hintergrund: die Skyline von New York. (Hanser / picture-alliance / dpa)

Dieser Roman geht an Grenzen: Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara erzählt in "Ein wenig Leben" von exzessivem menschlichen Leid. Im Zentrum stehen vier Männer aus New York. Einer von ihnen, Jude, ist von einem düsteren Geheimnis umgeben, das seine Freunde, aber auch den Leser in Bann hält.

Deutscher KolonialismusUnheilvolle Kontinuitäten

A performance shows the treatment of Hereros in 1904 at a ceremony commemorating the killing of thousands of Hereros by German troops, at Okakarara, 250 km northwest of Windhoek, Namibia, Saturday, 14 August 2004. Germany on Saturday asked the Herero people of Namibia to forgive it for the massacres committed by its troops during a three year uprising 100 years ago. (picture alliance / dpa / WIEBKE GEBERT)

Prügel mit dem Tauende oder doch mit der Nilpferdpeitsche? Die Frage, wie die zwangsverpflichteten schwarzen Arbeiter in den deutschen Kolonien "zur Arbeit erzogen", "zivilisiert" werden sollen, diskutierten Politiker und Mediziner vor etwas mehr als hundert Jahren in aller Öffentlichkeit.

GewaltenteilungFinanz als vierte Gewalt?

Legislative, Exekutive, Judikative und Finanzwesen: So zählt der Kulturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl die Gewaltenteilung auf. Das mit dem Finanzwesen kennen wir aber so nicht aus der Schule. Er sagt: Wer das Finanzwesen als vierte Macht im Staate nicht (an)erkennt, sitzt einer Legende auf.

Petras inszeniert O'NeillSippe mit unheilvoller Vergangenheit

Armin Petras, der Intendant des Schauspiels Stuttgart, steht am 02.06.2016 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Foyer an einer Treppe. (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)

Eine Familie steuert in den Untergang: Überraschend fein und intim inszeniert Armin Petras "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill am Schauspiel Stuttgart. In der Rolle der schuldbeladenen Mutter glänzt - der Schauspieler Peter Kurth.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brüssel  Euro-Finanzminister beraten über Griechenland-Hilfen | mehr

Kulturnachrichten

Proteste gegen Trump  | mehr

Wissensnachrichten

Trump-Rede  Schweden scherzen über angeblichen Anschlag | mehr