Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Rosa Parks und der Bus-Boykott in Montgomery

Zum Tod der US-Bürgerrechtlerin

Von Siegfried Buschschlüter

Rosa Parks im April 1998 (AP)
Rosa Parks im April 1998 (AP)

Als Rosa Parks am Nachmittag des 1. Dezember 1955 ihren Arbeitsplatz als Näherin im Kellergeschoss des Kaufhauses "Montgomery Fair" verlässt, führt ihr Weg sie, wie immer nach der Arbeit, zur Bushaltestelle im "Court Square".

Als der gelb-grüne, städtische Bus, Linie Cleveland Avenue, an der Haltestelle stoppt, steigt Rosa Parks ein, wirft ihre Zehn-Cent-Münze in den Automaten und setzt sich auf einen freien Platz am Gang in der Viererreihe, in der Mitte des Buses, unmittelbar hinter dem Schild, auf dem "Colored" steht, für Schwarze.
Was dann geschieht, hat sich unauslöschlich in Rosa Parks Gedächtnis eingeprägt.

"Well, four of us were involved in that section of the bus. A man occupied the seat with me next to the window. I was on the aisle seat and there were two women across the aisle."

Rechts neben ihr am Fenster sitzt schon ein Mann, links von ihr, auf der anderen Seite des Gangs haben zwei Frauen Platz genommen. An den nächsten beiden Haltestellen füllt sich auch der vordere Teil des Busses, der Weißen vorbehalten ist. Als beim dritten Halt weitere Personen zusteigen, bleibt ein Weißer ohne Sitzplatz übrig.

Und da schaltet sich der Fahrer ein. Sein Name James Blake. Sie sollten die Sitzreihe freimachen, herrscht er Rosa Parks und die anderen drei Schwarzen an. Und als sie nicht reagieren, wiederholt er seine Aufforderung, diesmal mit Nachdruck und in drohendem Ton.

Rosa Parks in einem Bus in Montgomery (AP)Rosa Parks in einem Bus in Montgomery (AP)In ihrer Autobiographie "My Story" schilderte sie, was ihr damals durch den Kopf ging. Es sei immer gesagt worden, sie habe ihren Platz nicht aufgeben wollen, weil sie müde war. Aber, so schrieb sie, das stimmt nicht. "Ich war nicht müder als normalerweise am Ende eines Arbeitstages. Ich war auch nicht alt, obwohl einige diese Vorstellung von mir haben. Ich war 42. Und wenn ich etwas leid war, dann, immer nur nachzugeben". Sie habe nicht vorgehabt, festgenommen zu werden, sagte sie später. Aber als sie vor der Entscheidung stand, habe sie nicht gezögert.

"When I had to face that decision, I didn't hesitate to do so."Wir hatten schon zulange nachgegeben", sagte sie. "Je mehr wir uns dieser Behandlung beugten, desto schlimmer wurde es"We had endured that too long and the more we gave in, the more we complied with that kind of treatment, the more oppressive it became."

Und so kam es, dass die 42jährige Näherin an jenem Spätnachmittag des 1. Dezember 1955 in einem städtischen Bus von Montgomery, Alabama, dem weißen Fahrer James Blake, der sie kraft Rassengesetz zum Aufstehen aufforderte, Paroli bot und damit eine ganze Gesellschaft und ihr System der Rassentrennung in die Schranken wies.

Die Nachricht von der Verhaftung Rosa Parks' verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Innerhalb von 48 Stunden nach ihrer Festnahme rufen Parks Freunde die Schwarzen Montgomerys zu einem Boykott der städtischen Busse auf. Aus einer zunächst für einen Tag geplanten Protestaktion - dem Tag, an dem Rosa Parks zu einer Geldstrafe von zehn Dollar verurteilt wird - wird nach Einschaltung von schwarzen Geistlichen der Stadt ein Boykott, der 381 Tage dauern sollte. Am 13. November 1956 erklärt das Oberste Gericht in Washington die Rassentrennung auf öffentlichen Verkehrsmitteln für verfassungswidrig.

1964, auf dem Höhepunkt der Bügerrechtsbewegung, wurde mit dem Civil Rights Act die Rassendiskriminierung in öffentlichen Einrichtungen verboten.

Rosa Parks hatte zu dem Zeitpunkt Montgomery längst verlassen. Sie fand keine Arbeit in der Stadt ihres Protestes und zog nach Detroit, wo sie im Büro des US-Abgeordneten John Conyers arbeitete.
1996 erhielt sie von Bill Clinton die Presidential Medal of Freedom, 1999 die Congressional Gold Medal, die höchste zivile Auszeichnung des Landes. Am Montag starb sie in Detroit im Alter von 92 Jahren.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:07 Uhr Kulturfragen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Stigmatisierung in DeutschlandDer Rassismus tobt nicht nur am rechten Rand

Eine türkische Mutter mit ihrer Tochter in Berlin-Kreuzberg (imago/Steinach)

Der Rassismus in Deutschland sei in den Strukturen der Gesellschaft tief verankert, meint Schirin Amir-Moazami. Die Gleichheit vor dem Gesetz scheine wenig daran zu ändern, dass für Ayse oder Mohammed der soziale Aufstieg steiniger verläuft als für Marie oder Moritz.

NahtodWahrheit oder Hirngespinst

Ein heller Tunnel, gleißendes Licht, Landschaften wie im Paradies: Menschen mit Nahtoderfahrungen schildern ihre Erlebnisse in den schönsten Farben und Gefühlen. Viele von ihnen freuen sich sogar, wenn sie wieder ins Leben zurückgekehrt sind, auf den späteren Tod.

Über Mord und Tod im FernsehenAll die schönen Toten

Eine junge Frau liegt mit geöffneten Augen auf dem Boden. (Imago / Westend61)

Deutsche Fernsehkultur ist Todeskultur. Auf den Bildschirmen wird in einer Tour gestorben und gemordet. Allerorten liegen Leichen, fließt Blut, stets stellen Ermittler die gleichen Fragen, verkünden Rechtsmediziner einen ungefähren Todeszeitpunkt. Im Fernsehen ist der Tod omnipräsent - doch woher kommt diese als Fiktion verkleidete Faszination des Todes?

Kultur des TodesWenn der Friedhof stirbt

Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen finden ihn als letzte Ruhestätte zu teuer und die strengen Vorgaben nicht zeitgemäß. Sie lassen ihre Asche lieber übers Meer verstreuen, sich unter einem Baum beerdigen oder neben dem geliebten Haustier.

Soziologe Khosrokhavar über Terror in EuropaWarum der Dschihadismus weiter andauern wird

Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar ist Studienleiter an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. (AFP / Damien Meyer)

Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Unruhen in IndienDie Wut der Jugend von Kaschmir

Jugendliche werfen Steine auf ein indisches Polizeiauto während der Unruhen in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. (picture alliance / dpa / Farooq Khan)

Seit dem 8. Juli gehören Tote und Verletzte zum traurigen Alltag im indischen Teil Kaschmirs. Damals erschossen Soldaten den Kämpfer Burhan Wani. In den Augen der indischen Regierung ein Terrorist, für viele Jugendliche ein Held und Märtyrer. Seitdem gehen seine Anhänger regelmäßig demonstrieren - doch immer seltener geht es dabei friedlich zu.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Streit im UNO-Sicherheitsrat um Aleppo | mehr

Kulturnachrichten

Ex-Ärzte-Bassist Hagen Liebing gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Ozean-Müllabfuhr  Schiff sammelt Plastikabfall ein | mehr