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Rostock entschuldigt sich bei Opfern der Ausschreitungen von 1992

Zahlreiche Gedenkveranstaltungen geplant

Das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen, Ort der ausländerfeindlichen Ausschreitungen vom August 1992. (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)
Das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen, Ort der ausländerfeindlichen Ausschreitungen vom August 1992. (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Die Hansestadt Rostock hat sich heute bei den Opfern der ausländerfeindlichen Krawalle vor 20 Jahren entschuldigt. "Die Tage im August 1992 gehören zu den dunkelsten in der jüngeren Geschichte der Stadt", betonte die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, Liane Melzer. In den kommenden Tagen wird mit einer Reihe von Veranstaltungen der Ereignisse gedacht.

"So etwas darf in unserer Stadt nie wieder geschehen", sagte Melzer. Rostock habe aus den Ereignissen gelernt. Vieles habe sich inzwischen geändert. Auch die in der Bürgerschaft vertretenen Fraktionen sowie die FDP-Gruppe entschuldigten sich in einer gemeinsamen Erklärung bei den Opfern. Die Behörden von Bund, Land und der Hansestadt Rostock hätten versagt, heißt es in der Mitteilung.

"Auch unmittelbar nach den Ereignissen erfuhren die betroffenen Migrantinnen und Migranten und Asylsuchenden nicht die notwendige Solidarität aus der Gesellschaft. Dafür entschuldigen wir uns und versichern: Wir haben gelernt!".

Zugleich erklären die Parteien: "Wir dürfen diese Ereignisse weder verdrängen noch beschönigen oder vergessen. Wir wollen und müssen uns ihrer erinnern und die Aufarbeitung als immer währenden Auftrag begreifen. (…) Der zwanzigste Jahrestag der Ausschreitungen in Lichtenhagen mahnt uns, uns jeden Tag aufs neue - über alles Trennende im politischen Alltag hinweg –noch energischer für eine weltoffene, pluralistische, tolerante und demokratische Gesellschaft einzusetzen."

Im Stadtteil Lichtenhagen kam es vom 22. bis 26. August 1992 zu Ausschreitungen. Hunderte Menschen, darunter viele Rechtsradikale, belagerten die kurz zuvor geräumte Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber sowie ein benachbartes Wohnheim für Vietnamesen und warfen Steine und Brandsätze.

Die Stadt Rostock gedenkt der Ausschreitungen mit einer Reihe von Veranstaltungen. Höhepunkt ist am Sonntag die Gedenkstunde, zu der auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet wird. Außerdem will die Stadt am Ort der damaligen Ausschreitungen eine etwa 20 Jahre alte Eiche pflanzen, die mit einer Gedenkplakette an die Ereignisse erinnern soll.

Programmhinweis:

Biedermänner und Brandstifter - Themenschwerpunkt im Deutschlandradio Kultur: Vor 20 Jahren wurden in Rostock-Lichtenhagen Asylbewerber angegriffen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

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