4. Sitzung des Hörfunkrates in der VI. Amtsperiode

 

Rückblick auf die Sitzung des Hörfunkrats am 4. Dezember 2014

1. Allgemeines

Auf der Tagesordnung der vierten Hörfunkratssitzung in diesem Jahr standen neben Programm- noch weitere Unternehmensthemen. So hat der Hörfunkrat die Einsetzung eines nichtständigen Ausschusses „Unternehmensstrategie" bis zum Ende der 6. Amtsperiode beschlossen. Der Ausschuss besteht aus zehn Mitgliedern und bereitet die entsprechenden Diskussionen zur Entwicklung von Deutschlandradio im Hörfunkrat vor. Die Mitglieder sind: Robert Clemen, Knut Deutscher, Michael Deutscher, Helga Knich-Walter, Doris Krönig, Yvonne Magwas, Gerd Meyer-Rockstedt, Frank Schildt, Sigrid Wolff und JürgenZimper.

Ausführlich diskutierte der Hörfunkrat den Bericht der Gleichstellungsbeauftragten von Deutschlandradio. Ulrike Stengel unterstrich die Bedeutung des 2014 gestarteten Mentoringprogramms „Mehr Frauen in Führung". Die Zahl der Frauen in Leitungspositionen entspreche nicht dem hohen Anteil an weiblichen Beschäftigten insgesamt. Hier bedürfe es eines Kulturwandels, was auch Intendant Dr. Willi Steul betonte und mit der Geschäftsleitung verfolgt. Für die notwendigen Veränderungen brauche es in einem „kleinen Haus wie Deutschlandradio bei sehr geringer personeller Fluktuation einen langen Atem. Aber wir haben die nötige Energie." Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beim Deutschlandradio und die Förderung von Frauen in Führungspositionen wird bei der nächsten Hörfunkratssitzung noch einmal thematisiert.

Intendant Dr. Willi Steul informierte die Gremienmitglieder über aktuelle medienpolitische Entwicklungen. Neben der Entscheidung der Ministerpräsidenten zu einem digitalen ARD/ZDF  Jugendangebot stand dabei das Votum der ARD-Intendanten zugunsten des forcierten Ausbaus von DAB+ im Mittelpunkt. Bei ihrem Treffen am 24./25. November in Hannover hatten die ARD-Intendanten den Gesetzgeber aufgefordert, die  Voraussetzungen und verstärkte Anreize für den Umstieg von Analog- auf Digitalradio DAB+ zu schaffen. Die Positionen von ARD und Deutschlandradio seien erfreulicherweise weitestgehend deckungsgleich, mit Ausnahme der Festlegung eines Abschaltdatums. „Die Erfahrungen in europäischen Nachbarländern zeigen, dass wir dafür auch bei uns ein konkretes Abschaltdatum für UKW benötigen, so kommt stärkere Bewegung in den Markt", so Steul. Der Hörfunkrat begrüßt das Engagement für einen verstärkten Digitalradioausbau: „Nicht zuletzt für den mobilen Empfang liegt hier die Zukunft.", so der Vorsitzende Frank Schildt.

 

2. Hörerkritik

Der Hörfunkrat thematisierte darüber hinaus auch die Entwicklungen in den Programmen und die Reaktionen der Hörerschaft. Frank Schildt bezeichnete es als „Kernaufgabe unseres Gremiums, auch Anregungen und Kritik aufzunehmen und gemeinsam mit den Programmverantwortlichen zu diskutieren." Der Hörfunkrat wird sich zukünftig in einem festen Turnus mindestens einmal jährlich in einer Übersicht über eingehende Beschwerden und Kritik informieren. Zur Sitzung im Mai 2014 soll dazu auch ein Vertreter des Hörerservice eingeladen werden.

In der Sitzung berichteteProgrammdirektor Andreas-Peter Weber über die eingehende Kritik:

Der Anteil der Hörerkritiken/Beschwerden macht etwa 10 bis 15 Prozent des Gesamtaufkommens der Anfragen an den Hörerservice aus. Dieser Anteil ist seit drei Jahren konstant.

Im Jahr 2013 hat der Hörerservice 144 912 Anfragen bearbeitet. Nicht alle kritischen oder lobenden Zuschriften werden aber innerhalb der Rubrik Lob/Kritik gezählt, sondern mitunter in anderen Rubriken festgehalten, beispielsweise wenn bei einer Manuskriptbestellung in einem Nebensatz die Sendung gelobt wird.

... im Deutschlandfunk
Kritik gab es an der politischen Berichterstattung des Deutschlandfunks zur Lage der Ukraine. Seit Beginn des Ukraine-Konflikts im März dieses Jahres wurden 1.431 Hörerzuschriften zur Berichterstattung zu diesem Thema erfasst. Nur 35 davon enthielten ausdrückliches Lob und 31 einen ‚Freispruch' vom Vorwurf der tendenziösen Berichterstattung gegen Russland, nachdem genau diese häufig erhobene Kritik im Programm thematisiert worden war.

Weitere 52 Zuschriften enthielten Meinungen zum Ukraine-Konflikt, die aber in Bezug auf die Berichterstattung größtenteils wertfrei blieben. Verbleiben also 1.313 negative Kritiken.
Mit den Hintergründen dieses Phänomens, mit dem sich alle öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten (und alle großen Zeitungen) konfrontiert sehen, hat sich der Programmausschuss des Hörfunkrats bereits in der September-Sitzung befasst. Deutschlandfunk plant zu dem Phänomen der besonders in Deutschland so heftig umstrittenen Ukraine/Russland-Politik einen eigenen Programmschwerpunkt.

... bei Deutschlandfunk Kultur
Seit Ende August 2014 sind keine nennenswert zahlreichen Schreiben zu den Programmveränderungen vom Juni 2014 mehr eingegangen. Es erreichen den Hörerservice auch weiterhin vereinzelt Zuschriften, in denen der Wegfall der Nachttalk-Sendung „22 54" bedauert und kritisiert wird – meist aber von Hörerinnen und Hörern, die bereits in der Vergangenheit ein- oder mehrfach geschrieben haben. Ähnlich verhält es sich mit der Kritik an der Doppelmoderation innerhalb der Sendung „Studio 9". Bis Ende Oktober lagen hierzu etwa 100 kritische Zuschriften vor.

... bei Deutschlandfunk Nova
Kritische Zuschriften thematisierten (im Zuge der Programmreform vom Februar 2014) zunächst die Musikauswahl, gefühlt weniger typisch studentische Inhalte sowie eine zu kurze Verweildauer der Playlisten (24h). Auch das „Duzen" wurde von einigen Hörern als ungewohnt wahrgenommen.

 

3. Hörerbeteiligung in den Programmen

Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion im Hörfunkrat standen die Möglichkeiten der Partizipation für Hörerinnen und Hörer. Der Hörfunkratsvorsitzende hob die „besondere Bedeutung" hervor, die partizipativen Elementen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukomme: „In den drei Programmen von Deutschlandradio gibt es eine Reihe von Sendungen mit solchen partizipativen Elementen." Der Hörfunkrat bat die Programmverantwortlichen, partizipative Elemente in die Programme und Sendungen einzubringen, wo immer es dem Format entsprechend möglich sei.

Programmdirektor Andreas-Peter Weber berichtete über bereits vorhandene Formen der Hörerbeteiligung:

Alle drei Programme von Deutschlandradio fühlen sich dazu verpflichtet, nahe bei ihren Hörerinnen und Hörern zu sein und diesen die Möglichkeit zu geben, sich direkt in die Programme einzubringen. Während dies bei Deutschlandfunk Nova zielgruppenorientiert vorrangig über soziale Medien geschieht, bieten Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur zahlreiche Sendungen an, in denen Hörerinnen und Hörer per Telefon mitdiskutieren bzw. Fragen stellen können:

... im Deutschlandfunk
• „Kontrovers", montags 10.10 – 11.00 Uhr
Politisches Streitgespräch zu innen- und außenpolitischen Themen
• „Sprechstunde", dienstags 10.10 – 11.00 Uhr
Alles Wissenswerte rund um Medizin und Gesundheit
• „Länderzeit", mittwochs 10.10 – 11.00 Uhr
Gesellschaftspolitische Themen aus Sicht der Bundesländer
• „Marktplatz", donnerstags 10.10 – 11.00 Uhr
Service-Format für den/die interessierte(n) VerbraucherIn
• „Lebenszeit", freitags 10.10 – 11.00 Uhr
Journal über das Zusammenleben der Generationen
• „PISAplus", samstags 14.05 – 15.00
Forum für ein lebenslanges Lernen

... bei Deutschlandfunk Kultur
• „Im Gespräch", samstags 09.05 – 11.00 Uhr
Themen, die uns bewegen – im Diskurs zwischen Expertinnen und Experten, Hörerinnen und Hörern
• „Kakadu – Quasseltag", donnerstags 15.05 – 15.30 Uhr
Von Politik bis Alltagsthemen. Hier dürfen Kinder ihre Meinung sagen, Fragen stellen und Fragen beantworten, im Studio oder am kostenlosen Hörertelefon

 

4. Deutschsprachige Musik in den Programmen

Der Hörfunkrat diskutierte – aufgrund von Schreiben von Hörern - zum wiederholten Mal über den Anteil deutschsprachiger Musik in den drei Programmen von Deutschlandradio. Auch hier fasste Programmdirektor Weber das Angebot von Deutschlandradio zusammen:

Im Programm Deutschlandfunk Kultur ist generell zu unterschieden zwischen der prägenden Musikfarbe im Repertoire der Magazinsendungen und den expliziten Musiksendungen (Konzert, In Concert, Einstand, Chormusik, Alte Musik, Neue Musik, Besondere Aufnahme, Musikfeuilleton, Interpretationen, Tonart, Sonntagmorgen, Sonntagsrätsel, ROC-Magazin, Americana, Weltmusik, Filmmusik, Clublounge, Chansons und Balladen).

In den Musiksendungen werden sehr unterschiedliche Musikfarben gespielt, insbesondere auch Klassik, Oldies, Country etc., der Anteil der deutschsprachigen Titel liegt hier je nach Berichtsgegenstand und Ausrichtung der Sendung unterschiedlich hoch. (Zum Beispiel werden im „Sonntagsrätsel" und auch in der Sendung „Sonntagmorgen" etwa 50 Prozent deutschsprachige Titel gespielt, in der Sendung „Konzert" ausschließlich klassische Musik.)
Deutschlandfunk Kultur hat sich seit dem 21. Juni 2014 für ein anspruchsvolles, pop-orientiertes Wortprogramm entschieden, das heißt: Es ist ein Wortprogramm und spielt Musik, die zu der Hörerzielgruppe „Moderne Kulturorientierte" passt. Die Genres sind dementsprechend vor allem eingängiger, aber nicht Mainstream-Pop, eingängiger Jazz, Blues,  Singer-Songwriter, nicht-englisch-gesungener Pop, Chanson und Rock. Ziel ist eine eigene Musiksprache, die die Wiedererkennbarkeit des Programms unterstützt.

Da Musik in allen Magazinstrecken gespielt wird, umfasst das Repertoire insbesondere englischsprachige Musik (85 Prozent der Titel im Musikrepertoire), die nicht-englischen Titel bestehen insbesondere aus deutschen, französischen, italienischen und spanischen Titeln, die in den Magazinstrecken der Primetime und den Wortmagazin-Sendungen im Tagespro-gramm eingesetzt werden (pro Magazinstunde durchschnittlich jeweils sechs Titel).

Bei Deutschlandfunk Nova laufen aktuell 7,8 % deutschsprachige Titel, 91,9 % englischsprachige Titel und 0,2 Prozent französischsprachige Titel (Stand: 03.11.2014). Der Markt variiert, der Musikanteil ist deshalb nie konstant. Die Musikauswahl für die Frühsendung „Schaum oder Haase" erfolgt im Wesentlichen nach den Kriterien Stimmung und Tonalität, Tempo, Stil, Intensität und Sprache. Zwei deutschsprachige Titel sollten nicht hintereinander eingeplant werden. Das Risiko eines Konflikts zwischen Wort im Beitrag und Wort in der Musik ist ansonsten zu hoch. Diese Maßgabe gilt auch für alle anderen Sendestrecken.

Das Thema deutsch- bzw. englischsprachiger Texte ist im Programm des Deutschlandfunks von untergeordneter Bedeutung. In Sendungen wie „Informationen am Morgen" oder „Informationen am Mittag" werden ganz bewusst instrumentale Titel als trennende Akzente bzw. am Morgen nur sehr kurze Zwischenmusiken eingesetzt, um auch Bezüge zwischen den Wortbeiträgen und Musiktexten zu vermeiden.

Für den sehr eingeschränkten Bereich von „Corso" (15 - 16 Uhr) im DLF Tagesprogramm ist eine differenziertere Aussage zu machen: Corso präsentiert im Themenbereich Musik einen Querschnitt der aktuellen Veröffentlichungen. Dabei spielt der Name des Künstlers nur eine Nebenrolle. Egal ob „Big Name" oder „No Name", ob Weltmusik, Rock, Blues, Indie, Singer Songwriter, Elektropop oder Jazz – entscheidend ist die musikalische Qualität. Gerade die deutsche Musikszene steht bei „Corso" besonders im Fokus.

Der Hörfunkrat nahm die Darstellungen des Programmdirektors zu den drei verschiedenen Themenbereichen mit großem Interesse zur Kenntnis.

 

5. Zusammenarbeit mit ARD und ZDF

Zudem nahm das Gremium den Bericht über die Zusammenarbeit mit ARD und ZDF gemäß § 5 des Deutschlandradio-Staatsvertrags zustimmend zur Kenntnis. Der Bericht als pdf zum Download.

Die nächste Sitzung des Hörfunkrats findet am 12. März 2014 in Bremen statt.

 

Gremienbüro

Das Deutschlandradio bietet seine Informationen auch per E-Mail an. (Stock.XCHNG / Artur Bednarski)

Kontakt:

Deutschlandradio
Hörfunk- und Verwaltungsrat
Raderberggürtel 40
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gremienbuero@deutschlandradio.de

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Voller Schreibtisch mit Terminkalender.  (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)

Sitzungstermine 2017:
07. Dezember, Berlin