Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Rückschlag für Thomas Middelhoff

Landgericht Essen verurteilt Ex-Arcandor-Chef zu Millionenrückzahlung

Neben Middelhoff wurden weitere ehemalige Arcandor-Vorstände zu teilweise Zahlungen verpflichtet (AP)
Neben Middelhoff wurden weitere ehemalige Arcandor-Vorstände zu teilweise Zahlungen verpflichtet (AP)

Nicht wenige ehemalige Mitarbeiter des früheren Arcandor-Konzerns in Essen sind nach wie vor nicht gut auf ihren ehemaligen Chef Thomas Middelhoff zu sprechen. Ihnen dürfte dessen heutige Verurteilung etwas Genugtuung verschaffen. Middelhoff selbst und seine Anwälte sind derweil höchst erstaunt.

Das Landgericht Essen hat den früheren Chef der Karstadt- und Quelle-Mutter Arcandor verurteilt, dem Insolvenzverwalter des inzwischen Pleite gegangenen Konzerns rund 3,4 Millionen Euro zu zahlen. Nach Auffassung des Gerichts war ein Sonderbonus in Millionenhöhe, den der Manager kurz vor seinem Ausscheiden erhielt, rechtlich nicht zulässig. Das Geld müsse deshalb zurückgezahlt werden. Middelhoffs Anwälte kündigten bereits Berufung an. Der klagende Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch hatte sogar ursprünglich von Middelhoff fast 16 Millionen Euro an Bonuszahlungen, Tantiemen, Reisekosten und Spesen zurückgefordert.

Neben dem Sonderbonus in Höhe von 2,3 Millionen Euro an Middelhoff bemängelte das Gericht nach Angaben eines Justizsprechers auch eine Reihe von durch Middelhoff veranlasste Ausgaben des Konzerns: Darunter einen Sponsoring-Vertrag von Arcandor mit der Universität Oxford im Volumen von 840.000 Euro und Flugkosten in Höhe von rund 130.000 Euro, die nach Auffassung des Gerichts privat veranlasst waren. Für sie müsse der Manager Schadenersatz leisten.

Weitere Verurteilungen

Neben Middelhoff wurden auch andere ehemalige Arcandor-Vorstände und Aufsichtsräte zu teilweise siebenstelligen Zahlungen verpflichtet. Thomas Schulz, Sprecher des Arcandor-Insolvenzverwalters, zeigte sich erfreut über das Urteil: "Das sind alles in allem acht Millionen Euro für die Gläubiger von Arcandor", rechnete er vor.

Bei Middelhoffs Anwälten stieß das Urteil allerdings auf scharfe Kritik. Rechtsanwalt Winfried Holtermüller sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Entscheidung sei in den wichtigsten Punkten unhaltbar. Dies gelte insbesondere für die Bonuszahlung. Zwar sei damals klar gewesen, dass Middelhoff den Konzern verlassen würde, doch hätte er dem Unternehmen weiter als Berater bei den wichtigsten strategischen Zukunftsprojekten zur Verfügung gestanden.

Weiteres Gerichtsverfahre vor der Eröffnung

Bereits in der nächsten Woche wird sich erneut ein Gericht mit Schadenersatzforderungen des Arcandor-Insolvenzverwalters gegen Middelhoff und andere ehemalige Manager beschäftigen. Vor dem Oberlandesgericht in Hamm geht es dann in zweiter Instanz um Schadenersatzforderungen in Höhe von 175 Millionen Euro wegen angeblicher Managementfehler.

Thomas Middelhoff wird von vielen innerhalb und außerhalb des Konzerns die Schuld für den Niedergang von Arcandor angelastet. Er selbst wies dies von Anfang anzurück.


Mehr zum Thema auf dradio.de

Falsch beraten? Prozessauftakt im Fall Schickedanz- Die Quelle-Erbin und andere Superreiche fordern Millionen von ihren Bankberatern
Chronologie eines Niedergangs- Hagen Seidel: "Arcandors Absturz", Campus 2010, 300 Seiten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Nach Yücel-Freilassung"Viele andere sind nach wie vor inhaftiert"

Ein Mann klebt ein Plakat mit der Aufschrift "#FreeThemAll" und "FreeTurkeyMedia" vor dem Start eines Autokorsos für den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel an einen Pkw.  (PA/dpa/Bodo Marks)

Der Bochumer Politikwissenschaftler Ismail Küpeli mahnt trotz aller Freude über die Freilassung Deniz Yücels, die Lage der Menschenrechte in der Türkei nicht aus dem Blick zu verlieren. Er befürchte, dass andere in der Türkei Inhaftierte vergessen werden könnten, sagte er im Dlf.

Hologram Maya KodesStar aus dem Cyberspace

Nichts an Maya Kodes ist echt. Sie ist eine virtuelle Figur und trotzdem ist sie ein Star in Kanada. Ganz ohne menschliche Unterstützung geht es aber bei den Live-Auftritten nicht: Ihre Stimme leiht ihr eine Sängerin und ihre Bewegungen stammen von einer Tänzerin.

Jonathan McMillan: "Das Ende der Banken"Ist eine Welt ohne Banken möglich?

Das Cover von Jonathan McMillans Buch "Das Ende der Banken", im Hintergrund sind Hände zu sehen, die Münzen auf den Boden werfen. (campus / imago stock&people)

Banken sollen verboten, Bargeld abgeschafft werden und die Bürger kostenlose Finanzspritzen bekommen. Das klingt erst einmal ziemlich utopisch. Doch tatsächlich werden in "Das Ende der Banken" interessante Ideen für eine Zukunft ohne Geldinstitute entwickelt.

Berlinale: DokumentarfilmeBilder für die Gefahr von rechts

Der Dokumentarfilm "When the War comes" von Jan Gebert wird auf der Berlinale in der Reihe "Panorama" gezeigt. (Stanislav Krupař )

Die Gefahr durch rechtspopulistische und -extreme Bewegungen in Europa schlägt sich auch im Programm der Berlinale wider. Vollbild stellt drei Dokumentarfilme vor, die versuchen die Gefahr, die von solchen Stimmungen ausgeht, adäquat abzubilden.

SyrienZwischen roten Linien und internationalen Konflikten

Das Krankenhaus "Sham Surgical" in der syrischen Provinz Idlib wurde durch einen Luftangriff zerstört (AFP / Omar Haj Kadour)

Frankreichs Präsident Macron droht mit einem Militärschlag in Syrien. Sollte Assad der Einsatz von Giftgas nachgewiesen werden, sei für ihn die rote Linie überschritten. Eine Linie, die auch US-Präsident Barack Obama einst beschwor und über die er stolperte.

Geld für Posts und LikesPersönliche Daten als Währung

Menschen kommunizieren mit drahtlosen Technologien  (imago stock&people)

Daten sind das neue Öl. Eine Weisheit des letzten Internetjahrzehnts. Und die Arbeiter auf den neuen "Ölplattformen", das sind wir alle. Sollen wir dafür bezahlt werden? Zumindest ein soziales Netzwerk macht es jetzt vor.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Abgas-Affäre  Daimler durch US-Unterlagen unter Druck | mehr

Kulturnachrichten

Nationalisten dringen in russisches Kulturzentrum ein | mehr

 

| mehr