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Russische Rochade

Putin und Medwedew planen Ämtertausch

Von Robert Baag

Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin werden auf dem Parteitag beklatscht. (picture alliance / dpa / Ekaterina Shtukina)
Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin werden auf dem Parteitag beklatscht. (picture alliance / dpa / Ekaterina Shtukina)

Auf Vorschlag des russischen Staatspräsidenten Dmitri Medwedew soll Wladimir Putin bei der Präsidentschaftswahl im März 2012 kandidieren. Im Falle eines Wahlsiegs würden die beiden russischen Politiker dann ihre Ämter tauschen, denn Putin hatte zuvor Medwedew als Spitzenkandidaten der Regierungspartei bei der Parlamentswahl im Dezember empfohlen.

Die Beifallsreflexe Tausender Delegierter und Gäste funktionierten wie auf Knopfdruck. Wie schon einmal vor dreieinhalb Jahren, im März 2008 auf dem Moskauer Roten Platz vor dem Kreml - nach Dmitri Medwedews Wahl zum neuen Präsidenten-, so liefen Wladimir Putin und Dmitri Medwedew auch heute gemeinsam dynamischen Schritts durch das Tor ins Rund des Luzhniki-Sportstadions, den Ort des Wahlparteitags der sogenannten "JedinaRosy", der Partei "Geeintes Russland", nicht nur im Volksmund auch "Putin-Partei" genannt. Allzu lange spannte die Parteitagsregie die Zuhörer dann aber nicht mehr auf die Folter. Dass Veränderungen an der Spitze von "Geeintes Russland" bevorstehen, machte Eröffnungsredner und Parteichef Putin rasch klar. Bei diesen Worten beugten sich viele gespannt nach vorn:

"In den vergangenen Jahren hat sich bei uns die Praxis herausgebildet, wonach den Spitzenplatz der Wahlliste von 'Geeintes Russland' der Präsident einnimmt. Diese Tradition, finde ich, sollten wir nicht verletzen. Ich schlage also vor, dass den Listenplatz Nummer eins unserer Partei zur Dumawahl am 4. Dezember das amtierende Staatsoberhaupt der Russischen Föderation einnehmen sollte, Dmitri Antoljewitsch Medwedew!"

Sprach's, trat ab vom Rednerpult und überließ die Tribüne Medwedew, der die Delegierten umgehend freundlich lobte, sie hätten ihn, den Präsidenten, in all der Zeit stets bei seinen Modernisierungsprojekten unterstützt, kurz: "Geeintes Russland" sei eben eine echte "Pro-Präsidenten-Partei" ... Doch auch Medwedew kam dann ziemlich schnell zum Punkt, atmete rasch noch einmal hörbar durch:

"Das ist ein unbedingt verantwortungsvoller und sehr ernst zu nehmender Vorschlag ... Ich nehme ihn an!"

Er sei bereit, so Medwedew weiter, das Land und die Partei zu modernisieren. Die - so wörtlich - "Partei des Sieges" nach den Parlamentswahlen Anfang Dezember werde dafür eine neue Regierung mit neuen Gesichtern bilden. Nach diesem rhetorischen Anlauf löste Medwedew schließlich das im In- wie im Ausland längst erwartete Signal aus:

"Unter Berücksichtigung des Vorschlags, wonach ich die Wahlliste anführen und mich mit Parteiarbeit befassen soll, wenn wir Erfolg bei den Wahlen haben, sowie meiner Bereitschaft, dann in der Regierung zu arbeiten, meine ich, dass es richtig wäre, dass der Parteitag, die Kandidatur des Parteivorsitzenden Wladimir Putin für das Amt des Staatspräsidenten unterstützen sollte!"

Stürmischer Applaus - standig ovations. - Bescheiden lächelnd nickte Putin dankend, nachdem er zuvor wieder bei den Delegierten Platz genommen hatte, nun ganz der alte und bald wohl wieder auch der neue Staatspräsident Russlands. - Ein "Jubel-Parteitag" wie einst zu Zeiten der zusammen mit der Sowjetunion vor 20 Jahren verblichenen Kommunistischen Staatspartei KPdSU, meinten denn immerhin einige wenige, verhalten lächelnd. - Offenen Widerstand, wenn auch nur kurz, leistete lediglich das Tribünenmikrofon, als Putin noch einmal ans Rednerpult trat:

"Verehrte ... das Mikrofon arbeitet nicht ... verehrte Teilnehmer des Parteitags, ... dann werd' ich eben lauter sprechen ... uns kann doch nichts aus dem Sattel heben ... nicht schlimm! Meine Kommandeursstimme habe ich noch nicht verloren ..."

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Huldigungsveranstaltung für Putin in Moskau - Partei "Geeintes Russland" feiert Ex-Präsidenten als "Nationalen Führer" (DLF, Europa heute vom 23.9.2011)
Bürger schweiget, Putin entscheidet (DKultur, Weltzeit vom 30.8.2011)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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