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Sarkozy verteidigt sich gegen Vorwürfe

Frankreichs Präsident: Keine verdeckten Absprachen mit Libyen

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy (links) in Tripolis. (picture alliance / dpa / Mohamed Messara)
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy (links) in Tripolis. (picture alliance / dpa / Mohamed Messara)

Auf ihrem überraschenden Besuch in Tripolis sicherten der französische Präsident Sarkozy und der britische Premierminister Cameron dem libyschen Übergangsrat auf breiter Front Unterstützung zu. Dessen Vorsitzender bedankt sich - und verspricht eine wirtschaftliche Kooperation.

Frankreichs Präsident Sarkozy betonte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vor internationalen Journalisten, es gäbe keinen Ort der Straffreiheit für Diktatoren mehr. Er bestritt energisch, dass wirtschaftliche Interessen den Einsatz der Anti-Gaddafi-Koalition motiviert hätten. "Entgegen bestimmter Veröffentlichungen sage ich ganz klar: Es gibt keine verdeckten Absprachen, was den Reichtum Libyens angeht. Wir erwarten keinerlei Bevorzugung. Wir haben getan, was wir tun mussten - für eine gerechte Sache." Des Weiteren mahnte Sarkozy den Aufbau eines Rechtsstaates an.

Der Vorsitzende der Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, betonte, dass man die Verbündeten im Kampf gegen Gaddafi bevorzugen würde und dankte explizit den beiden Staats- und Regierungschefs für ihre politische, militärische und wirtschaftliche Unterstützung.

"Wir müssen unsere NATO-Mission fortsetzen"

Großbritanniens Premierminister Cameron sagte, es sei für ihn eine Ehre, in Tripolis vor Ort zu sein und zu sehen, wie die Libyer sich ihr Land zurückgeholt haben, um eine neue Ära einzuleiten. In Hinblick auf den fortführenden Kampf mit den Einheiten des gestürzten Machthabers Gaddafi warnte er jedoch vor voreiligen Freudenfesten. "Wir müssen unsere NATO-Mission fortsetzen, bis alle Menschen in Libyen sicher sind", so Cameron.

Bereits gestern waren 160 französische Bereitschaftspolizisten mit schusssicheren Westen von Paris nach Tripolis geflogen, um Sarkozy bei seinem Besuch zu schützen. Laut Angaben aus dem Élysée-Palast ist der Besuch des französischen Präsidenten seit zwei Wochen vorbereitet worden.

Ölterminal Al-Sweitina in Libyen (picture alliance / dpa)Ölterminal Al-Sweitina in Libyen (picture alliance / dpa)

Französische Mineralölfirmen sind auf dem Sprung

Wie Deutschlandradio-Korrespondent Johannes Duchrow berichtet, haben Sarkozy und der britische Premier Cameron in Tripolis zunächst ein Krankenhaus besucht, in dem verletzte Rebellen behandelt werden. Außerdem hielten sie auf dem Platz der Freiheit in Bengasi eine Rede. Im Vordergrund aber standen die Gespräche mit Mustafa Dschalil und Mahmud Dschibril, den Chefs des Übergangsrats.

Wie Duchrow weiter berichtet, verfolgen die beiden Europäer mit ihrem Besuch vor allem wirtschaftliche Interessen und wollen dafür sorgen, dass ihre beiden Länder am Wiederaufbau des Landes gebührend beteiligt werden. So hätten französische Medien bereits Anfang September einen Brief des Übergangsrates veröffentlicht, in dem französischen Firmen Förderrechte für 35 Prozent des libyschen Erdöls zugesichert wurden.

Frankreichs Präsident kommt mit breiter Brust nach Tripolis

Sarkozy, so die Schilderung des Korrespondenten, sieht sich gerne in der Rolle des vorausschauenden Militär-Strategen. Aus Sicht des französischen Präsidenten sind Tausende von Menschen durch das französische Engagement gerettet worden. Wenn sich Frankreich im Frühjahr nicht innerhalb weniger Stunden für einen Militäreinsatz entschieden hätte, wäre Libyen ein "blutiges Oppositionsgrab" geworden, so Sarkozy. Frankreich hatte im März dieses Jahres nicht auf einen internationalen Beschluss gewartet und schon vor der internationalen Libyen-Konferenz in Paris Kampfflugzeuge in das nordafrikanische Land entsandt.

"Merci, Sarkozy!" - libysche Rebellen danken Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (picture alliance / dpa -  Khaled Elfiqi)"Merci, Sarkozy!" - libysche Rebellen danken Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (picture alliance / dpa - Khaled Elfiqi)

Dankbarkeit in Libyen ist groß

Wie Asiem El Difraoui, Politikwissenschaftler von der Stiftung Wissenschaft und Politik, im Deutschlandradio Kultur sagte, sind die Libyer Frankreich tatsächlich auch sehr dankbar. Vielerorts seien Transparente mit der Aufschrift "Merci, Sarkozy!" zu sehen. Bei der Wiederankurbelung der Erdölreserven könnten französische Firmen nun am meisten helfen - und auch am meisten verdienen. Wie Difraoui weiter sagte, solle man die Rolle der Stämme in Libyen nicht überbewerten. Auch in Libyen gebe es die Möglichkeit, mehr Rechtsstaatlichkeit zu schaffen. Dabei könne auch Deutschland behilflich sein.

Rebellen hoffen auf weitere Unterstützung

Auch die libyschen Rebellen verbinden mit dem Besuch von Cameron und Sarkozy konkrete Erwartungen. Anfang September hatte die internationale Staatengemeinschaft einen Teil der eingefrorenen Gaddafi-Milliarden freigegeben und umfangreiche Aufbauhilfen zugesichert. Wie ein Sprecher der Rebellen sagte, würde man die internationale Gemeinschaft nun auch um Waffenlieferungen bitten, damit die Landesteile, die noch von Gaddafi-Anhängern gehalten werden, möglichst schnell erobert werden könnten.


Links auf dradio.de:

"Aktuell" vom 2.9.2011: Weltgemeinschaft stärkt Libyen - "Konferenz der Freunde Libyens" sagt Übergangsrat Aufbauhilfen in Milliardenhöhe zu

"Aktuell" vom 26.8.2011: Nationaler Übergangsrat nimmt Arbeit in Tripolis auf - Rebellen in Libyen suchen weiter nach Gaddafi

"Aktuell" vom 20.8.2011: Rebellen drängen Gaddafi-Truppen zurück - Aufständische in Libyen melden militärische Erfolge

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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