Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Sarrazin zieht von der Bundesbank ab

Debatte um umstrittene Migrantenthesen geht weiter

Ein Demonstrant protestiert in Berlin gegen die Vorstellung des neuen Buchs von Thilo Sarrazin. (AP)
Ein Demonstrant protestiert in Berlin gegen die Vorstellung des neuen Buchs von Thilo Sarrazin. (AP)

Theo Sarrazin zieht sich freiwillig von seinem Amt bei der Bundesbank zurück und beendet damit die Forderungen nach seiner zwangsweisen Abberufung. Gleichzeitig ringt die SPD weiterhin um den Umgang mit dem unliebsam gewordenen Genossen.

Bundespräsident Wulff wird der Bitte von Bundesbankvorstand Sarrazin, aus dem Amt auszuscheiden, entsprechen. Das Staatsoberhaupt werde dem Antrag von Herrn Sarrazin nachkommen, teilte ein Sprecher in Berlin mit.

Der Soziologe und Journalist Matthias Greffrath fasst die Medienwirkung Sarrazins zusammen: Die jungen Rechten haben einen Helden, der Elite-Sozi von Dohnanyi macht das belastete Wort "Volksgruppe" wieder heimisch, in der "Welt" denkt Professor Heinsohn über eine Grundgesetzänderung zur Abschaffung des Sozialstaats nach, die "BILD"-Zeitung, die den ganzen Hype ausgelöst hat, fordert "Uns Deutsche" auf, dem Bundespräsidenten unsere Meinung zum Fall zu sagen - mit vorgedruckten Briefen. Im "Spiegel" jubelt Krawallfeuilletonist Matussek über die Entmachtung des Gutmenschen-Journalismus durch die Volkswut, und 200.000 intelligente Deutsche jubeln ihm im Internet zu. Für Sarrazin hat es geklappt, kommentiert Mathias Greffrath im Deutschlandradio Kultur.

Debatte um richtige Integrationspolitik

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat die Bedeutung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für die Wirtschaft hervorgehoben. "Ich bin ein bisschen traurig darüber, dass man jetzt so tut, Migrationshintergrund gleich Probleme", sagt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer, im Deutschlandfunk-Interview. "Es sind 13 Prozent der Jugendlichen, die von der Schule gehen, ohne dass sie einen qualifizierten Abschluss haben. Das heißt aber, immerhin über 80 Prozent sind nicht der Fall."

Und nach Ansicht des Migrationsexperten Michael Werz kann Deutschland in der aktuellen Integrationsdebatte viel von den USA lernen. Werz sagte im Deutschlandradio Kultur: Muslime seien in den USA anders und besser integriert. Sie entstammten oft der Mittelschicht oder gehobenen Mittelschicht und hätten einen hohen Bildungsstand. "Die USA sind natürlich auch aufgrund ihrer vollkommen unterschiedlichen Gesellschaftsgeschichte kein Modell für Deutschland oder Europa. Aber sie sind ein Erfahrungsarchiv."

Auch SPD weiterhin in Rechtfertigungsnöten

Zwar hat die SPD nun mit den Äußerungen von Erika Steinbach, CDU und Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, ein eigenes Thema gefunden, dennoch müht sich die Partei weiterhin mit Sarrazin. Vor wenigen Tagen hatte Theo Sarrazin schließlich in dem viel zitierten Interview im Deutschlandfunk gesagt, "ich bleibe SPD-Mitglied bis an mein Lebensende." Die Partei hat mittlerweile ein Ausschlussverfahren angestrengt.

Dietmar Nietan (SPD), stellvertretender Vorsitzender der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag, möchte im Deutschlandfunk-Interview den Fall Sarrazin und Steinbach aber ungern auf eine Stufe stellen: "Ich möchte das eigentlich nicht miteinander vergleichen". sagt er. "Während Herr Sarrazin sich sozusagen ins Licht setzt mit teilweise nicht nachvollziehbaren und polarisierenden Thesen rund um das Thema Einwanderung, demografische Entwicklung in Deutschland, sehe ich bei Frau Steinbach den Versuch, Geschichte umzuinterpretieren."

Schwerpunkt zur Integrationsdebatte auf dradio.de

Auf dradio.de gibt es viele weitere Beiträge rund um die Integrationsdebatte, die seit den Äußerungen von Theo Sarrazin in Deutschland geführt wird.

Weitere Beiträge bei dradio.de zum Thema Sarrazin:
Interview der Woche vom 29.08.2010: "Ich bleibe SPD-Mitglied bis an mein Lebensende" Sarrazin verteidigt seine umstrittenen Thesen zu islamischen Migranten
Von Zahlenmenschen und Gefühlsspezialisten - Anmerkungen zum Fall Sarrazin

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Erster Auftritt als BundespräsidentSteinmeier zeigt klare Kante

Der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht am 22.03.2017 bei der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat nach seiner Vereidigung im Deutschen Bundestag in Berlin.  (dpa/Michael Kappeler)

Frank Walter Steinmeier hat in seiner Antrittsrede die Kontroverse um den türkischen Präsidenten in der Mittelpunkt gestellt - verbunden mit dem Aufruf, den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel freizulassen. Ein riskantes Manöver für das neue deutsche Staatsoberhaupt.

Leipziger BuchmesseDas Lesen kann beginnen!

Auf der Leipziger Buchmesse 2016: Ein Frau liest  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In Leipzig wird heute Abend die Buchmesse eröffnet. Bis Sonntag präsentieren mehr als 2.000 Aussteller ihre Neuerscheinungen. Unser Literaturkritiker Kolja Mensing hat alle redaktionellen Vorbereitungstreffen hinter sich - und befindet sich nun "im Rausch".

Auftritte türkischer MinisterErdogans verschleierte Kehrtwende

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht in Istanbul. (AFP / OZAN KOSE)

Die Ansage der Bundesregierung, den Türken die Stimmabgabe in Deutschland im Falle von Rechtsverstößen zu verbieten, stelle für Ankara ein echtes Problem dar, kommentiert Christian Buttkereit. Denn dieser sei auf diese Stimmen angewiesen.

Julia Samoilowa Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise

Die im Rollstuhl sitzende Sängerin Julia Samoilowa tritt am 07.03.2014 in Sotschi (Russland) bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele 2014 auf.  (dpa picture-alliance/AP Ekaterina Lyzlova)

Der ukrainische Geheimdienst hat der russischen ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die Sängerin im Rollstuhl voraussichtlich nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) im Mai in Kiew auftreten.

AskeseVerzicht oder nicht?

Ein Mönch sitzt im Antaiji Kloster neben einer Gitarre und genießt die völlige Ruhe. (Norbert Hübner)

Enthaltsamkeit dient in modernen Gesellschaften oft nicht mehr der spirituellen Erhebung, sondern der Leistungssteigerung. Fundamentalisten des innerweltlichen Glaubens rennen in die Muckibude, ans Cardio-Gerät, aufs Indoor-Fahrrad. Ein Plädoyer fürs Fasten durch Laster.

Konzertfilm "Rammstein - Paris"Brutalo-Trash im Kino

Band Rammstein bei der Filmpremiere "Rammstein Live in Paris" in der Berliner Volksbühne: Richard Zven Kruspe, Paul Landers, Oliver Riedel, Christian Lorenz, Christoph Schneider und Till Lindemann. (imago/Tinkeres)

Martialische Musik und brutale Ästhetik – das ist das Erfolgsrezept von Rammstein. Der schwedische Regisseur Jonas Akerlund hat aus mehreren Konzerten der Band in Paris einen Film gemacht. Ab Donnerstag kommt "Rammstein - Paris" für nur drei Tage in 100 deutsche Kinos.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag in London  Polizei spricht jetzt von fünf Toten | mehr

Kulturnachrichten

Ukraine verbietet russischer ESC-Kandidatin Einreise  | mehr

 

| mehr