Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schäuble stellt sich gegen Lagardes Griechenland-Kurs

IWF-Chefin und Bundesfinanzminister uneinig

Uneinig: Bundesfinanzminister Schäuble und IWF-Chefin Lagarde (picture alliance / dpa / Quelle: Maxppp)
Uneinig: Bundesfinanzminister Schäuble und IWF-Chefin Lagarde (picture alliance / dpa / Quelle: Maxppp)

IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) streiten offen über den weiteren Umgang mit Griechenland. Am ersten Tag des Herbsttreffens des Internationalen Währungsfonds sperrte sich Schäuble erneut gegen den Vorschlag, dem Land mehr Zeit zur Erfüllung seiner Reformziele zu geben.

Sie sind sich nicht einig. IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) streiten offen über den weiteren Umgang mit Griechenland. Am ersten Tag des Herbsttreffens des Internationalen Währungsfonds sperrte sich Schäuble erneut gegen den Vorschlag von Lagarde, dem Land mehr Zeit zur Erfüllung seiner Spar- und Reformziele zu geben. Der entscheidende Bericht der Troika aus EZB, EU-Kommission und des IWF müsse abgewartet werden, sagte Schäuble. Spekulationen über Fristverlängerungen schafften nur Unsicherheiten.

Die IWF-Chefin hielt dagegen: "Angesichts des mangelnden Wachstums, des Marktdrucks und der bereits unternommenen Anstrengungen ist ein bisschen mehr Zeit notwendig."

Der Troika-Bericht von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank (EZB) steht noch aus. Ohne die Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro droht dem Land die Pleite.

Lagarde: Wachstum muss angekurbelt werden

Christine Lagarde hatte in ihrer Eröffnungsrede die Worte des japanischen Premierministers zitiert: "Die große Herausforderung für uns alle ist es, stabiles Wirtschaftswachstum herbeizuführen und die Kluft zwischen arm und reich zu verringern." Nach einer kurzen rhetorischen Pause ergänzte sie: "Das sind allerdings nicht die Worte von Premier Noda, das waren die Worte von Hayato Ikeda, anlässlich der IWF-Tagung in Tokio im Jahr 1964." Es sei bemerkenswert, welche Aktualität diese Aussage im Jahr 2012 noch immer habe.

Angesichts der internationalen Finanzkrise müsse die Staatengemeinschaft dringend dafür sorgen, das Wachstum wieder in Gang zu bringen. "Damit würde man auch mittelfristig das Schuldenproblem in den Griff bekommen", erklärte die 56-jährige IWF-Chefin: "Ohne Wachstum ist die Zukunft der Weltwirtschaft in Gefahr." Es sei dringend geboten, die Staatsverschuldung zurückzufahren. Diese liege in den Industrienationen derzeit im Durchschnitt bei 110 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Lagarde bekräftigte ihre Forderung nach einer stärkeren Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte. Auch fünf Jahre nach der verheerenden Bankenkrise sei das Weltfinanzsystem verwundbar. Trotz aller erfreulichen Fortschritte seien die nötigen Reformen längst nicht abgeschlossen, mahnte sie. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim betonte, vor allem die andauernde ökonomische und finanzielle Instabilität in Europa bedrohe das Wachstum und die Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern. Er warnte davor, den Kampf gegen die Armut auf der Welt aus den Augen zu verlieren.

"Mehr zum Thema bei dradio.de:"

Ökonom Hüther hält Aufschub für Griechenland für richtig - Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft über Athens Sparbemühungen

Mehr Zeit für Griechenland, dünnere Luft für Spanien - <br> Ratingagentur setzt Spanien auf knapp über Ramschniveau

Mehr Geduld für das griechische Sparprogramm <br>Treffen von Währungsfonds und Weltbank in Tokio

IWF hat sich zur Finanzfeuerwehr gemausert <br> Wirtschaftsprognosen auf breiter Front gesenkt (DLF)

Tiefschlag für Spanien - Bonität des viertgrößten Eurolandes

EU-Experten fordern Aufteilung von Großbanken - Konsequenzen aus der Finanzkrise

Zankapfel Griechenland - Finanzkrise sorgt für Streit in und zwischen den Regierungsparteien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Die besondere Aufnahme

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

HIV-Infektionen in ChinaGefahr im Goldenen Dreieck

(picture alliance / dpa)

Ein Viertel der neuen HIV-Infektionen in China wird aus Yunnan im Südwesten des Landes gemeldet. Die Provinz grenzt an das berüchtigte Goldene Dreieck: eine Region, die als größte Produktionsstätte für Heroin gilt. Die Bewohner wissen kaum etwas über die Ansteckungsgefahr durch das Virus, nur wenige Betroffene erhalten Hilfe.

Claire Denis über "Un Beau Soleil Intérieur"Eine sexy Frau und jede Menge Neurosen

Die französische Regisseurin Claire Denis (dpa / Asatur Yesayants)

Als "eine Art Reise in die Weiblichkeit" schildert Regisseurin Claire Denis ihre Arbeit an "Un Beau Soleil Intérieur": eine romantische Komödie, mit der das Filmfest in München eröffnet wurde. Juliette Binoche spielt darin eine Künstlerin auf der Suche nach der großen Liebe.

Die Brücke über die Drina25 Jahre nach den Massakern im bosnischen Višegrad

Blick von der Seite auf die beinahe 500 Jahre alte Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke über dem Fluss Drina in Višegrad. (imago/Boris Scitar)

"Die Brücke über die Drina" von Ivo Andric ist eine monumentale Erzählung über das multikulturelle Leben auf dem Balkan. Der historische Roman war in Jugoslawien Pflichtlektüre an vielen Schulen. Die "Brücke über die Drina" galt als Symbol von "Brüderlichkeit und Einheit".

"Rheingold" in DüsseldorfEin veritables Wagner-Wunder

Deutsche Oper in Düsseldorf (picture alliance / Horst Ossinger)

Vorzügliche Darsteller und ein Regisseur, der sich "erfrischend überhaupt nicht" um die Erwartungen an diesen "Mount Everest" des Musiktheaters schert: Unsere Kritikerin Ulrike Gondorf hat in Düsseldorf eine gelungene Inszenierung von Wagners "Rheingold" erlebt.

Von der UNESCO geschützte BräucheIst das wirklich typisch deutsch?

Das Bild zeigt Bürgermeister, Kurdirektor und drei weitere Personen beim Wassertreten in einem Außenbecken in Bad Münstereifel. (Deutschlandradio / Manfred Götzke )

In den Harzer Wäldern trainieren Vogelfreunde den Gesang von Buchfinken. Auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern schlagen Reiter im vollen Galopp mit Keulen auf eine Tonne ein, um den Tonnenkönig zu küren. Diese etwas skurrilen Volksfeste, aber auch das Kneippen oder die Flussfischerei an der Sieg, eint eins: Sie gehören zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Christian Kohlross: "Kollektiv neurotisch"Warum wir Narzissten, Hysteriker und Depressive sind

(Foto: imago / Cover: Dietz-Verlag)

Hysterisch, visionslos und wegen überhöhter Ansprüche ständig enttäuscht: Dem Therapeuten Christian Kohlross zufolge befindet sich der Westen in einem Zustand kollektiver Neurose. Da hilft nur: Die Gesellschaft auf die Couch!

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Hamburg  G20-Gegner protestieren gegen neue Gefangenen-Sammelstelle | mehr

Kulturnachrichten

"OST"-Zeichen auf Volksbühne wird abgebaut  | mehr

 

| mehr