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Scharfe Kritik an Studienreform

Hochschulrektoren sehen schwere Mängel

Bildung oder Ausbildung? Die HRK kritisiert Bologna (AP)
Bildung oder Ausbildung? Die HRK kritisiert Bologna (AP)

2002 wurde die Bologna-Reform als Errungenschaft für Unis und Fachhochschulen gefeiert. Zehn Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus, zumindest aus Sicht der Hochschulen: Die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse habe dem deutschen Bildungssystem weniger gebracht als geplant, kritisiert die Hochschulrektorenkonferenz.

Insbesondere das Versprechen größerer internationaler Mobilität sei durch die europäische Hochschulreform nicht wirklich erfüllt worden, sagte der Präsident der Konferenz, Horst Hippler, der "Süddeutschen Zeitung". Nach Angaben der Zeitung verbringt nur jeder fünfte Student ein Semester an einer ausländischen Universität deutlich weniger als anvisiert. Viele Studierende klagten über Probleme bei der Anerkennung von Leistungen und den straffen Zeitplan von sechs Semestern für ihr Studium. Mehr internationale Mobilität galt als Kernanliegen der Bologna-Reform.

Hochschulrektorenkonferenz widerspricht Bundesregierung

Horst Hippler, Professor und Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (idw-online.de)Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektoren-konferenz (HRK) (idw-online.de)Hippler kritisierte außerdem das Ziel, Studenten immer schneller zum Abschluss zu führen. Dieser Ansatz sei falsch, das habe inzwischen auch die Wirtschaft erkannt. "Die Unternehmen brauchten Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen", sagte Hippler. Der "Jugendwahn" sei an dieser Stelle vorbei. "Eine Universität muss mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung. Das tut sie mit dem Bachelor nicht". Eine Umkehr der Reform sei zwar nicht erforderlich, jedoch eine deutliche Verbesserung. So müsse zum Beispiel das Studieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten wieder möglich sein, sagte Hippler.

Mit ihrer Kritik nimmt die Hochschulrektorenkonferenz deutlich Stellung gegen die von der Bundesregierung vertretene Auffassung, die Reform sei ein Erfolg. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte Bologna zuletzt als "europäische Erfolgsgeschichte" gepriesen. Immer mehr deutsche Studenten ins Ausland gingen ins Ausland und kämen schneller zu Abschlüssen.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Campus & Karriere: Bildungsfreie Zone Bachelor - Studentenvertreter Rekewitz kritisiert Bolognareform als zu verschult

Campus & Karriere: Europäischer Hochschulraum bleibt mehr Wunsch als Wirklichkeit - EU zieht Bilanz nach 13 Jahren Bologna-Prozess

Campus & Karriere 2012-04-27 - Jedes Land muss andere Hürden meistern - In Bukarest diskutieren europäische Bildungsminister über den Bologna-Prozess

Interview Von einer "echten Hochschulreform" weit entfernt - Der Grünen-Politiker Kai Gehring kritisiert den Bologna-Prozess

Interview "Bachelor ist keine zweitklassige Ausbildung" - Bundesbildungsministerin Schavan verteidigt Studienreform

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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