Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Scharping belastet de Maizière

Erste Zeugenberichte im Euro Hawk-Ausschuss

Rudolf Scharping vor dem U-Ausschuss zur Euro-Hawk-Affäre (dpa / pa / Kumm)
Rudolf Scharping vor dem U-Ausschuss zur Euro-Hawk-Affäre (dpa / pa / Kumm)

Der Untersuchungsausschuss zum Euro Hawk-Debakel hat seine Arbeit aufgenommen. Als erste Zeugen wurden Ex-Generalinspekteur Schneiderhan und der frühere Verteidigungsminister Scharping gehört. Sie warfen Ressortchef de Maizière vor, seiner politischen Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein.

Knapp 600 Millionen Euro sind durch das Planungschaos um die gescheiterte Aufklärungsdrohne Euro Hawk verloren gegangen. Nun soll ein Untersuchungsausschuss die politische Verantwortung dafür klären. Die ersten Zeugen haben erhebliche Kritik an der Amtsführung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière geübt.

Den Anfang machten am Montag die ehemaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Franz Josef Jung (CDU) sowie der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan. Unter Scharping waren erste Überlegungen aufgekommen, Drohnen für die Bundeswehr zu besorgen. Jung amtierte, als der Bundestag 2007 auf Antrag der Regierung den Vertrag über die Entwicklung der Euro Hawk-Drohne billigte.

Scharping kritisiert de Maizière

Verteidigungsminister Thomas de Maizière, CDU (picture alliance / ROPI / Jose Giribas)Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) soll am 31. Juli aussagen. (picture alliance / ROPI / Jose Giribas)Ex-Verteidigungsminister Scharping warf dem amtierenden Ressortchef de Maizière vor, seiner politischen Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein. Er warf er dem CDU-Politiker indirekt vor, sich nicht ausreichend über das Projekt informiert zu haben. Der Vollzug strategischer Projekte wie der Kauf unbemannter Flugzeuge könne nicht der Bürokratie überlassen werden. "Es gibt bei Informationen eine Bringschuld und eine Holschuld", sagte er. Bei einem Projekt von strategischer Bedeutung gehöre zur politischen Führung auch das intensive Nachfragen.

Auch Franz Josef Jung betonte: "Von Zulassungsproblemen habe ich im Zusammenhang mit dem Thema Euro Hawk nichts gehört." Den in seiner Amtszeit abgeschlossenen Entwicklungsvertrag verteidigte er.

Schneiderhan: Probleme haben sich früh abgezeichnet

Schneiderhan räumte vor dem U-Ausschuss ein, dass sich Probleme bei der Beschaffung der Aufklärungsdrohne schon früh abgezeichnet hätten. Diese seien jedoch von allen Beteiligten als lösbar eingeschätzt worden, sagte er. "Es war niemand zu diesem Zeitpunkt da, der uns in irgendeiner Form gesagt hätte: nein." Von "Geburtsfehlern" könne deswegen nicht die Rede sein. "Laut Schneiderhan würde der Beschluss, den Euro Hawk anzuschaffen, heute noch genauso wie damals getroffen werden", sagte Korrespondent Falk Steiner im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Was wusste de Maizière?

Bis zum 31. Juli werden weitere Zeugen aus Verteidigungsministerium, untergeordneten Behörden, Bundesrechnungshof und Industrie befragt. Insgesamt sollen 19 Zeugen aussagen. Anschließend wird de Maizière den Abgeordneten im Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen.

Es geht vor allen Dingen um die Frage, ob der Minister tatsächlich schon im Frühjahr 2012 über die großen Schwierigkeiten beim Drohnen-Projekt informiert war und möglicherweise zu lange mit dem Stopp gewartet hat.

Pläne zur Drohnen-Anschaffung reichen weit zurück

Die Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" (dpa / Angelika Warmuth)Die Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" (dpa / Angelika Warmuth)Die schwarz-gelbe Regierungskoalition wird wohl die Verantwortung für das gescheiterte Projekt bei den rot-grünen Regierungen zwischen 1998 und 2005 suchen, berichtet unser Korrespondent Jan Garvert. So weit gehen die Pläne für die unbemannten Aufklärungsflugzeuge zurück.

An dem Projekt wurde zwölf Jahre lang gearbeitet, mehr als eine halbe Milliarde Euro wurden ausgegeben - "verschleudert", wie die Opposition der Bundesregierung vorwirft. Im Mai musste de Maizière schließlich das Aus für die Drohnen bekannt geben – wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum. Dabei betonte er, dass seine Staatssekretäre ihn nicht früher über die unlösbaren Probleme in Kenntnis gesetzt hätten. Aus internen Dokumenten geht allerdings hervor, dass de Maizière sehr wohl früher Bescheid wusste. Zur Aufklärung des Debakels beschloss der Verteidigungsausschuss des Bundestages deswegen im Juni, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Dokument belastet Verteidigungsminister - Ein interner Vermerk deutet darauf hin, dass de Maiziére früher informiert war
Hokus Pokus Untersuchungsausschuss - Der Untersuchungsausschuss zum Euro Hawk dient vor allem Wahlkampfzwecken
Wie lange kann er sich noch halten? - Drohnen-Debakel erneut Thema im Bundestag
Minister de Maizière schließt Rücktritt aus - Opposition setzt auf Euro-Hawk-Untersuchungsausschuss

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Räumung des Idomeni-CampsEin Zeichen der Ohnmacht

Zwei griechische Polizisten stehen bei der Räumung des des Flüchtlingslagers in Idomeni am 24.05.2016 vor Zelten, vor denen ein Flüchtlingsjunge kauert. (picture alliance / dpa / Yannis Kolesidis)

Zelte, die im Schlamm untergehen: Diese Bilder sind nach der Räumung der Flüchtlingszeltstadt im griechischen Idomeni passé. Doch das ist ein Rückschritt, meint Panajotis Gavrilis − und der große Skandal liege ohnehin woanders.

Ein Konto für jedermannAlle Banken sind jetzt in der Pflicht

Ein Bankkunde hebt in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. (dpa-Bildfunk / Angelika Warmuth)

Jeder in Deutschland lebende Mensch kann künftig bei einer Publikumsbank ein Konto eröffnen. Das entsprechende Gesetz tritt im Juni in Kraft. Damit sind nahezu alle Banken in der Pflicht, solche Basiskonten auch für Erwerbs- oder Wohnungslose anzubieten. Und solange das Konto im Plus bleibt, kann der Inhaber frei darüber verfügen.

Widerstand gegen WindkraftDie Energiewende als Soziallabor

Eine alte Windmühle steht zwischen Wohnhäusern in Kiel, im Hintergrund ein modernes Windrad.  (picture alliance / Hinrich Bäsemann)

In den vergangenen 25 Jahren sind in Deutschland 25.000 Windräder entstanden. Obwohl die Mehrheit der Deutschen die Erneuerbaren befürwortet, wächst der Widerstand gegen die Windkraft. Was bedeutet das für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes?

ÖsterreichVan der Bellen will weder Oberlehrer noch Zuchtmeister sein

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (r.) und der künftige Bundespräsident Alexander Van der Bellen (l) sitzen das erste Mal zusammen. (picture-alliance / dpa/epa/Christian Bruna)

Der neue österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen möchte seine Persönlichkeit und Erfahrung in das neue Amt einbringen. In der Wiener Hofburg, seinem künftigen Amtssitz, traf er heute schon mal auf Amtsinhaber Heinz Fischer.

Aggressionen gegen Flüchtlingshelfer"Damit die richtig schön Angst kriegen"

Ehrenamtliche, die Geflüchteten helfen, werden immer häufiger bedroht.  (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Drohbriefe, eingeschlagene Fensterscheiben, Beleidigungen und Verleumdungen in sozialen Netzwerken, sogar Brandanschläge auf Autos - das alles müssen Ehrenamtliche ertragen, die Flüchtlingen helfen.

Gesichtserkennungs-App "FindFace"Das Ende der Anonymität

Ein Mann hält sich die Augen zu (imago/blickwinkel)

Meine Freunde, mein Beruf, meine Hobbys: Eine Software erkennt Gesichter auf Fotos und liefert in kürzester Zeit Informationen aus sozialen Netzwerken. In Russland ist das schon Realität. Auch die Polizei und Geheimdienste sind an der Gesichtserkennung in Echtzeit interessiert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kabinett  Integrationsgesetz soll heute beschlossen werden | mehr

Kulturnachrichten

Künstler aus Sachsen bekommen Marion-Ermer-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Roboter-Wachmann  Robocop läuft in US-Einkaufszentrum Streife | mehr