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Schavan will klagen

Uni Düsseldorf entzieht Bildungsministerin den Doktortitel

Der leere Platz von Bildungsministerin Schavan im Bundeskabinett (dpa / Maurizio Gambarini)
Der leere Platz von Bildungsministerin Schavan im Bundeskabinett (dpa / Maurizio Gambarini)

Bundeskanzlerin Merkel hält ihrer CDU-Vertrauten Schavan die Treue, will aber auch "in Ruhe" mit ihr reden. Einige Parteifreunde werten dies als Signal für einen Rücktritt. Die Diskussion über eine mögliche Nachfolge ist im Gange.

Annette Schavan hatte von der Entscheidung der Universität per Pressemitteilung erfahren. Dies habe sie sehr getroffen. Die Ministerin befindet sich momentan auf einer Reise in Südafrika, um die Kooperation beider Länder im Forschungsbereich zu stärken. Am Rande eines Termins trug sie wie auswendig gelernt eine knappe Erklärung vor. Über einen Rücktritt, so wie es Oppositionspolitiker und einige Wissenschaftler fordern, äußerte sich Schavan nicht. Am Freitagabend wird die Ministerin in Berlin zurück erwartet.

Zwischen Rückhalt und Rücktritt

Enge CDU-Vertraute: Annette Schavan und Angela Merkel (dpa / Wolfgang Kumm)Enge CDU-Vertraute: Annette Schavan und Angela Merkel (dpa / Wolfgang Kumm)Bis dahin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Verhandlungen über den mehrjährigen EU-Haushalt beschäftigt. Dass Merkel über ihren Sprecher ausrichten ließ, sie habe "volles Vertrauen" in Schavan, wird in Berlin nicht als Jobgarantie verstanden. Solche Bekundungen hatten schon Karl-Theodor zu Guttenberg und Franz-Josef Jung wenige Tage vor ihren Rücktritten von der CDU-Vorsitzenden erhalten. Bei Guttenberg war es gar "vollstes Vertrauen", wie Blogger Sascha Lobo anmerkt.

Gerade im Fall Guttenberg legte Schavan selbst sehr hohe Maßstäbe an. "Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich", hatte die Bildungsministerin seinerzeit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. "Jedenfalls weiß ich, dass, wer viele Jahre an seiner Doktorarbeit sitzt, sich darin auch verirren kann." Der FDP-Politiker Thomas Hacker hält aufgrund dieser Äußerungen einen Rücktritt für unausweichlich. "Wenn ich die Messlatte für andere sehr hoch setze, wie sie es getan hat, dann muss ich die Messlatte auch für mich selbst so ansetzen", sagte Hacker im Deutschlandfunk.

"Wissenschaftliche Integrität ist ein hohes Gut", hatte Schavan auf Deutschlandradio Kultur damals gesagt. "Und dazu gehört, die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens zu kennen und konsequent anzuwenden." Für den Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, wäre der Rücktritt der Ministerin nun "möglicherweise doch die richtige Konsequenz".

Mögliche Nachfolgekandidaten

Armin Laschet auf dem Weg zur Vorstandssitzung in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)Armin Laschet, CDU-Landesvorsitzender in NRW (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)Nachdem Schavan in Berlin gelandet sei, werde "Gelegenheit sein, in Ruhe miteinander zu reden", sagte Merkels Sprecher. Bei den Christdemokraten wird dem Vernehmen nach bereits über einen möglichen Nachfolger geredet, der das Bundesbildungsministerium bis zur Bundestagswahl im Herbst führen wird. Die CDU in Nordrhein-Westfalen beansprucht dann nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" zumindest ein Mitspracherecht über den Posten, nachdem Norbert Röttgen entlassen wurde. Dessen Nachfolger als CDU-Landesvorsitzender, Armin Laschet, ist demnach im Gespräch. Schon Röttgens Ministerposten hatte damals der Saarländer Peter Altmaier übernommen. Nun sei der mitgliederstarke NRW-Landesverband wieder am Zug.

Als Option wird auch ein Kultusminister aus den neuen Bundesländern gesehen. Sachsens ehemaliger Kultusminister Roland Wöller hatte mit Schavan die neue CDU-Bildungspolitik entworfen, aber auch er sah sich Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Die niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka scheidet nach dem Wahlsieg von SPD und Grünen in Hannover aus dem Amt aus und wäre ebenso verfügbar wie ihr Kabinettskollege, Kultusminister Bernd Althusmann.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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