Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schiffe versenken gegen das Hochwasser

Streit um Finanzierung des Fluthilfefonds zwischen Regierung und SPD

Elbe-Hochwasser in Lauenburg (Schleswig-Holstein) (picture alliance / dpa / Bodo Marks)
Elbe-Hochwasser in Lauenburg (Schleswig-Holstein) (picture alliance / dpa / Bodo Marks)

In Sachsen-Anhalt soll eine spektakuläre Aktion helfen, die Wassermassen auf ihrem Weg ins Landesinnere zu stoppen. Derweil streiten sich Bundesregierung und Opposition, wie die milliardenschwere Fluthilfe bezahlt werden kann.

Acht Milliarden Euro schwer ist der Fluthilfe-Fonds, dessen Finanzierung sich Bund und Länder teilen wollen - woher das Geld kommen soll, ist umstritten. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) hat vorgeschlagen, die Körperschaftsteuer vorübergehend zu erhöhen, die Kapitalgesellschaften zahlen. Doch das lehnt die Bundesregierung ab - Steuererhöhungen brauche man nicht, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin.

Auch über eine andere Option, den von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer am Donnerstag beschlossenen Fonds zu finanzieren, wird gezankt: Anleihenkäufe, also neue Schulden. Strikt dagegen sprechen sich die Sozialdemokraten aus: Ihr Haushaltsexperte Carsten Schneider rief die Bundesregierung auf, neue Schulden zu vermeiden. Wenn die Kanzlerin diesen Weg des geringsten Widerstandes einschlage, sei dies ein Zeichen von politischer Handlungsunfähigkeit, sagte er der "Berliner Zeitung".

Lastenkähne sollen Deichlöcher stopfen

Versunken in der Elbe: Die Ortschaft Fischbeck (Sachsen-Anhalt) (picture alliance / dpa / Bundeswehr/Ho/dpa)Versunken in der Elbe: Die Ortschaft Fischbeck (Sachsen-Anhalt) (picture alliance / dpa / Bundeswehr/Ho/dpa)Derweil sinken die Pegelstände der vom Hochwasser betroffene Flüsse weiterhin leicht, die Lage bleibt angespannt. In Sachsen-Anhalt soll eine ungewöhnliche Aktion helfen, die Wassermassen auf ihrem Weg in Landesinnere zu stoppen. Vor einem gebrochenen Deich in der Elbe im Landkreis Stendal werden zwei Lastkähne versenkt . So soll der Durchfluss bei Fischbeck geschlossen werden. Riesige Säcke mit Sand und Steinen, die von Hubschraubern aus abgeworfen werden, sollen danach die Stelle zusätzlich sichern. Ein Sprecher des Krisenstabs sagte, durch das Loch im Deich liefen noch immer mehrere hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Dies entlastete in den vergangenen Tagen zwar die Elbe, jedoch mussten zahlreiche Dörfer hinter dem gebrochenen Deich evakuiert werden.

Bei Breitenhagen im sachsen-anhaltinischen Salzlandkreis wurde laut Krisenstab ein Loch in den Saale-Deich gesprengt. Auf diese Weise soll Wasser aus zuvor gefluteten Gebieten zurück in den Fluss fließen. Dafür war noch eine zweite Sprengung vorgesehen. Landesweit seien nun 13.800 Menschen von Evakuierungen betroffen.

In Brandenburg sanken die Pegelstände nach Behördenangaben "langsam, aber stetig". Im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern gingen die Pegelstände ebenfalls zurück, es drohte aber weiterhin ein Brechen durchweichter Deiche. Die Stadtinsel Hitzacker im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen soll ab heute Abend wieder eingeschränkt betreten werden können. Auch in Lauenburg in Schleswig-Holstein konnten rund 300 Bewohner der Altstadt wieder in ihre Häuser.

Weiter südlich im Salzlandkreis sprengten Einsatzkräfte bei Breitenhagen den Saaledeich, um das Hochwasser aus den dort überfluteten Gebieten schneller zurück in den Fluss zu leiten.

Landwirtschaftsministerin Aigner (CSU): Schäden für Landwirte größer als 2009

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) besuchte nur wenige Kilometer entfernt in Barby und Nienburg vom Hochwasser betroffene Agrarbetriebe. Sie sei sich mit Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (beide CDU) einig darüber gewesen, dass die aktuelle Flutkatastrophe größere Schäden als das Hochwasser 2002 bei den Landwirten angerichtet habe, sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Weitere Informationen auf dradio.de:

Hochwasser drückt massiv auf Deiche - <br> Weitere Evakuierungen im Osten

Psychologe: Das Hochwasser prägt die Gesellschaft <br> Stephan Grünewald über die Gemeinschaft in der Katastrophe

Wie man die Flut bändigt <br>Forscher suchen nach Auswegen bei Überflutungen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:50 Uhr Sport aktuell

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Die besondere Aufnahme

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

HIV-Infektionen in ChinaGefahr im Goldenen Dreieck

(picture alliance / dpa)

Ein Viertel der neuen HIV-Infektionen in China wird aus Yunnan im Südwesten des Landes gemeldet. Die Provinz grenzt an das berüchtigte Goldene Dreieck: eine Region, die als größte Produktionsstätte für Heroin gilt. Die Bewohner wissen kaum etwas über die Ansteckungsgefahr durch das Virus, nur wenige Betroffene erhalten Hilfe.

Claire Denis über "Un Beau Soleil Intérieur"Eine sexy Frau und jede Menge Neurosen

Die französische Regisseurin Claire Denis (dpa / Asatur Yesayants)

Als "eine Art Reise in die Weiblichkeit" schildert Regisseurin Claire Denis ihre Arbeit an "Un Beau Soleil Intérieur": eine romantische Komödie, mit der das Filmfest in München eröffnet wurde. Juliette Binoche spielt darin eine Künstlerin auf der Suche nach der großen Liebe.

Die Brücke über die Drina25 Jahre nach den Massakern im bosnischen Višegrad

Blick von der Seite auf die beinahe 500 Jahre alte Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke über dem Fluss Drina in Višegrad. (imago/Boris Scitar)

"Die Brücke über die Drina" von Ivo Andric ist eine monumentale Erzählung über das multikulturelle Leben auf dem Balkan. Der historische Roman war in Jugoslawien Pflichtlektüre an vielen Schulen. Die "Brücke über die Drina" galt als Symbol von "Brüderlichkeit und Einheit".

"Rheingold" in DüsseldorfEin veritables Wagner-Wunder

Deutsche Oper in Düsseldorf (picture alliance / Horst Ossinger)

Vorzügliche Darsteller und ein Regisseur, der sich "erfrischend überhaupt nicht" um die Erwartungen an diesen "Mount Everest" des Musiktheaters schert: Unsere Kritikerin Ulrike Gondorf hat in Düsseldorf eine gelungene Inszenierung von Wagners "Rheingold" erlebt.

Von der UNESCO geschützte BräucheIst das wirklich typisch deutsch?

Das Bild zeigt Bürgermeister, Kurdirektor und drei weitere Personen beim Wassertreten in einem Außenbecken in Bad Münstereifel. (Deutschlandradio / Manfred Götzke )

In den Harzer Wäldern trainieren Vogelfreunde den Gesang von Buchfinken. Auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern schlagen Reiter im vollen Galopp mit Keulen auf eine Tonne ein, um den Tonnenkönig zu küren. Diese etwas skurrilen Volksfeste, aber auch das Kneippen oder die Flussfischerei an der Sieg, eint eins: Sie gehören zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Christian Kohlross: "Kollektiv neurotisch"Warum wir Narzissten, Hysteriker und Depressive sind

(Foto: imago / Cover: Dietz-Verlag)

Hysterisch, visionslos und wegen überhöhter Ansprüche ständig enttäuscht: Dem Therapeuten Christian Kohlross zufolge befindet sich der Westen in einem Zustand kollektiver Neurose. Da hilft nur: Die Gesellschaft auf die Couch!

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Großbritannien  Schon 34 Gebäude bei Brandschutzüberprüfung durchgefallen | mehr

Kulturnachrichten

"OST"-Zeichen auf Volksbühne wird abgebaut  | mehr

 

| mehr