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Schlag gegen die Grausamkeit

Mexikanische Behörden nehmen Drogenboss "Z-40" fest

Miguel Ángel Treviño Morales, festgenommener Boss des Drogenkartells "Zetas" (picture alliance / dpa / Secretaria De Marina/Semar/Hando)
Miguel Ángel Treviño Morales, festgenommener Boss des Drogenkartells "Zetas" (picture alliance / dpa / Secretaria De Marina/Semar/Hando)

Abgehackte Köpfe, Massakrierte in Massengräbern: Das mexikanische Drogenkartell "Zetas" steht im Ruf besonderer Grausamkeit. Nachdem die Behörden den neuen Chef festgenommen haben, befürchten Experten nun blutige Machtkämpfe.

Der auch als "Z-40" bekannte Drogenboss Miguel Ángel Treviño Morales wurde in den frühen Morgenstunden des Montags südwestlich der Grenzstadt Nuevo Laredo von Marinesoldaten gestellt. Es war eine Festnahme ohne nennenswerten Widerstand: Ein Hubschrauber stoppte seinen Geländewagen, im Fahrzeug fanden die Soldaten neben zwei Millionen Dollar Bargeld acht Gewehre und 500 Patronen - Schüsse seien nicht gefallen, teilten die Behörden mit.

"Z-40" ist der bereits dritte Kopf der "Zetas", den die mexikanischen Behörden in den vergangenen zehn Monaten festgenommen haben. Erst im Oktober wurde er Nachfolger von Heriberto Lazcano alias "El Verdugo" (Der Henker) aufgerückt, der von Sicherheitskräften erschossen worden war. Treviño zählte zu den meist gesuchten Kriminellen sowohl in Mexiko als auch in den USA, wo fünf Millionen Dollar auf seine Ergreifung ausgesetzt waren. Der Mann, der 40 Jahre alt sein soll, wird für zahllose Morde, Drogenhandel und Geldwäsche verantwortlich gemacht.

Die Festnahme von "Z-40" ist der erste große Erfolg gegen die organisierte Kriminalität in den sieben Monaten Amtszeit von Präsident Enrique Peña Nieto - und zugleich ein großer Schlag gegen das Drogenkartell, das von allen den Ruf größter Grausamkeit genießt.

Erpressung und Hinrichtung von Migranten

Dabei richten "Zetas" Gewalt nicht nur gegen Mitglieder andere Drogenkartelle, sondern auch gegen völlig Unbeteiligte. 2012 sollen sie unweit der mexikanischen Stadt Monterrey 49 Menschen massakriert haben - das Zerstückeln von Opfern vor laufender Kamera zählt zu den Markenzeichen der Bande. Migranten aus lateinamerikanischen Ländern, die auf dem Weg in die USA durch Mexiko reisen, werden von den "Zetas" immer wieder abgefangen, erpresst und getötet, wenn sie sich weigern, Geld zu zahlen oder zu kooperieren. Auch für Massenexekutionen an Wanderarbeitern 2010 und 2011 in Nordost-Mexiko machen die mexikanischen Behörden "Zetas" verantwortlich.

Das Kartell war in den 90er Jahren als bewaffneter Arm des so genannten "Golfkartells" entstanden. Ursprünglich handelte es sich bei den Mitgliedern um frühere Angehörige einer Eliteeinheit des mexikanischen Heeres, die die Seiten gewechselt hatten. Treviño war der erste Bandenchef ohne militärische Vergangenheit.

Die "Zetas" schmuggeln nicht nur tonnenweise Drogen in die USA. Sie verlangen auch Schutzgelder von Kasinos, Restaurants, Hotels und Nachtbars. 2010 trennten sie sich vom Golfkartell und wurden zu einer selbstständigen Organisation. Mittlerweile hat die Bande ihren Einfluss über den gesamten Osten Mexikos bis nach Guatemala und in andere Länder Mittelamerikas ausgedehnt. Das "Zetas"-Kartell zählt neben dem "Sinaloa"-Kartell, das den Nordwesten beherrscht, als größtes Drogenkartell Mexikos. Und es wird nicht lange führungslos bleiben: Als möglicher Nachfolger wird in der mexikanischen Presse Treviños Bruder Omar gehandelt, alias "Z-42". Ein anderer Bruder, José, sitzt seit 2012 wegen Geldwäsche in einem US-Gefängnis.

Krieg zwischen "Sinaloas" und "Zetas"

Ein von der Zeitung "Dallas Morning News" zitierter US-Fahnder schätzte, das nun im Nordosten Mexikos erst einmal blutige Machtkämpfe zwischen verfeindeten Fraktionen ausbrechen könnten und dass das Sinaloa-Kartell von einer Schwächung der "Zetas" profitieren könnte. Dessen Chef Joaquín "El Chapo" Guzmán gelang 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis.

Die Brutalität und Maßlosigkeit, mit der Drogenbanden wie die "Zetas" und "Sinaloas" ihre Macht und den Drogenfluss aus Lateinamerika organisieren, war eines der Hauptthemen beim Präsidentschaftswahlkampf in Mexiko 2012. Seit 2007, als die Regierung eine militärische Offensive gegen die Macht der Kartelle begann, starben 70.000 Mexikaner im Drogenkrieg. Mit seinem Versprechen, den Kampf gegen die Kartelle drastisch zu verstärken, hatte Präsident Peña Nieto bei den Wählern punkten können.

Weitere Informationen auf dradio.de:

Die Macht des Verbrechens <br>Günther Maihold/Daniel Brombacher (Hrsg.): Gewalt, Organisierte Kriminalität und Staat in Lateinamerika

Mexikanische Rauschgiftkartelle unter sich

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

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