Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schlagstöcke und Pfefferspray - Polizei geht hart gegen Blockupy vor

7000 Menschen demonstrierten in Frankfurt gegen EU-Politik

Blockupy-Proteste in Frankfurt: Polizei kesselt hunderte Demonstranten ein - Pfefferspray- und Schlagstock-Einsatz
Blockupy-Proteste in Frankfurt: Polizei kesselt hunderte Demonstranten ein - Pfefferspray- und Schlagstock-Einsatz (dpa / Boris Roessler)

Bis zu 7000 Menschen haben gestern in Frankfurt am Main gegen die Krisenpolitik der Europäischen Union demonstriert. Dabei kam es auch zu Tumulten - die Polizei kesselte nach eigenen Angaben mehrere Hundert Aktivisten ein. Auch Schlagstöcke und Tränengas wurden dabei eingesetzt.

Bei dem Demonstrationszug Tausender Menschen im Rahmen der Blockupy-Proteste gegen den Sparkurs in der Euro-Zone ist es am Samstag zu Gewalt zwischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Am Rande des Bankenviertels kesselten die Beamten nach eigenen Angaben Anhänger des sogenannten Schwarzen Blocks ein - vermummte und in Schwarz gekleidete Demonstranten, die als gewaltbereit gelten. Die Polizei sprach von 200 bis 400 Menschen, die eingekesselt seien, die Veranstalter von 1000.

Die Beamten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein, sprachen aber von Einzelfällen. Die Veranstalter dagegen bezeichneten das Vorgehen der Polizei als bewusste Eskalation. Einige der Aktivisten hätten die Beamten mit Steinen angegriffen, so die Polizei. Auf beiden Seiten gab es Verletzte, Festnahmen wurden nicht gemeldet. Zuvor hatten rund 7000 Menschen den zweiten Tag in Folge friedlich gegen die Sparpolitik in Europa demonstriert. Frankfurts Polizeipräsident Achim Thiel wies Kritik am Vorgehen der Polizei energisch zurück. Vorwürfe, nach denen die Polizei von langer Hand geplant habe, die Demonstranten einzukesseln, seien völlig aus der Luft gegriffen.

Attac: EZB als Sinnbild der Finanzkrise

Durch die Frankfurter Innenstadt wollten die Demonstranten zum Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) ziehen. Sie ist für die Demonstranten das Symbolbild der momentanen Finanzkrise in der Europäischen Union und der schlechten sozialen Lage in den südeuropäischen Ländern, erklärte Roland Süß, Blockupy-Aktivist und Sprecher der Attac-Gruppe Frankfurt im Deutschlandfunk. Die EZB sei für Teile der Bevölkerung nicht die Hüterin einer stabilen Währung, berichtet unsere Landeskorrespondentin Brigitte Scholtes im Deutschlandfunk.

Wie viele Menschen tatsächlich in Frankfurt demonstrierten, ist nicht ganz klar: Nach Schätzungen der Organisatoren waren es mehr als 20.000, die Polizei spricht von 7000. Im vergangenen Jahr hatten sich rund 20.000 Menschen an den Protesten beteiligt.

Die Demonstration war der Höhepunkt der Blockupy-Aktionstage. Bereits am Mittwoch wurde abseits der Innenstadt ein großes Camp eingerichtet, das Platz für rund 1000 Aktivisten bietet. Die Blockade der EZB am Freitag bildete dann den offiziellen Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, die unter dem Motto "Widerstand im Herzen des Europäischen Krisenregimes" stehen.

Junge, prekär Beschäftigte protestieren gegen ihre Lage

Vor einem Jahr hatten die ersten Blockupy-Tage Frankfurt tagelang in einen Ausnahmezustand versetzt. "Blockupy" setzt sich aus den englischen Begriffen "block" (blockieren) und "occupy" (besetzen) zusammen. Rund 40 Organisationen unterstützen die Proteste, darunter die Partei Die Linke, die globalisierungskritische Organisation Attac und die Gewerkschaft ver.di. Für den heutigen Sonntag wird der Abschluss der Proteste des kapitalismuskritischen Bündnisses erwartet.

Oliver Nachtwey von der Universität Trier hat die Occupy-Bewegung, die die Blockupy-Proteste unterstützt, empirisch untersucht. Im Gegensatz zu den Wutbürgern der Stuttgart21-Proteste seien die Aktivisten jung und prekär beschäftigt, erläuterte Nachtwey im Deutschlandradio Kultur. "Sie sind das Abbild der neuen Arbeitsgesellschaft." Gerade diese Betroffenen würden dann gegen ihre Arbeitsverhältnisse und die Finanzmärkte protestieren.


Mehr zum Thema:

Proteste der Blockupy-Bewegung in Frankfurt am Main - Bericht von Korrespondentin Anke Petermann im Deutschlandfunk

Schwerpunktthema: Der Graben zwischen Arm und Reich wird tiefer - Kongress "Umverteilen. Macht. Gerechtigkeit." an der TU Berlin

Lautstarker Protest der Kapitalismuskritiker in Frankfurt - Am Blockupy-Blockadetag soll auch die EZB in die Zange genommen werden

Dem Gemeinwesen verpflichtet - "Occupy Money"-Sprecher Reinhard Graeff über die Chancen der neuen Proteste seiner Bewegung

Blockupy will EZB besetzen - Bewegung will neue Aktionen starten

"Man macht erst mal den Event, und dann denkt man nach" - Peter Grottian über mehr als 30 Jahre Protestkultur

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:10 Uhr Europa heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:07 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Angehörige russischer Soldaten"Das Schweigen ist schrecklich"

Ein russischer Soldat - viele Frauen und Mütter haben keinen Kontakt zu ihren Angehörigen

Viele Frauen und Mütter russischer Soldaten haben keinen Kontakt zu ihren Männern und Söhnen in den ost-ukrainischen Kampfgebieten. Viele würden das einfach hinnehmen und schweigen, sagte Ella Poljakóva von den Soldatenmüttern St. Petersburgs, im DLF.

Streaming"Neue Chance für Filmemacher"

Ein Computerbildschirm zeigt die Webseite des US-Streamingdienstes Netflix am 24. Juli 2012

Der US-Streamingdienst Netflix stellt ab September  in Deutschland Filme und Serien über das Internet zur Verfügung. Der Regisseur der Liebeskomödie "Lovesteaks", Jakob Lass, hält den Dienst für einen Segen. 

Aus den FeuilletonsMächtige D-Mark und nackte Frauen

US television personality Kim Kardashian arrives on the red carpet for the 31st MTV Video Music Awards at The Forum in Inglewood, California, USA, 24 August 2014. 

Während die "FAZ" über den Erfolg der AfD in Sachsen rätselt und dabei Ost- und Westdeutschland in einen Topf wirft, sinniert die "Süddeutsche" über die von Computernerds gehackten Nacktbilder von Hollywoodschönheiten.

Spanien Die ersten Früchte harter Reformen

Angela Merkel mit Mariano Rajoy

Mit der spanischen Wirtschaft scheint es wieder bergauf zu gehen. Das sagen zumindest die Zahlen der Statistiker. Aber der Weg aus der Krise ist noch weit. Die Arbeitslosenzahlen sind noch immer hoch, die Schlangen vor den Essensausgaben für Bedürftige bleiben lang.

Patient NordseeHausbesuch bei einer alten Bekannten

Am Nordseestrand an der Westküste von Dänemark nahe dem Ort Agger liegt ein Haufen vom Meer angespülter Fischernetze und Seile. 

Wie steht es um die Wasserqualität in der Nordsee? Zwölf Spezialisten untersuchen derzeit den Gesundheitszustand des Meeres. Die Wissenschaftler befinden sich auf dem Forschungsschiff "Celtic Explorer". Unser Reporter hat das Team via Satellit erreicht.

Autorin Zoë Beck "Viel breiter erzählen"

Zoë Beck schreibt sowohl Drehbücher als auch Romane. Letzteres wesentlich lieber, denn im Roman ist sie frei von Realisierungszwängen. Drehbücher leben von der filmischen Umsetzung. Gerade die beschränke Autoren  in ihrer Handlungsfreiheit, sagt Beck.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  entsenden weitere Soldaten in den Irak | mehr

Kulturnachrichten

Regisseur Dehler verlässt Störtebeker-Festspiele  | mehr

Wissensnachrichten

Soziales Lernen  Goffin-Kakadus gucken sich Werkzeugtechnik von Artgenossen ab und verbessern sie sogar | mehr