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Schlechtes Bild von Merkel und Co.

WikiLeaks veröffentlicht Geheimdokumente aus US-Botschaften

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzen in Berlin im Bundestag und halten sich die Hände an den Kopf. (AP)
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzen in Berlin im Bundestag und halten sich die Hände an den Kopf. (AP)

Mehr als 250.000 Diplomatendokumente will die Internetplattform Wikileaks veröffentlichen. Die Berichte aus US-Botschaften sollen vertrauliche Gesprächdetails sowie persönliche Einschätzungen von internationalen Politikern enthalten.

Ein Teil der Berichte wurde bereits auf der Plattform zugänglich gemacht. Zudem hatten das Nachrichtenmagazin "Spiegel" und andere Medien schon vorab Teile des Materials erhalten.

Die "Teflon-Merkel"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kommen in den Dokumenten eher schlecht weg.

Über Merkel heißt es nach "Spiegel"-Angaben in der Einschätzung des US-Botschafters Wiliam Timken, sie habe zwar den Ton der transatlantischen Beziehungen optimieren wollen, jedoch "keine mutigen Schritte unternommen, um den substanziellen Inhalt dieser Beziehung zu verbessern".

In einem Diplomaten-Bericht vom März 2009 wird Merkel offenbar als "Angela 'Teflon' Merkel" bezeichnet, weil viel an ihr abgleite.

In der Berichterstattung auf Spiegel Online heißt es weiter über Westerwelle, seine Gedanken hätten "wenig Substanz". Das schreibt höchst undiplomatisch der gegenwärtige Chefdiplomat der USA in Berlin, Botschafter Philip Murphy. Vor allem liege das daran, dass offenbar Westerwelles "Beherrschung komplexer außen- und sicherheitspolitischer Themen noch Vertiefung erfordert".

"Riesige Blamage" für die US-Regierung

John Christian Kornblum, Deutschland-Chef der Investment Bank Lazard und Ex-Botschafter der USA (Deutschlandradio - Bettina Straub)John Christian Kornblum (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum sieht aufgrund solcher Veröffentlichungen die künftige Diplomatie in Gefahr.

Im Deutschlandfunk sagte Kornblum sinngemäß, die Welt komme nun in eine neue Ära. "Was hier neu ist, sind nicht die Einschätzungen, sondern die Tatsache, dass das System sozusagen geknackt wurde und dass Diplomaten, wenn sie jetzt mit einem chinesischen Premierminister oder mit einem deutschen Politiker reden, nicht mehr garantieren können, dass das, was ihnen gesagt wird, auch vertraulich behandelt wird", so Kornblum wörtlich.

Rainer Stinner, außenpolitischer FDP-Sprecher, sprach im Deutschlandfunk von einer "riesigen Blamage für die amerikanische Regierung". Dennoch plädiert er dafür, das Thema nicht zu hoch zu hängen.

Außer über Deutschland finden sich in den veröffentlichten Geheimdokumenten auch zahlreiche Aussagen über andere Länder - so auch über Saudi-Arabien.

Der saudische König Abdullah soll die Vereinigten Staaten mehrfach aufgefordert haben, militärisch gegen iranische Atomanlagen vorzugehen. In Berichten der US-Botschaft in Riad an das Außenamt in Washington heißt es, die Saudis fürchteten den wachsenden Einfluss des schiitisch geprägten Iran in der Region, vor allem im Nachbarland Irak.

Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari bezeichnete die Veröffentlichungen als unpassend und nicht hilfreich. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz äußerte im ZDF, die jetzt bekannt gewordenen Dokumente könnten die Diskussion im Nahen Osten verändern. Noch lasse sich aber nicht übersehen, von welcher Brisanz die Unterlagen tatsächlich seien.

Weiterführendes:
Beitrag von DRadio Wissen zum Thema

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

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