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Schlecker sucht Rettung in Planinsolvenz

Drogerie-Discounter will aber großen Teil der Filialen und Arbeitsplätze erhalten

Filiale des Drogeriemarkts Schlecker (picture alliance / dpa / Emily Wabitsch)
Filiale des Drogeriemarkts Schlecker (picture alliance / dpa / Emily Wabitsch)

Die Firma Schlecker wird eine Planinsolvenz beantragen. Die Drogeriemarktkette schreibt seit Jahren hohe Verluste und schloss zum Jahresende 600 Filialen. Das Ende des Geschäfts von Schlecker muss ein Insolvenzverfahren aber nicht bedeuten.

Wie der Konzern mitteilte, soll der Antrag für eine geplante Insolvenz kurzfristig gestellt werden - wahrscheinlich schon am Montag. "Die weiter notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen können im zeitlich gesetzten Rahmen nicht weiter umgesetzt werden, zumal aktuell eine geplante Zwischenfinanzierung nicht realisiert werden konnte", hieß es.

Andere Anbieter von Drogerieartikeln präsentieren sich moderner, kundenorientierter, günstiger - kurz, sie sind besser. Das Management von Schlecker hat die Realität zu lange ausgeblendet. Eine Sanierung wird schwierig, prophezeit Christian Bremkamp in seinem Kommentar im Deutschlandfunk.

Der Vorsitzende des Verbandes der Insolvenzverwalter, Christoph Niering, sprach heute von "strukturellen hausgemachten Problemen" bei Schlecker. Eine Sanierung des Unternehmens hält er deshalb für schwierig. Das Insolvenzverfahren verschaffe dem Unternehmen aber erst einmal Luft, da die Bundesagentur für Arbeit den Beschäftigten drei Monate lang ein Insolvenz-Ausfallgeld zahle.

2010 war der Umsatz auf 6,5 Milliarden Euro gesunken. Der Verlust betrug 650 Millionen Euro. Schlecker rechnet damit, dass dieser Negativtrend 2011 fortgesetzt wurde. Mit 7000 Filialen in Deutschland und weiteren 3000 in anderen Ländern Europas gehört Schlecker immer noch zu den Riesen im Drogeriegeschäft. Doch allzu kleine Ladenflächen und ein schlechtes Image sorgten für stagnierende bis sinkende Umsätze; viele Schlecker-Märkte an ungünstigen Standorten waren nicht profitabel.

Bei einer Planinsolvenz würde Schlecker einen Antrag auf Insolvenz stellen und diesen mit einem Vorschlag zur Sanierung verbinden. Stimmten die Gläubiger dem Plan zu, bleibe die Geschäftsführung im Amt. Ziel der Planinsolvenz ist laut Schlecker der "Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze". Gelingt eine Sanierung nicht, wären europaweit 50.000 Mitarbeiter betroffen. In Deutschland beschäftigt Schlecker 30.000 Menschen.

Nicht nur starke Verluste, sondern auch Negativschlagzeilen über die schlechte Behandlung von Mitarbeitern machten Schlecker seit einiger Zeit Probleme. Das Sanierungsprogramm "Fit for Future" sollte helfen – doch für viele Filialen endete das Programm mit "No Future", berichtete Christian Bremkamp im Deutschlandfunk.

Schlecker war dafür bekannt, möglichst viele kleine Filialen zu eröffnen, um überall in Deutschland präsent zu sein. Mit über 30.000 Mini-Filialen hatte es Konzernchef Anton Schlecker zeitweise zum unangefochtenen Branchenführer gebracht. Doch der Absatzmarkt stagnierte und die Konkurrenz (dm, Rossmann und Müller) holte auf. Als Reaktion eröffnete der Konzern unter dem Namen Schlecker XL neue Läden im Großformat, wie Elke Schmidhuber im Deutschlandfunk berichtete.

Mitleid musste man mit Anton Schlecker wahrlich nicht haben, kommentierte Gerhard Schröder vom Hauptstadtstudio des Deutschlandradios. Er sei besonders rabiat mit seinen Beschäftigten umgesprungen und habe dafür zu Recht am Pranger gestanden: Schlecker hebelte bestehende Tarifverträge aus und drückte mithilfe von Leihkräften die Löhne.

Der Discounter soll fest angestellte Mitarbeiter in neue Verträge mit deutlich schlechteren Arbeits- und Einkommensbedingungen gezwungen haben - und zwar über die Zeitarbeitsfirma Meniar, die einen Stundenlohn von nur 6,78 Euro zahlt. Angesichts der Lohndumping-Vorwürfe plädierte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im Deutschlandradio Kultur für Mindestlöhne.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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