Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schröders Kita-Zahlen werden bezweifelt

Sorge um Qualität der Betreuung

Familienministerin Schröder hat ihr Soll erreicht. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Familienministerin Schröder hat ihr Soll erreicht. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Hat sich Kristina Schröder bei den Kita-Zahlen verrechnet? Die Opposition wirft der Familienministerin Schönrechnerei vor. Das Ministerium sieht sich bei dem Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige dagegen gut aufgestellt.

In der Gewerkschaft Ver.di gibt es erhebliche Bedenken, dass der Ausbau der Betreuungsplätze in Kitas qualitativ gut umgesetzt werden kann. Harald Giesecke, im Ver.di-Bundesvorstand zuständig für die Erzieher, bezweifelte im Deutschlandfunk, dass es bis zum Stichtag am 1. August ausreichend Angebote geben wird. Ab dann haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Giesecke zog zudem die Qualität der kurzfristig entstandenen Krippenplätze in Frage: "Wir wissen, dass viele Plätze dadurch geschaffen werden, dass mehr Kinder in die Gruppen kommen, dass Platz-Sharing betrieben wird. Und wer zahlt zum Schluss den Preis, dass es genügend Plätze gibt?" Das seien Kinder, Eltern und Betreuungskräfte.

Bessere Bezahlung für Erzieher gefordert

Langfristig müssten deutlich mehr Erzieher eingestellt werden, so Giesecke. Der Beruf sei für viele im Moment aber unattraktiv. Hier müsse der Staat durch eine bessere Bezahlung und attraktivere Arbeitsbedingungen Anreize für Nachwuchskräfte schaffen.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk äußerte sich die kinder- und familienpolitische Sprecherin der Grünen, Katja Dörner, ähnlich: "Zu wenig Personal betreut zu viele Kinder." Besonders problematisch findet die Politikerin, dass - um die vom "Krippengipfel" geforderte Anzahl der Plätze zu erreichen - mit Tricks gearbeitet würde. Vielerorts habe man einfach die Gruppengröße um zwei Plätze erhöht.

Städtetag: Es fehlen 100.000 Plätze

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, hält die Zahlen von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für zu optimistisch. Die Berechnung des Familienministeriums sei unklar, weil darin auch geplante Betreuungsplätze aufgelistet würden, deren Ausbau noch gar nicht begonnen habe. Er schätze, dass zum August noch rund 100.000 Betreuungsplätze fehlten, berichtet unsere Korrespondentin Verena Herb. Dennoch soll Kleinkindern aus Sicht des Deutschen Städtetages keine "Billigbetreuung"drohen. Städtetagspräsident Ulrich Maly sagte im Deutschlandfunk, obwohl es keine bundesweiten Mindeststandards gebe, werde die Betreuung seriös und "qualitätsvoll" sein.

Die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm fragt in der heutigen Presseschau:

"Was sind die Zahlen wert, die Schröder vorgelegt hat? Bei näherem Hinsehen erinnern sie eher an das alte Prinzip, nur Statistiken zu vertrauen, die man selbst gefälscht hat."

Bundefamilienministerin Schröder sieht die neuen Betreuungsplatzzahlen positiv (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Bundefamilienministerin Schröder sieht die neuen Betreuungsplatzzahlen positiv (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Das Familienministerium hatte die Zahlen am Donnerstag präsentiert: Demnach werden im Laufe des kommenden Kita-Jahres 2013/2014 weit mehr als die geplanten 780.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige zur Verfügung stehen, denn die Bundesländer hätten rund 813.000 solcher Plätze gemeldet. Damit wird die Anzahl der Betreuungsplätze übertroffen, die der "Krippengipfel" einst zum Stichtag 1. August gefordert hatte.
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte am Donnerstag ebenfalls eine Erhebung zum Kita-Ausbau. Laut diesen Zahlen gab es zum 1. März in Deutschland 597.000 Betreuungsplätze. Das sind rund 37.000 mehr als im Vorjahr.

Kita-Pläne gehen auf "Krippengipfel" zurück

Die Pläne für den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder gehen auf einen "Krippengipfel" im Jahr 2007 zurück. Bund und Länder hatten sich damals geeinigt, bis zum 1. August 2013 780.000 neue Betreuungsplätze für unter Dreijährige zu schaffen. Rund zwölf Milliarden Euro sollten dafür ausgegeben werden: 5,4 Milliarden vom Bund, der Rest von den Ländern.


Mehr zum Thema auf dradio.de:
Rechtsanspruch ohne Inhalt - Kita-Ausbau: Immer noch fehlen Plätze und Personal
"Wir brauchen einen Kita-Gipfel" - Gewerkschafter fordert vom Bund
mehr Geld für die Früherziehung
Debatte über Qualität der Kinderbetreuung - Verbände warnen vor Folgen des Rechtsanspruchs
Die Kita-Klemme - Wie es um die Betreuung von Kleinkindern in Deutschland steht

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Studio LCB

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Oper

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

TrendsWie sich Blogger als "Tastemaker" positionieren

Berliner Fashion Week 2017 (Deutschlandradio / Laura Naumann)

Modemagazine waren gestern. Die schnelllebige Zukunft gehört den Blogs und deren Machern, den Tastemakern und Influencern. Und jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, weil sich damit unter Umständen auch Geld verdienen lässt, wie Modeexperte Sebastian Schwarz sagt.

TiefseeDer Ozean als Bergwerk

Der Meeresgrund ist voller Rohstoffe. Vor allem die mineralischen Ressourcen sind spannend für uns, denn die sind knapp und wir brauchen sie für Hightechgeräte wie unsere Smartphones. Staaten, Forscher und Unternehmen prüfen schon lange die Möglichkeiten des kommerziellen Tiefseebergbaus.

SimbabweHoffen auf ein Ende der Ära Mugabe

Simbabwes Präsident Robert Mugabe mit seiner Frau Grace beim Parteitag der ZanuPF. (AFP/Jekesai Nijikizam)

Simbabwe ohne Präsident Robert Mugabe? Für viele Menschen ist das kaum vorstellbar, denn der 93-Jährige herrscht seit der Unabhängigkeit 1980 autoritär über das Land, will sogar noch einmal kandidieren. Er und seine Machtclique haben aber das einst florierende Land heruntergewirtschaftet. Auf der Straße formiert sich trotz massiver Repressalien immer lauter Protest.

Schulz und Merkel im WahlkampfNur Ankündigungen sind zu wenig

Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Gespräch auf dem EU-Gipfel am 15. Dezember 2016 in Brüssel.  (picture-alliance / Belga / Christophe Licoppe)

Ob SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Politik wieder streitbarer mache, bleibe abzuwarten, meint Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Noch fehle ihm dafür der Widerpart. Angela Merkel mobilisiere derzeit eher die parteiinternen Gegner als die eigenen Wähler.

Visual Effects bei der Oscar-VerleihungDie perfekte Illusion

Mowgli (gespielt von Neel Sethi) und Bagheera aus dem Film "The Jungle Book" (2015 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved)

Aufwändige Spezialeffekte entführen uns in fantastische Bildwelten. Fünf Filme können sich nun Hoffnungen auf einen Oscar für ihre Effekte machen. Für "Vollbild" kommentieren zwei Experten die nominierten Filme - an einem haben sie sogar selber mitgearbeitet.

Post, Drucker und KopiererLand der Papierverschwender

Der New Yorker Jim Kavanaugh meint: Hey, ihr Deutschen recycelt wie die Weltmeister, aber warum verbraucht ihr immer noch so schrecklich viel Papier?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bangladesch  Inhaftierte Textil-Gewerkschafter freigelassen | mehr

Kulturnachrichten

Gabriel drängt zu schneller Entscheidung im Fall Yücel  | mehr

Wissensnachrichten

Geld  Alte Ein-Pfund-Münze bald nutzlos | mehr