Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schüsse an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo

Kontrollposten angezündet - NATO-Soldaten zwischen den Fronten

Der Grenzposten Jarinje an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo steht in Flammen (picture alliance / dpa / EPA/STR)
Der Grenzposten Jarinje an der Grenze zwischen Serbien und Kosovo steht in Flammen (picture alliance / dpa / EPA/STR)

Nach tagelangen Provokationen droht der Grenzstreit zwischen Kosovo-Albanern und Serben zu eskalieren. Angehörige der serbischen Minderheit setzten den Kontrollposten Jarinje in Brand. Die internationale Friedenstruppe KFOR gerät mehr und mehr zwischen die Fronten.

Angehörige der serbischen Minderheit haben den Grenzübergang Jarinje zur Nachbarrepublik Serbien in Brand gesetzt. Ein NATO-Sprecher bestätigte, dass auch KFOR-Mitglieder unter Beschuss standen. Verstärkung wurde an die Grenze geschickt. Inzwischen heißt es, die Lage sei unter Kontrolle.

Die kosovarische Regierung hatte zuvor schwerbewaffnete Polizisten ohne Absprache mit der EU-Polizeikomission EULEX oder der KFOR an die Posten Jarinje und Brnjak im Norden der Republik geschickt. Angehörige der serbischen Minderheit errichteten daraufhin Straßensperren. Die KFOR schickte starke Verbände an die Grenze, nachdem ein serbischer Heckenschütze einen albanischen Polizisten getötet hatte.

Der Chef der Demokratischen Partei des Kosovo und ehemalige UCK-Kämpfer, Hashim Thaci. (AP)Hashim Thaci gibt Serbien die Schuld für die Eskalation der Gewalt (AP)

Thaci gibt Serbien Schuld an Eskalation

Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci macht Serbien für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. Die Gewalttaten seien bestellt, geplant und geleitet von den höchsten Ebenen der serbischen Regierung, erklärte Thaci.

Serbiens Staatspräsident Boris Tadic rief seine Landsleute im Kosovo zur Mäßigung auf. Die Gewalt schade den serbischen Interessen. Serbien hofft, bis Jahresende den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu bekommen.

Grenzstreit um Importverbote

Hintergrund des Konflikts zwischen Pristina und Belgrad ist der Streit um Grenzübergänge und Importverbote. Nachdem die serbische Regierung Waren aus dem Kosovo mit einem Einfuhrverbot belegt hatte, ließ Pristina die Grenzübergange Jarinje und Brnjak besetzen, um seinerseits die Einfuhr serbischer Güter zu verhindern. Zuvor hatten serbische Zöllner zusammen mit Beamten der EU-Rechtsstaatmission EULEX die Posten kontrolliert. Waren aus Serbien konnten ohne Probleme in den Kosovo eingeführt werden.

Bereits vor drei Jahren hatten Serben in Jarinje Gebäude niedergebrannt und verwüstet. Seit Ausrufung der Unabhängigkeit Kosovos vor drei Jahren hat die Zentralregierung in Pristina keine Autorität im von Serben dominierten Norden des Landes. Die Behörden dort kooperieren fast ausschließlich mit Belgrad, bezahlt wird mit serbischen Dinar.

Völkerrechtlicher Status des Kosovo bleibt umstritten

Der völkerrechtliche Status des Kosovos ist umstritten. 77 der 193 UN-Mitgliedstaaten erkennen die Republik Kosovo als unabhängig an, darunter Deutschland und die USA. Andere Staaten halten die Unabhängigkeit für rechtswidrig. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hatte 2010 entschieden, dass die Unabhängigkeit des Kosovo nicht gegen das Völkerrecht verstoße.

Nach der serbischen Verfassung von 2006 bildet die Region im Süden eine autonome Provinz. Die serbische Regierung hat Kosovo bislang nicht anerkannt, in offiziellen Dokumenten wird vom Kosovo als einem besetzten Teil Serbiens gesprochen.

KFOR-Soldaten inspizieren den von serbischen Extremisten in Brand gesetzten Grenzübergang Jarinje im Norden des Kosovo (picture alliance / dpa / EPA/STR)KFOR-Soldaten inspizieren den Grenzübergang Jarinje (picture alliance / dpa / EPA/STR)Im März 2011 hatte es kleine Annäherungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern gegeben. Delegationen beider Seiten hatten sich unter Vermittlung des britischen EU-Diplomaten Robert Cooper getroffen und sich auf Reiseerleichterungen für Bürger aus dem Kosovo und die wechselseitige Anerkennung von Hochschulabschlüssen geeinigt. Zusätzlich erklärte sich Serbien bereit, dem Kosovo das Geburtsregister für die frühere serbische Provinz zur Verfügung zu stellen.


Mehr zum Thema:
Kurze Chronologie des serbisch-kosovarischen Konflikts
Kosovo-Krieg und KFOR-Einsatz

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Samstag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Oper

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Sahra Wagenknecht"Europa ist wesentlich unsozialer und brutaler geworden"

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht. (Imago / Metodi Popow)

Nach dem britischen Votum für einen Brexit hat die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht, ein sozialeres Europa angemahnt. Gerade Regionen mit einer hohen Arbeitslosigkeit hätten für den Austritt aus der EU gestimmt, sagte sie im DLF. Der Sozialstaat dürfe nicht weiter zerstört, sondern müsse wiederhergestellt werden.

Reaktionen in den USADie Beziehung zu den Briten kühlt ab

US-Präsident Obama wirbt in einer außenpolitischen Rede in Hannover für einstarkes und geeintes Europa. (AFP PHOTO/ Jim Watson)

Washington reagiert besorgt auf das Brexit-Votum. Nicht nur zu Großbritannien wird die Beziehung der USA komplizierter, sondern auch zur EU. Innenpolitisch könnte allerdings einer profitieren.

Referendum als perfekter Serien-TwistGame of Brexit

Leave! Bei Game of Thrones wäre die Brexit-Abstimmung der perfekte Cliffhanger gewesen. Und wie in der Serie verlieren die Guten viel zu oft. Unser Autor Stephan Beuting ist trotzdem gaaanz leicht optimistisch.

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Belgischer Diplomat soll für EU Austrittsgespräche mit Großbritannien führen | mehr

Kulturnachrichten

Homosexuelle wollen vor türkischer Botschaft protestieren  | mehr

Wissensnachrichten

Evolution  Haare, Federn und Schuppen haben ziemlich viel gemeinsam | mehr