Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schuldspruch gegen Continental aufgehoben

US-Fluggesellschaft muss dennoch eine Million Euro zahlen

Mit bereits brennendem Triebwerk hebt die Concorde am 25. Juli 2000 ab
Mit bereits brennendem Triebwerk hebt die Concorde am 25. Juli 2000 ab (AP)

Zwölf Jahre nach dem Absturz des Überschallflugzeugs Concorde bei Paris hat ein Berufungsgericht den Schuldspruch gegen die US-Fluggesellschaft Continental verworfen. Bei dem Unglück waren seinerzeit 113 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 97 Deutsche.

Im französischen Versailles hat ein Berufungsgericht die US-Fluggesellschaft Continental von der strafrechtlichen Verantwortung für die Concorde-Katastrophe aus dem Jahr 2000 freigesprochen. Eine Überraschung, berichtet Paris-Korrespondentin Anne Christine Heckmann. Der Anwalt von Continental sprach von einem "Paukenschlag".

Die Richter sahen es zwar als erwiesen an, dass das Unglück durch ein verlorenes Metallteil einer zuvor gestarteten Continental-Maschine ausgelöst wurde. Dies rechtfertige jedoch keine strafrechtliche Verurteilung. Die mittlerweile zum Unternehmen United Continental fusionierte Fluggesellschaft müsse allerdings dennoch eine Million Euro Schadenersatz an die Concorde-Eigentümerin Air France zahlen – und zwar wegen ihrer zivilrechtlichen Verantwortung. Die französische Gesellschaft hatte eine Entschädigung für den erlittenen Imageschaden gefordert.

Metallteil auf Startbahn führte zur Katastrophe

Bei dem Absturz der Concorde waren am 25. Juli 2000 113 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 97 Deutsche. Das Überschallflugzeug war den Ermittlungen zufolge beim Start vom Pariser Flughafen Roissy Charles-de-Gaulle nach New York über das verlorene Metallteil der zuvor gestarteten Continental-Maschine gerast. Dies habe eine Reifen zerfetzt, dessen herumfliegende Teile einen Treibstofftank beschädigten, welcher sich entzündete und das Flugzeug schließlich zur Explosion brachte. Die Concorde stürzte dann in der Gemeinde Gonesse in ein Hotel; 109 Menschen an Bord und vier am Boden starben. Die deutschen Opfer hatten von New York aus zu einer Kreuzfahrt starten wollen.

Im Herbst 2010 sprach ein Strafgericht in Pontoise bei Paris Continental die alleinige straf- und auch zivilrechtliche Verantwortung zu. Continental wurde zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro wegen fahrlässiger Tötung und einer Million Euro Schadenersatz an Air France verurteilt. Das Berufungsgericht hielt zwar am Ablauf des Unglücks fest, sah allerdings keine strafrechtliche, sondern nur eine zivilrechtliche Verantwortung als erwiesen an. Freigesprochen wurde in dem Berufungsverfahren auch ein früherer Continental-Angestellter, der in erster Instanz zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, weil er das Metallteil nicht richtig an der DC-10 der Continental fixiert hatte.

Mit 2200 km/h durch die Lüfte


Die Concorde galt als technisches Wunderwerk und zugleich als wirtschaftlicher Irrsinn: Wirtschaftlich war die kerosinverschlingende Maschine nie, die Unterhaltskosten waren enorm. Dennoch wurde das von Briten und Franzosen entwickelte Überschallflugzeug 27 Jahre lang, von 1976 bis 2003, im Linienverkehr eingesetzt und donnerte mit bis zu 2200 Kilometern pro Stunde in rund drei Stunden von Paris oder London über den Atlantik nach New York. Der Absturz am 25. Juli 2000 nach dem Start in Paris läutete dann allerdings das Ende der Concorde ein. 2003 hob zum letzten Mal eine Maschine ab. Die Flugzeuge können heute in Museen bewundert werden, unter anderem im badischen Sinsheim.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Bald fliegt sie wieder

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Gaucks Russland-Kritik"Freiheit ist nicht selbstverständlich"

Die Schatten von drei ukrainischen Soldaten im Krieg, die Waffen in den Händen halten.

Die Freiheit in Europa sei nicht mehr selbstverständlich, sagte der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter im DLF. An den deutlichen Worten des Bundespräsidenten Gauck an Russlands Adresse sei darum nichts auszusetzen. Dennoch müsse man eine Eskalation des Ukraine-Konflikts vermeiden.

BankrottAbwärtsspirale in Motorcity

Die stillgelegte Packard-Autofabrik in Detroit im US-Bundesstaat Michigan

Vor gut einem Jahr hat die einst schillernde Metropole der US-Autoproduktion die Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Ein Insolvenzrichter wird jetzt darüber entscheiden, ob der vorliegende Sanierungsplan für Detroit fair und umsetzbar ist.

HygieneEkel hilft

Iiiiigit! Ist das eklig. Wenn ihr das das nächste Mal denkt, dann freut euch. Vermutlich seid ihr gerade einer Infektion entgangen. Denn sich ekeln macht Sinn, weiß die Ekelforscherin Valerie Curtis.

Landtagswahl in SachsenDie "FDP hat Reputation verloren"

Ein Wahlplakat der FDP mit der Aufschrift "Sachsen ist nicht Berlin! Für Schwarz-Gelb: FDP wählen!" ist am 07.08.2014 in starkem Regen an einem Baum in Dresden (Sachsen) zu sehen.

Die FDP müsse dringend den Verfall ihres parteipolitischen Profils aufhalten, will sie in der Zukunft in Deutschland noch eine Rolle spielen, sagte der Politologe Everhard Holtmann im DLF. Die AfD hingegen könne langlebig sein.

Herzogin Anna Amalia BibliothekLehren aus der Katastrophe

Rauch steigt aus dem Dachstuhl der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, zwei Feuerwehrleute auf einer Leiter löschen.

Als 2004 die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar in Flammen stand, wurden etwa 50.000 Bücher zerstört. 60.000, darunter eine Lutherbibel von 1534, konnten gerettet werden. Wiedereröffnet wurde der restaurierte Bau 2007.

NetflixHoffentlich besseres Fernsehen

Netflix kommt im September nach Deutschland. Für Serienfans ist das eigentlich ein Grund zur Freude. Was bisher an Infos über den deutschen Netflix-Ableger durchgesickert ist, klingt aber gar nicht so spektakulär.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

De Maizière  kündigt EU-Maßnahmen zu Umgang mit Flüchtlingen an | mehr

Kulturnachrichten

Tölzer Knabenchor  nach Zerwürfnis ohne künstlerischen Leiter auf China Tournee | mehr

Wissensnachrichten

Sichelzellenanämie  Billiger Test könnte zehntausende Leben retten | mehr