Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schuldzuweisungen ohne Ergebnis

Bilanz des Runden Tischs zum Kindesmissbrauch: Kritiker vermissen Opferschutz

Der Teddy bietet wenig Trost - wie professionelle Hilfe für Opfer bezahlt werden soll, ist unklar. (picture alliance / dpa / David Ebener)
Der Teddy bietet wenig Trost - wie professionelle Hilfe für Opfer bezahlt werden soll, ist unklar. (picture alliance / dpa / David Ebener)

Der Runde Tisch gegen Kindesmissbrauch hat aus Sicht von Betroffenen-Vertretern auch nach über einem Jahr keinerlei Fortschritte gebracht. Streit gibt es vor allem um einen versprochenen Hilfsfonds.

Im November 2011 hatte der Runde Tisch gegen Missbrauch empfohlen, den Opfern von sexuellem Missbrauch in Schulen, Heimen und Familien 100 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das Geld soll helfen, Therapien für Opfer zu finanzieren, und zu gleichen Teilen vom Bund und den Ländern bereitgestellt werden. Allerdings weigern sich bis auf Bayern alle Bundesländer, ihren Beitrag zu leisten. Ein Treffen heute in Berlin sollte eine Entscheidung bringen, dort schoben sich die beiden politischen Ebenen aber nur gegenseitig die Schuld an der Verzögerung zu.

"Blockade und vertane Zeit"

Opferverbände kritisierten das Wirrwarr. Ingo Fock, der Vorsitzende des Vereins "Gegen-Missbrauch.de", sprach nach dem Treffen von vertaner Zeit. Bund und Länder schöben sich den Schwarzen Peter gegenseitig zu. Henning Stein von der Initiative Betroffener von sexualiserter Gewalt und Missbrauch sagte, es gebe noch viele Hausaufgaben zu machen. Zahlreiche Vorhaben würden blockiert.

Der Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, beklagt: "Bis heute gibt es keinen flächendeckenden Zugang zu Traumatherapien für Betroffene und ihre Familien, die durch das Gift der sexuellen Gewalt und des Missbrauchs zerfressen wurden."

Drei Jahre Vorlauf

Prominente Beispiele von Kindesmissbrauch waren vor rund drei Jahren die Odenwaldschule im hessischen Heppenheim und das Canisius-Kolleg in Berlin. Darüber hinaus kam eine Vielzahl weiterer Missbrauchsfälle ans Licht. Der sogenannte Runde Tisch von Bund, Ländern, Verbänden, Kirchen und Betroffenen tagte anderthalb Jahre, bis er im Herbst 2011 Empfehlungen vorlegte, unter anderem für den Hilfsfonds.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kündigten an, dass der Fonds noch vor der Bundestagswahl auf den Weg gebracht werde. Die Bundesregierung werde notfalls mit ihrem Anteil von 50 Millionen Euro alleine starten. Die Länder hätten leider bisher keine Finanzzusagen gemacht. Dagegen sagte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD), Schröder habe nicht ausreichend mit den Ländern gesprochen. Seit den Empfehlungen des Runden Tisches sei wenig passiert. "Die Bilanz ist ernüchternd."

Neben dem Fonds verzögert sich auch ein Gesetz zur Stärkung der Opferrechte. Nach der ersten Lesung Mitte 2011 liegt es nach wie vor im Rechtsausschuss des Bundestages, unbearbeitet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Aarhus-Projekt Dänemarks Umgang mit jungen Islamisten

Menschen erinnern am 14. Februar 2016 mit einer Lichterkette an die Anschläge vor einem Jahr in Kopenhagen. (dpa / picture alliance / Claus Bech)

Dialog und harte Hand - so beschreibt der Bürgermeister der dänischen Stadt Aarhus das erfolgreiche Projekt, Syrien-Rückkehrern die Chance zu geben, zurück in ein normales Leben zu finden. Gemeinsam mit muslimischen Mentoren geht die Polizei mit den islamistischen Extremisten in den Dialog.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

Kritik zum Katholikentag"Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert"

Teilnehmer der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben sich am 24.05.2016 in der Kongresshalle in Leipzig (Sachsen) versammelt. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Staat und Kirche müssten konsequenter getrennt werden, fordert der konfessionslose Jurist Maximilian Steinhaus anlässlich des Katholikentages. Die Gesellschaft sei so vielfältig, dass der Staat die unterschiedlichen Weltanschauungen gar nicht gerecht fördern könne.

LandwirtschaftAntibiotika kurbeln Produktion von Treibhausgasen an

Rinder in einem Stall in Deutschland. (imago stock&people)

Antibiotika werden in der Landwirtschaft nicht nur bei Krankheiten von Nutztieren verabreicht, sondern auch als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. Forscher warnen immer wieder davor, dass so antibiotikaresistente Krankheitserreger entstehen. Aber es gibt wohl noch einen weiteren Nebeneffekt.

TV in Russland Sex, Klatsch und viel Propaganda

 Russlands prominente Sex-Beraterin im Fernsehen: Anfisa Chekhova. (imago)

Das russische Fernsehen ist weitgehend unter staatsnaher Kontrolle. Aber anders als zu Sowjetzeiten, als staatstragende Medien öde und langweilig waren, wird die Propaganda heute in beliebte Unterhaltung verpackt - die einen großen Teil der Bevölkerung erreicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Japan  G7-Gipfel beginnt mit Besuch heiliger Stätte | mehr

Kulturnachrichten

US-Sammler zahlt über drei Millionen Euro für Shakespeare-Bände  | mehr

Wissensnachrichten

Wohnen  Hotel Mama liegt voll im Trend | mehr