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Schweigender Protest gegen die Regierung Erdogan

Landesweite Razzien der Anti-Terror-Polizei

Menschen protestieren schweigend (picture alliance / dpa / ABACA)
Menschen protestieren schweigend (picture alliance / dpa / ABACA)

Nach fast drei Wochen heftiger Zusammenstöße in der Türkei blieb die vergangene Nacht ruhig. Die Kritiker an der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verlegten sich erneut auf stumme Proteste und die Sicherheitskräfte hielten sich gegen die Demonstranten zurück.

Dem stillen Protest in Istanbul schließen sich immer mehr Demonstranten an. Auf dem zentralen Taksim-Platz in der türkischen Metropole waren am Dienstagabend mehrere hundert schweigende Menschen versammelt, wie Augenzeugen berichteten. Sie protestierten gegen die aus ihrer Sicht autoritäre Regierung und die Polizeigewalt der vergangenen Tage.

Protest gegen Erdogan und seine islamisch-konservative Partei AKP

Die Demonstranten richteten ihren Blick auf das zum Abriss vorgesehene Atatürk-Kulturzentrum und ein daran angebrachtes Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. "Das ist ziviler Widerstand gegen das, was die AKP in zehn Jahren mit diesem Land gemacht hat. Dagegen, dass sie die Gesellschaft gespalten, die verschiedenen Gruppen zu Feinden gemacht hat und nur für ihre eigenen Leute sorgt", sagt einer der Protestierenden. "Ich stehe hier für Demokratie, Menschenrechte und Frauenrechte. Wir werden sehen, ob diese Proteste etwas bringen. Ich mache so etwas zum ersten Mal meint," meint eine andere Teilnehmerin an den Protesten.

Der türkische Choreograph Erdem Gunduz steht am Taksim-Platz und demonstriert sechs Stunden lautlos. (picture alliance / dpa / EPA / Vassil Donev)Der Choreograph Erdem Gunduz demonstriert lautlos. (picture alliance / dpa / EPA / Vassil Donev)Auf dem Taksim-Platz in Istanbul hatte am Dienstagvormittag der stille Protest eines einzelnen Mannes für Aufsehen gesorgt. Stundenlang stand der Mann regungslos auf dem Taksim-Platz und blickte auf das Porträt von Atatürk. Die Hände hatte er dabei in den Hosentaschen. Ein stiller Protest gegen die aktuelle Regierung von Ministerpräsident Erdogan und dessen Politik. ARD-Korrespondent Thomas Bormann meint, die Protestaktion unterstreiche die Forderung, dass die Türkei ein laizistischer Staat bleiben solle, ohne Einfluss der Religion auf die Politik - so wie Atatürk es wollte.

"Befugnisse der Polizei ausweiten"

Ministerpräsident Erdogan kündigte unterdessen an, die Befugnisse der Polizei auszuweiten. Sie solle gestärkt werden, um besser eingreifen zu können. Zudem rief er den "Sieg" über die Demonstranten aus. "Unsere Demokratie hat erneut auf dem Prüfstand gestanden und sie hat gesiegt", sagte er vor Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP. Bereits gestern hatte der türkische Innenminister Muammer Güler erklärt, die Polizei kontrolliere sämtliche Twitter- und Facebook-Kommentare der letzten drei Wochen. Strafrechtlich relevant seien dabei besonders Aufrufe zu nicht genehmigten Demonstrationen. Zeitgleich verkündete das türkische Justizministerium, ein Gesetz zur schärferen Überwachung des Internets sei in Arbeit.

Ban Ki Moon: Stabilität durch Dialog

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa / Antonio Lacerda)UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa / Antonio Lacerda)UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die türkische Führung zur Mäßigung im Konflikt mit den regierungskritischen Demonstranten aufgefordert. Nach Bans Ansicht solle Ankara "größtmögliche Zurückhaltung" an den Tag legen, sagte der stellvertretende UN-Sprecher Eduardo del Buey in New York. Der Generalsekretär glaube, "dass Stabilität am besten durch einen Dialog erzielt werden kann". Die Versammlungs- und die Meinungsfreiheit müssten respektiert werden. Ban reagierte den Angaben zufolge "betrübt" auf die Nachrichten von Todesopfern und Verletzten bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Mehr Informationen auf dradio.de:

"Herr Erdogan will gar nicht mehr in die Europäische Union" - Interview mit dem Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir

Lange Liste der Bevormundung in der Türkei - Bunte Koalition wehrt sich gegen die Politik Erdogans

"Ich glaube, Erdogan ist ganz massiv angeschlagen" – Interview mit dem Politologen Hakki Keskin

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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