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Serbien überstellt Mladic nach Den Haag

Auslieferung an UN-Kriegsverbrechertribunal

Ratko Mladic nach seiner Festnahme am 26. Mai 2011 (AP/"Politika" Newspaper Serbia)
Ratko Mladic nach seiner Festnahme am 26. Mai 2011 (AP/"Politika" Newspaper Serbia)

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist von Serbien nach Den Haag zum UN-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert worden. Medizinische Untersuchungen hatten zuvor ergeben, dass sein Gesundheitszustand eine Überstellung erlaube.

Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben sei kurz nach 17 Uhr mit einem Flieger nach Rotterdam ausgeflogen worden, wie wie Andreas Meyer-Feist im Deutschlandfunk berichtete. Es habe keine Informationen vorab gegeben, aus Angst vor Demonstranten.

Mladics Anwalt hatte nach der Untersuchung erfolglos Einspruch gegen die Auslieferung seines Mandanten nach Den Haag erhoben. Der 69-Jährige war am Donnerstag auf serbischem Boden festgenommen worden. Die EU begrüßte die Verhaftung. "Dies ist ein sehr wichtiger Tag für das internationale Recht und den Rechtsstaat", sagte die Außenbeauftragte Catherine Ashton. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Verhaftung als überfällig: "Mladic hat große Schuld für besonders dunkle und tragische Ereignisse in den Balkankriegen auf sich geladen."

Bosnischer Außenminister: Wichtiger Schritt für Versöhnung

Auch die USA lobten die Festnahme. Mladic müsse zügig vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden. "Auch wenn die Ermordeten dadurch nicht wieder lebendig werden. Mladic wird nun den Opfern und der Welt und dem Gericht Rede und Antwort stehen müssen."


Der mutmaßliche bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic, 1999 (AP)Der mutmaßliche bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic, 1999 (AP)Der bosnische Außenminister Sven Alkalaj sagte unterdessen, die Verhaftung sei ein wichtiger Schritt für die Versöhnung auf dem Balkan. Die Ergreifung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers stelle eine positive Entwicklung für Serbien dar, das unter erheblichen Druck der internationalen Gemeinschaft gekommen war.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, bezeichnete die Festnahme als "Bringschuld Serbiens". Dafür könne das Land keine Gegenleistung erwarten, sagte Ischinger im Deutschlandfunk.

Generalstabsmäßig geplanter Massenmord

Mladic wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht. Im Juni 1995 wurden rund 8000 muslimische Männer und Jungen auf mutmaßliche Weisung Mladics und seines Serbenführers Radovan Karazic festgenommen und umgebracht: Generalstabsmäßig exekutiert und in Massengräbern verscharrt.

Das Mahnmal für Srebrenica-Opfer in Potocari (AP)Das Mahnmal für Srebrenica-Opfer in Potocari (AP)Meist geschah dies nach dem gleichen Muster: Zunächst wurden die Opfer in leer stehenden Gebäuden interniert, ohne Essen und Trinken. Dann fuhren die Serben sie zur Exekution an einen abgelegenen Ort. Sofort nach den Erschießungen stand schweres Erdräumgerät zum Vergraben der Leichen bereit - die Massenerschießungen waren sorgfältig geplant.



Das Trauma von Srebrenica

Das Massaker bedeutete auch für die Vereinten Nationen einen Tiefpunkt ihres völkerrechtlichen Hilfsanspruchs: Den gezielten Tötungen sahen niederländische Blauhelme mangels Mandat zur Gegenwehr tatenlos zu. Bis heute leiden viele der damals eingesetzten niederländischen Soldaten unter dem Trauma von Srebrenica.

Wichtiger Schritt für EU-Beitritt Serbiens

Die Auslieferung der mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic und Radovan Karadzic war jahrelang Bedingung der EU, Serbien eine Beitrittsperspektive anzubieten. Nach der Auslieferung Karadzics stellte Serbien 2009 den offiziellen Beitrittsantrag, doch erst im Herbst entscheidet die Europäische Kommission, ob das Land dafür reif ist. Grundlage ist die Umsetzung von Reformen und anderen Vorgaben wie der Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal.

Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. (AP)Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. (AP)Bereits im Juli 2008 gelang die Festnahme und Auslieferung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic, dessen Militärchef der jetzt festgenommene Ratko Mladic war. Karadzic hatte jahrelang unerkannt unter falschem Namen in einer privaten Arztpraxis gearbeitet. Sein Äußeres hatte er durch einen langen weißen Bart und eine Brille verändert.



Zum Thema auf dradio.de:

UN-Tribunal wartet auf den Angeklagten 162, Ratko Mladic

"Ein guter Tag für die internationale Gerichtsbarkeit" - Interview mit Wolfgang Schomburg, Richter am Internationalen Strafgerichtshof

Hintergrund: Das Trauma von Srebrenica

Das Massaker von Srebrenica - Die UNO und der Völkermord

Völkermord mitten im modernen Europa

Zur Festnahme von Serbenführer Radovan Karadzic 2008

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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