Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Sexismus-Vorwürfe gegen Brüderle sind eine Unverschämtheit"

Parteifreunde stärken designiertem FDP-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zunehmend den Rücken

Rainer Brüderle selbst schweigt (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Rainer Brüderle selbst schweigt (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

In der Sexismus-Debatte bekommt der FDP-Spitzenpolitiker Brüderle immer mehr Rückendeckung von Parteifreunden. Entwicklungsminister Niebel nannte die Vorgehensweise der "Stern"-Reporterin nun eine "Unverschämtheit".

Die Anschuldigungen gegen seinen Parteifreund sind aus Dirk Niebels Sicht politisch motiviert. Es sei es schon "eine ziemliche Unverschämtheit" der "Stern"-Reporterin, erst nach einem Jahr diese Vorwürfe zu erheben - ausgerechnet dann, wenn jemand bei den Liberalen eine neue politische Funktion übernehme, sagte Niebel im ZDF: "Das hat nichts mit gutem Journalismus zu tun." Grundsätzlich habe die FDP kein Problem mit Frauen in der Partei. "Der Dame" habe er aber "ein Interview, das für Mittwoch vereinbart war, abgesagt".

Außenminister Guido Westerwelle forderte seine Partei in Düsseldorf beim Neujahrsempfang des nordrhein-westfälischen Landesverbands zu Solidarität mit Brüderle auf. "Wenn man sich als Freier Demokrat an die Spitze stellt, gibt es in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr", rief Westerwelle. Der Chef der NRW-SPD, Christian Lindner, stellte ebenfalls klar, man stehe hinter dem "Freund" Rainer Brüderle.

Kubicki will Gespräche mit Journalistinnen an Hotelbars vermeiden

Zuvor hatte Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki dem "Stern" vorgeworfen, Brüderle schaden zu wollen. Allerdings habe er ihm von einer Klage gegen das Blatt abgeraten, sagte Kubicki der "Bild am Sonntag". Für sich selbst wolle er aus der Debatte Konsequenzen ziehen, so Kubicki. Zum Beispiel werde er Gespräche an Hotelbars vermeiden, wenn Journalistinnen dabei seien: "Denn natürlich rutscht einem da schon mal eine lockere und nicht gelungene Bemerkung heraus. Jetzt muss ich damit rechnen, dass das gegen mich verwendet wird."

Darüber hinaus lieferte Kubicki indirekt eine Bestätigung des Vorfalls: "Der Beitrag enthält, soweit ich das überblicken kann, keine falschen Tatsachenbehauptungen." Brüderle selbst schweigt weiter zu den Sexismus-Vorwürfen. Beim Neujahrsempfang der NRW-FDP erwähnte er die Affäre mit keinem Wort.

Brüderle war erst vor kurzem vom Parteivorsitzenden Philipp Rösler zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ernannt worden. Kurz darauf gab es den Vorwurf einer anzüglichen Annäherung an eine "Stern"-Journalistin. Sie schrieb über den 67-Jährigen, er habe ihr vor etwa einem Jahr auf den Busen geschaut und gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen".

Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" halten 90 Prozent der Bürger eine Entschuldigung Brüderles für angemessen, sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.


Mehr auf dradio.de

"Gerade ein FDP-Mann, der sollte sich da ein bisschen zurückhalten"- "Hammelsprünge"-Autorin Kosser ist erstaunt über Sexismus im Berliner Politikbetrieb
"Der kommt aus dem Land der Weinköniginnen" -Anzügliche Bemerkungen gehören für Journalistinnen zum Alltag
Ines Pohl: Jüngere Journalistinnen lassen sich weniger bieten- Chefredakteurin der "taz" glaubt, Brüderle-Affäre wird Spuren hinterlassen
Stern"-Reporterin wirft Brüderle Aufdringlichkeit vor- FDP-Spitzenkandidat wird mit unangemessenen Bemerkungen zitiert

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:10 Uhr Büchermarkt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Integrationspolitik"Es ist nicht klar, welche Werte wir vertreten wollen"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat sich für einen Dialog über Werte in unserer Gesellschaft ausgesprochen. Erst dann könne Deutschland Zuwanderern klar machen, "was diese Gesellschaft tolerieren kann und was nicht", sagte der Programmdirektor der European Foundation for Democracy im DLF.

IntegrationVon der Sehnsucht nach Patentante und Butterbrotpapier

Türkisch singen diese deutschen und türkischen Kinder in einer Klasse. (dpa/ picture-alliance/ Rainer Jensen)

Sich integrieren, sich assimilieren innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft – dazu ist Sprache besonders wichtig. Aber ist das alles? Die Publizistin Dilek Güngör denkt an ihre Kindheit zurück und beschreibt, was "Anders-Sein" eigentlich ausmacht.

Ein Jahr "Wir schaffen das"Ankommen in Deutschland

Vor einem Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Credo ausgegeben: "Wir schaffen das!" Damit das am Ende wirklich funktioniert, packen viele Deutsche ehrenamtlich mit an. Das Wichtigste für die Flüchtlinge: Deutsch lernen.

Grünen-Politiker Giegold zum Apple-Entscheid"So geht Europa!"

Sven Giegold ist Europa-Abgeordneter der Grünen. (imago/ Rainer Weisflog)

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold lobt die Entscheidung der EU-Kommission, den US-Konzern Apple in Irland Steuern in Milliardenhöhe nachzahlen zu lassen. Durch solche Schritte könne man verloren gegangenes Vertrauen der Bürger in Europa wiedergewinnen, sagte er im DLF.

Vor 75 Jahren Dichterin Marina Zwetajewa gestorben

Marina Iwanowa Zwetajewa. (picture alliance / ITAR-TASS)

Sie war eine der größten russischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts: Mariana Zwetajewa. Mehrfach lebte sie in Deutschland, 1939 kehrte sie in die Sowjetunion zurück. In Jelabuga an der Kama nahm sie sich Vor 75 Jahren das Leben.

73. Filmfestspiele von VenedigDas Festival der Autorenfilmer

Der "Goldene Löwe" auf dem Lido in Venedig. Mit dem Goldenen Löwen (Leone d_Oro) wird bei den jährlich veranstalteten Filmfestspielen von Venedig der beste Wettbewerbsfilm prämiert.  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene )

Heute werden die Filmfestspiele von Venedig eröffnet. Vermutlich mit weniger Glanz und Glamour als sonst aufgrund der Erdbebenkatastrophe in Mittelitalien. Bewährte Regisseure wie Wim Wenders und Emir Kusturica treten im Wettbewerb um den Goldenen Löwen an.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ministertreffen  Terrorfall-Manöver von Bundeswehr und Polizei vereinbart | mehr

Kulturnachrichten

ZDF plant Online-Kulturplattform  | mehr

Wissensnachrichten

Amazon  Produkte per Knopfdruck nachbestellen | mehr