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Showdown beim Parteitag der Linken

Wahl der Parteivorsitzenden, Gysi warnt vor Spaltung

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi (AP)
Linken-Fraktionschef Gregor Gysi (AP)

Der Machtkampf bei den Linken dürfte auf dem Göttinger Parteitag seinen Höhepunkt erreichen: Zehn Kandidaten gibt es für den Parteivorsitz - und vielleicht wirft auch Sahra Wagenknecht noch ihren Hut in den Ring. Für die Linke steht an diesem Wochenende die Zukunft als gesamtdeutsche Partei auf dem Spiel.

Mit einem eindringlichen Appell hat Linken-Fraktionschef Gregor Gysi seine Partei vor dem Auseinanderbrechen gewarnt: "Entweder es gelingt ein Neubeginn, oder es endet in einem Desaster bis hin zu einer möglichen Spaltung", brachte er den Ernst der Lage in der "Süddeutschen Zeitung"auf den Punkt. Denn wenn die 550 Delegierten auf dem Linken-Parteitag in Göttingen an diesem Samstag eine neue Doppelspitze wählen, dann geht es um mehr als nur eine Personalentscheidung.

Für die Linke steht die Zukunft als gesamtdeutsche Partei auf dem Spiel. Die Piraten haben sie als Protestpartei abgelöst, die Partei befindet sich in einem Umfragetief. Sie kommt derzeit in Umfragen nur auf fünf bis sechs Prozent. Bei der Bundestagswahl 2009 erreichten die Linken noch 11,9 Prozent. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen schafften sie es mit 2,5 Prozent nicht über die Fünfprozenthürde.

Noch immer Riss zwischen Ost und West

Von den zehn Bewerbern um den Parteivorsitz haben sechs reelle Chancen. Dabei verläuft auch fünf Jahren nach dem Vereinigungs-Parteitag von Linkspartei.PDS und WASG ein Riss zwischen Ost und West. Und das zeigt sich bei den Kandidaten: Das linke Lager besteht überwiegend aus Westdeutschen und steht für eine klare Abgrenzung zur SPD und einen strammen Oppositionskurs. Für sie gehen der baden-württembergischen Landeschef Bernd Riexinger und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann ins Rennen.

Die ostdeutschen Realos wünschen sich eine Annäherung an SPD und Grüne. Das Ziel: eine Regierungsbeteiligung. Für sie kandidieren Fraktionsvize Dietmar Bartsch und die Hamburger Fraktionschefin Dora Heyenn. Als Alternative zwischen den beiden Flügeln stellen sich Parteivize Kipping und die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen zur Wahl. Sie stünden mit ihren 34 und 39 Jahren für einen klaren Generationswechsel.

Kandidiert Wagenknecht?

Die Bundestagsabgeordnete der Partei "Die Linke", Sahra Wagenknecht (AP)Sahra Wagenknecht (AP)Da die beiden Parteivorsitzenden nicht im Paket, sondern einzeln gewählt werden, ist seit Tagen ein munteres "wer kann mit wem, und wer will mit wem ganz und gar nicht" im Gange. Riexinger hat Kipping bereits Avancen gemacht. Die will nur mit Schwabedissen und Schwabedissen will auf keinen Fall mit Bartsch. Und dann wäre da noch Sahra Wagenknecht, die Lebensgefährtin von Oskar Lafontaine: Noch ist unklar, ob die frühere Wortführerin der linksorthodoxen Kommunistischen Plattform in letzter Minute ihren Hut nicht doch noch in den Ring wirft. Bartsch jedenfalls machte klar, dass er auch zu einer Doppelspitze mit seiner Rivalin Wagenknecht bereit wäre. Aber: "Allein Sahra Wagenknecht entscheidet, ob sie kandidiert", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Fraktionschef Gysi verzichtet darauf, in dem Machtkampf Stellung zu beziehen. "Mein Maßstab ist, ob wir eine kooperative Führung hinbekommen, in der Repräsentanten von Volkspartei und Interessenpartei gezwungen sind, wirksam und gemeinsam zu handeln", sagte er. Namen wolle er nicht nennen. Er kritisierte aber Forderungen aus westlichen Landesverbänden, Bartsch solle seine Kandidatur zurückziehen. "Jede und jeder hat das Recht zu kandidieren. Man sollte nicht öffentlich vorschlagen, dass einer auf seine Rechte verzichtet", so Gysi.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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