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Sicherheitslage: Afghanistan übernimmt wieder die Führung

Karsai kündigt Friedensgespräche mit Taliban an

Afghanistans Präsident Hamid Karsai sorgt wieder selbst für Sicherheit im eigenen Land. (picture alliance / dpa / S Sabawoon)
Afghanistans Präsident Hamid Karsai sorgt wieder selbst für Sicherheit im eigenen Land. (picture alliance / dpa / S Sabawoon)

Die Sicherheitsverantwortung für alle Landstriche Afghanistans liegt ab sofort wieder bei afghanischen Kräften. Für NATO-Generalsekretär Rasmussen ein "Meilenstein" - Experten bezweifeln aber, dass die 350.000 Soldaten den Aufständischen wirklich gewachsen sind.

Anderthalb Jahre vor dem endgültigen Abzug der ISAF-Truppen obliegt die Sicherheit aller Bezirke Afghanistans wieder inländischen Kräften. In einer Militärakademie in Kabul verkündete Präsident Hamid Karsai: "Unsere Sicherheits- und Verteidigungskräfte werden ab jetzt die Führungsrolle innehaben."

Auch 95 als unsicher geltende Bezirke in den Provinzen Kandahar, Nangarhar, Khost und Paktika unterliegen damit nicht mehr der Verantwortung der NATO. Diese gelten als Rückzugsgebiete der Taliban, die 2001 im Rahmen des "Krieges gegen den Terrorismus" von einer NATO-geführten Koalition gestürzt wurden. Ihr derzeitiger Führer Mullah Omar wird im Nachbarland Pakistan vermutet.

Taliban nehmen Karsais Angebot für Friedensgespräche an

Die afghanischen Taliban sind zu Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul bereit. Sie nahmen ein Angebot von Präsident Karsai zu Verhandlungen in Katar an. Ziel der Verhandlungen sei ein Waffenstillstand in dem nunmehr seit zwölf Jahren schwelenden Konflikt. Auch die USA wollen eine Delegation in das Golf-Emirat entsenden. Dem Vernehmen nach sollen die Gespräche bereits in Kürze beginnen.

NATO-Generalsekretär: Übergabe ist "Meilenstein"

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen warnt Syrien (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen warnt Syrien. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)Der extra für die Übergabe aus Brüssel angereiste NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wertete die vollständige Übertragung der Sicherheitsaufgaben an die afghanische Armee und Polizei als "Meilenstein" hinsichtlich des für 2014 geplanten Abzugs der internationalen Schutztruppen vom Hindukusch. Dies sei ein stolzer Tag für alle Afghanen und die 50 am ISAF-Einsatz beteiligten Staaten.

Lob für den Schritt gab es auch von deutscher Seite. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: "Trotz aller Rückschläge und Problemen auch bei der Sicherheitslage sind es immer mehr die Afghanen selbst, die für ihre Sicherheit verantwortlich sind, und unser Engagement wird immer ziviler." Diese Neuausrichtung bleibe zwar "mit Schwierigkeiten verbunden", sei aber "richtig und notwendig". Hinsichtlich des Prozesses zum Abzug der Kampfverbände liege die NATO "damit weiter im Plan".

Anschlag überschattet Übernahme-Zeremonie

Britische ISAF-Soldaten in Afghanistan, kurz nach einem Selbstmordanschlag in Kabul am 30. September 2006. (picture alliance / dpa - epa Syed Jan Sabawoon)Britische ISAF-Soldaten bei ihrem Einsatz in Afghanistan. (picture alliance / dpa - epa Syed Jan Sabawoon)Überschattet wurde die Ankündigung von einem Terroranschlag in Kabul: Nach Angaben des Senders "Tolo TV" starben mindestens drei Menschen, als neben dem Auto-Konvoi des Abgeordneten Mohammad Mohakek eine Bombe explodierte. Die Detonation ereignete sich kurz vor der Übergabe-Zeremonie mit NATO-Vertretern und Regierungsmitgliedern. Mohakek kam dabei nicht zu Schaden.

In den letzten Wochen häufen sich die Anschläge in der Hauptstadt. Vor allem ausländische Hilfswerke sind dabei im Fadenkreuz. Besonders ein Attentat auf das Internationale Rote Kreuz in Dschalalabad sorgte zuletzt für Entsetzen.

Experten zweifeln an Afghanistans Truppen

Experten sehen große Fragezeichen, ob die Sicherheitskräfte Afghanistans den Aufständischen ohne NATO-Hilfe gewachsen sind. Afghanistan verfügt über rund 350.000 eigene Soldaten. Die meisten gelten als unzuverlässig und schlecht ausgebildet. Sie werden künftig Kampfeinsätze gegen die Taliban führen, während die NATO-Verbände nur noch logistische Hilfe und unterstützende Maßnahmen ergreifen sollen. Bereits seit 2011 zieht die NATO schrittweise die ISAF-Truppen aus dem Land ab.


Mehr Informationen zum Thema auf dradio.de:

Bundestag beschließt Afghanistan-Abzug - Zahl der Soldaten sinkt bis Februar 2014 auf 3.300
"Wir haben keinen Grund, am Kampfeswillen der Afghanen zu zweifeln" - Debatte nach Tod eines deutschen Soldaten im Gefecht
London: Getöteter Soldat diente in Afghanistan - Polizei nimmt zwei weitere Verdächtige fest

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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