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Siemens will in Korruptionsaffäre keine Namen nennen

Staatsanwaltschaft: Noch keine Entscheidung über Ermittlungen gegen Heinrich von Pierer

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher  (AP)
Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher (AP)

Siemens verwahrt sich gegen Vorverurteilungen in der Korruptionsaffäre und will derzeit keine Namen von Beschuldigten nennen. "Fakten im Sinne von Beweisen gibt es noch nicht", sagte der für Korruptionsbekämpfung zuständige Vorstand Peter Solmssen in München.

Dem Konzern sind laut Solmssen im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre bislang 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Kosten entstanden. Rund die Hälfte davon wurde für externe Berater ausgegeben. Eine Prognose über die Kosten, die noch auf den Konzern zukommen werden, wollte Solmssen "nicht wagen". Vorstandschef Peter Löscher räumte ein, dass er das Ausmaß und die Breite des Skandals zunächst unterschätzt habe: "Das hat auch mich persönlich überrascht."

Laut der mit internen Ermittlungen beauftragten Rechtsanwaltskanzlei Debevoise & Plimpton wurden in nahezu allen untersuchten Siemens-Geschäftsbereichen und in zahlreichen Ländern Belege für Fehlverhalten im Hinblick auf in- und ausländische Anti-Korruptionsvorschriften gefunden. Sie wirft auch früheren Vorstandsmitgliedern zum Teil eine direkte Mitwirkung an den Korruptionsfällen vor.

"Wir klären die individuelle Verantwortung ohne Ansehen der Person", sagte Solmssen und kündigte erneut an, dass Siemens "gegebenenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen" werde: "Wer Schaden für das Unternehmen verursacht hat, muss mit Konsequenzen rechnen", betonte er. (MP3-Audio, Beitrag von Barbara Roth)

Die Staatsanwaltschaft München wird in dieser Woche nicht mehr über ein mögliches Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer entscheiden. Die Prüfungen dauerten noch an, teilte die Anklagebehörde mit. Pierer war wegen Vorwürfen in der Schmiergeld-Affäre in den vergangenen Wochen unter Druck geraten. Sein Anwalt hatte der Staatsanwaltschaft einen umfangreichen Schriftsatz übergeben, den die Ermittler auswerten wollten. Dabei war auch bestätigt worden, dass Ermittlungen gegen Pierer geprüft werden.

Anlass sind laut Medienberichten Aussagen eines früheren Siemens-Managers. Bei einer Vernehmung soll er gesagt haben, Pierer habe ihn und einen Kollegen zu fragwürdigen Provisionszahlungen im Zusammenhang mit einem Argentinien-Geschäft aufgefordert.

Gewinneinbruch wegen Problemen mit Großaufträgen

Wegen Problemen bei Großprojekten im zweiten Quartal hat Siemens sein Ergebnisziel für dieses Geschäftsjahr gekappt. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sank der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 67 Prozent auf 412 Millionen Euro. Im zweiten Quartal des Jahres 2007 hatte der Gewinn noch knapp 1,26 Milliarden Euro betragen. Der Gewinneinbruch war erwartet worden: Weil der Technologiekonzern viele Aufträge nicht umsetzen oder verschieben musste, fiel ein Verlust von 857 Millionen Euro an. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal leicht um einen Prozent auf rund 18 Milliarden Euro.

Trotz der hohen Zuwächse von 15 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro beim Auftragseingang rechnet Siemens-Chef Löscher für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr mit stagnierenden Gewinnen im operativen Geschäft. Bereits im März hatte Siemens über die Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Großaufträgen im Kraftwerksbau, im Bahn- sowie im IT-Geschäft berichtet und sich von seinen ursprünglichen Gewinnerwartungen verabschiedet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:29 Uhr

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