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Sind Zinsspekulanten Monster?

DLF-Reihe: "Euro in der Krise"

Von Dorothee Holz

Bundespräsident Horst Köhler  (AP)
Bundespräsident Horst Köhler (AP)

Monster haben längst die Welt der Märchen und Fantasy-Geschichten verlassen, sind in der realen Welt angekommen. Das glaubt zumindest Bundespräsident Horst Köhler, der die internationalen Finanzmärkte schon beim Ausbruch der Finanzkrise als "Monster" bezeichnet hat.

Spekulanten sind schuld daran, dass die Zinsen für griechische Staatsanleihen in schwindelerregende Höhen steigen, sodass das Land seine Schulden nicht mehr aus eigener Kraft zurückzahlen kann. Spekulanten sind auch schuld daran, dass der Euro immer stärker an Wert verliert.

Aber ist das wirklich so? Und wer sind überhaupt die Spekulanten? Normalerweise meint man Hedgefonds damit - das sind Fonds, die besonders riskante Wetten eingehen. Aber auch Pensionsfonds, Stiftungen und Versicherungen haben griechische Staatsanleihen gekauft, weil sie deutlich höhere Zinsen abwarfen, als die Schul-dentitel des Bundes. Das diente dazu, den Kunden eine einkömmliche Rendite zu garantieren. Also den Spekulanten gibt es schon mal nicht, und Spekulation an sich auch nichts Schlimmes, weil es auch der Absicherung dient.

Im Falle Griechenlands setzte die Spekulation ein, als klar wurde, dass das Land viel Geld braucht, viel mehr Geld als gedacht, weil die Schuldenberge deutlich größer waren, als angenommen -Griechenland hatte die wahre Situation nämlich verschwiegen. Um seine Schulden zurückzuzahlen, muss Griechenland sich Geld besorgen, und zwar über die Ausgabe von Staatsanleihen. Dafür verspricht man den Käufern Zinsen. Diese Zinsen stiegen immer stärker an, weil man immer mehr daran zweifelte, dass Griechenland die Schulden auch wieder zurückzahlen kann. Profi-Investoren haben darin eine Chance gesehen, viel Geld zu verdienen. Sie haben darauf gewettet, dass sich die Situation verschlimmert, und haben die Wette auch gewonnen.

Wetten geschehen mit Hilfe von Finanzinstrumenten. Eins dieser Instrumente sind sogenannte Credit Default Swaps – kurz CDS. Das sind Papiere, mit denen sich Anleger für den Fall absichern können, dass ein Schuldner seine Anleihen nicht mehr zurückzahlt. Diese Kreditausfallversicherung wird immer wertvoller, je größer die Gefahr eines Staatsbankrotts ist. Als die Angst vor einer Pleite Griechenlands, und damit auch anderer überschuldeter Länder der Eurozone, wuchs, wurden diese Wetten auf einen Ausfall der Kredite auch immer attraktiver. Mit immer neuen Wetten gegen Griechenland ist die Situation schließlich eskaliert.

Griechenland hat die Krise mit seiner desolaten Wirtschaftspolitik ganz klar verursacht, lieferte den Finanzmärkten eine offene Flanke, die die auch ausgenutzt haben. Aber das ist nur möglich, weil viele Finanzgeschäfte nicht in geregelten Bahnen ablaufen.
Wie bei Monstern im Märchen hilft es auch im wahren Leben, wenn man Licht ins Dunkel bringt, wenn man klare Regeln einzieht und Geschäfte für jeden sichtbar macht. Dann nämlich lohnen sie sich immer weniger.

Alle Beiträge der Reihe "Euro in der Krise"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

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