Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Snowden-Affäre: Boliviens Präsident fliegt zurück

Mehrere europäische Länder hatten Überflugrechte verweigert

Warten im Vienna Airport: Der bolivianische Präsident Evo Morales (picture alliance / dpa / Helmut Fohringer)
Warten im Vienna Airport: Der bolivianische Präsident Evo Morales (picture alliance / dpa / Helmut Fohringer)

Nach einem ungewollten Zwischenstopp in Wien durfte Boliviens Präsident Morales nach Bolivien zurückfliegen. Zunächst hatten mehrere Länder den Überflug verwehrt - offenbar im Glauben, Ex-US-Geheimdienstler Edward Snowden befinde sich an Bord.

Spanien hatte der Maschine des Staatschefs die Überflugrechte gewährt und einen Zwischenstopp auf Gran Canaria zum Auftanken des Flugzeugs bewilligt. Nach einem unfreiwilligen Zwölf-Stunden-Stopp konnte seine Maschine also wieder abheben.

Der Präsident befand sich gestern auf dem Rückweg von einer Konferenz in Moskau, als seinem Flugzeug von Frankreich, Portugal und Spanien die Überflugrechte verweigert wurden. Daraufhin musste Morales einen Zwischenstopp in Wien einlegen. Hintergrund seien unbegründete Verdächtigungen gewesen, dass sich der von den USA gesuchte Ex-Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA an Bord befinde, sagte Außenminister David Choquehuanca vor Journalisten. Offiziell wurden jedoch technische Gründe angegeben. Snowden soll sich im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhalten.

Morales sagte, Mitarbeiter der spanischen Botschaft in Wien hätten sein Flugzeug durchsuchen wollen. Er habe dies aber abgelehnt.

Amerikanische Staaten kritisieren Vorgehen scharf

Die Organisation Amerikanischer Staaten kritisierte die Überflugverbote scharf. Nichts könne eine Handlung von derartiger Respektlosigkeit gegen das höchste Amt eines Landes rechtfertigen, erklärte OAS-Generalsekretär José Miguel Insulza in Washington. Er forderte die betreffenden Regierungen auf, ihr Vorgehen zu begründen.

Der britische Europaparlamentarier Graham Watson bezweifelt, dass der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden in den USA einen fairen Prozess bekäme. Der Politiker der liberalen Fraktion sagte im Deutschlandfunk, er halte es für fraglich, ob die amerikanische Justiz Snowden gerecht behandeln würde.

Für den IT-Experten wäre es am sichersten, wenn er in Südamerika Zuflucht fände. Europäische Staaten hätten in der Frage eines Asyls zu starke Bedenken, sich gegen die USA zu wenden. Dies zeige auch der Vorfall mit den Überflugsrechten.

Wanze in ecuadorianischer Botschaft

Unterdessen wurde bekannt, dass die ecuadorianische Botschaft in London offenbar abgehört wurde. Bei einer Routineuntersuchung in den Räumlichkeiten der Botschafterin sei ein Mikrofon gefunden worden, teilte Außenminister Ricardo Patiño in Quito mit. Über die genauen Umstände wolle er in Kürze informieren. Patiño sagte, er sehe derzeit keinen Zusammenhang zu Berichten über die Tätigkeiten des US-Geheimdienstes NSA. In der ecuadorianischen Botschaft in London hat Wikileaks-Gründer Julian Assange Zuflucht gefunden.

Mehr auf dradio.de:

Deutschland nimmt Snowden nicht auf - <br> Aufnahmegesuch des Ex-Geheimdienstmitarbeiters abgelehnt

Grünen-Politiker: Ablehnung von Snowdens Aufnahmegesuch ist feige - Rechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion fordert Strenge gegenüber den USA

Ein Akt der Provokation <br> Edward Snowden und das deutsche Asylrecht (Kommentar)

Nicht jammern, sondern handeln <br> Europa sollte Konsequenzen aus dem Abhörskandal ziehen (Kommentar)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Sprechstunde

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Behinderteneinrichtung im WestjordanlandNächstenliebe in Nahost

Orthopädieschuhmachermeister Rudolf Schöning aus Hamburg mit seinem palästinensischen Schützung Elias Abu-Aita. (Deutschlandradio / Silke Fries)

Schätzungen zufolge besucht nicht einmal jedes zweite behinderte Kind im Westjordanland die Schule. Geschätzt 80 Prozent werden nie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Ein Lichtblick bei der Förderung von Behinderten ist die Einrichtung lifegate in Bait Dschala bei Bethlehem. Geleitet wird sie von von einem Deutschen.

Vor 175 Jahren: Premiere der Wiener Philharmoniker"Euch liebt die Heimat und euch ehrt die Welt"

HK Gruber beim Dirigieren (dpa / picture alliance / epa Keystone Urs Flueeler)

Die Wiener Philharmoniker gehören zu den besten Orchestern der Welt. Tickets für ihre Konzerte im Goldenen Saal des Musikvereins sind heiß umkämpft. Die Geburt des Ensembles war ein Konzert am 28. März 1842.

Theorie zur Entstehung der ErdtrabantenMondfusionen in der Umlaufbahn

Vielleicht ist der Mond durch viele Kollisionen entstanden – oder ganz anders (künstlerische Darstellung). (Perets)

Womöglich kreiste einst nicht ein großer Mond um die Erde, sondern ein gutes Dutzend kleiner Monde. Raluca Rufu vom Weizman-Institut in Israel und ihr Team gehen davon aus, dass im jungen Sonnensystem etliche Brocken von rund eintausend Kilometern Durchmesser die glühend heiße Erde gerammt haben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Medienrecherchen  Türkischer Geheimdienst bespitzelte Oppositionelle in Deutschland | mehr

Kulturnachrichten

Gemälde Da Vincis restauriert  | mehr

 

| mehr