Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Snowden: NSA steckte "unter einer Decke mit den Deutschen"

Zusammenarbeit zwischen US-Geheimdienst und BND offenbar enger als bekannt

Die NSA-Abhöraktivitäten wurden nach Angaben von Edward Snowden auch von deutschen Behörden gedeckt (picture alliance / dpa / The Guardian Newspaper / FILE)
Die NSA-Abhöraktivitäten wurden nach Angaben von Edward Snowden auch von deutschen Behörden gedeckt (picture alliance / dpa / The Guardian Newspaper / FILE)

Die Empörung über den NSA-Abhörskandal ist groß - gerade in Deutschland. Neue Aussagen des US-Whistleblowers Edward Snowden in einem Interview belasten nun aber auch deutsche Behörden.

Der US-Geimdienst NSA stecke "unter einer Decke mit den Deutschen", erklärte der untergetauchte IT-Experte Edward Snowden in einem per E-Mail geführten Interview, das der Spiegel jetzt veröffentlichte. Die Zusammenarbeit sei so organisiert worden, dass Behörden anderer Länder "ihr politisches Führungspersonal vor dem Backlash schützen" konnten, berichtete der 30-Jährige. "Wir warnen die anderen, wenn jemand, den wir packen wollen, einen ihrer Flughäfen benutzt - und die liefern ihn uns dann aus", schilderte er das gängige Vorgehen, wenn auf Grundlage einer Ausspähung ein Verdächtiger festgenommen werden sollte.

"Die anderen Behörden fragen uns nicht, woher wir die Hinweise haben, und wir fragen sie nach nichts." So müssten auch Politiker keine Verantwortung übernehmen, falls herauskommen sollte, wie "massiv die Privatsphäre von Menschen missachtet wird" erklärte Snowden in Reaktion auf Fragen des US-Chiffrier-Experten Jacob Appelbaum und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras. Sie hatten Snowden über verschlüsselte E-Mails kontaktiert, kurz bevor er Anfang Juni als Geheimnisverräter weltweit bekannt wurde.

BND-Chef soll Zusammenarbeit bestätigt haben

Im Fokus des BND stehe unter anderem die Nahost-Strecke, über die Datenpakete etwa aus Krisenregionen verliefen, berichtete der Spiegel. Insgesamt ziehe der BND aus fünf digitalen Knotenpunkten Informationen. BND-Chef Gerhard Schindler habe Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums gegenüber die Zusammenarbeit mit dem NSA bestätigt.

Das für Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz untersucht derzeit, wo die NSA Zugriff auf den Internetverkehr in Deutschland nimmt. Eine erste Analyse ergab nach Angaben des Präsidenten Hans-Georg Maaßen keine Klarheit. "Wir haben bislang keine Erkenntnisse, dass Internetknotenpunkte in Deutschland durch die NSA ausspioniert wurden", sagte Maaßen dem Magazin.

Asyl in Nicaragua, Venezuela oder Bolivien

Snowden hatte von Hongkong aus Dokumente über geheime Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA an Medien weitergegeben und ein umfangreiches britisches Spähprogramm enthüllt. Hongkong ließ Snowden nach Moskau weiterreisen, wo er im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo festhängt. Snowden hatte in über 20 Ländern - so auch in Deutschland, allerdings vergebens - Asyl beantragt. Mittlerweile erklärten sich Nicaragua, Venezuela und Bolivien bereit, ihm Asyl zu gewähren. Snowden soll aber keine gültigen Papiere besitzen, weshalb sich eine Ausreise schwierig gestalten dürfte. Er wird von den USA wegen Spionage per Haftbefehl gesucht.


Mehr zum Thema:

Von Anspruch und Wirklichkeit - Der Eiertanz um das Asyl für Edward Snowden
Ein strukturelles Problem beim Datenschutz - Debatte um die Datenspionage durch US-Geheimdienste
Auch Frankreich soll Daten ausspähen - "Le Monde": Auslandsgeheimdienst überwacht Kommunikation
Anlasslose Überwachung gefährdet Grundrechte - Datenschutzbeauftragter Peter Schaar fordert deutliche Begrenzung der Überwachung
Morales droht mit Schließung der US-Botschaft - Südamerikaner erbost über USA und Europa

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Reaktionen auf die SaarlandwahlEs gibt nur einen Sieger

Kramp-Karrenbauer schüttelt lachend die Hände von Parteifreunden. (Boris Roessler / dpa)

Richtig Grund zum Jubeln hatte nach der Wahl im Saarland nur einer: Die CDU, die die SPD überraschend deutlich auf Distanz halten konnte. Alle anderen Parteien versuchten danach mit Blick auf die nächsten Wahlen, die Bedeutung nicht allzu hoch zu hängen. Das gilt auch die AfD, die erstmals ins saarländische Parlament einziehen konnte.

Die Linke nach der Saarlandwahl"Ein rot-rot-grünes Bündnis gewinnt an Attraktivität"

Klaus Ernst (Die Linke) spricht am 28.01.2016 im Plenarsaal im Bundestag in Berlin. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Die Wahl im Saarland sei keine Absage an ein rot-rotes Bündnis gewesen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, im DLF. Zusammen hätten beide Parteien schließlich mehr Stimmen bekommen als die CDU. Zudem stünden auf Bundesebene ganz andere Themen an, etwa in der Sozialpolitik.

AntiislamismusDer Orient ist Europas Schicksal

Europa auf einem geografischen Globus (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)

Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Wenn Europa nicht ein entsprechendes geopolitisches Narrativ entwickelt und in praktische Politik umsetzt, wird es untergehen.

Vor 110 Jahren öffnete das KaDeWeDas Schaufenster des Westens

Besucher und Kunden am Eingang zum KaDeWe (picture alliance / dpa / Manfred Krause)

1905 beschloss der Unternehmer Adolf Jandorf, im Berliner Westen ein Kaufhaus im Stil des berühmten Harrods in London zu bauen. Auf fünf Etagen lockte er ein begütertes Publikum mit Luxus-Artikeln in die weitläufigen Hallen des KaDeWE. Am 27. März 1907, vor 110 Jahren, öffnete das berühmteste Kaufhaus Deutschlands seine Tore.

Predigten in deutschen MoscheenImmer entlang der roten Linie

Das Bild zeigt das weiße Gebäude vor blauem Himmel.  (Thomas Frey / dpa)

Acht Monate lang hat der Journalist Constantin Schreiber Freitagspredigten in deutschen Moscheen besucht. Was dort gepredigt wird, ist offenbar oft antidemokratisch und auch sonst problematisch. Schreibers Fazit ist ernüchternd.

Verein "Gefangene helfen Jugendlichen"So geht Knast!

Ein Mann schaut aus einer Zelle der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel.  (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Knapp 65.000 Menschen sitzen in Deutschland im Gefängnis, viele von ihnen sind schon als Jugendliche kriminell geworden - so wie Volkert Ruhe. Heute nimmt er junge Menschen für einen Tag mit in den Knast. Jugendliche sollen so davor abgeschreckt werden, auf die schiefe Bahn zu geraten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Medienbericht  Türkischer Geheimdienst übergibt Liste mutmaßlicher Gülen-Anhänger | mehr

Kulturnachrichten

Ai Weiwei baut Metallzäune in New York  | mehr

 

| mehr