Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Sojasprossen nicht als EHEC-Quelle nachgewiesen

Laboruntersuchung in Niedersachsen: bisher untersuchte Proben frei vom Erreger

Sojasprossen stehen im Verdacht (picture alliance / dpa - Christian Charisius)
Sojasprossen stehen im Verdacht (picture alliance / dpa - Christian Charisius)

Die ersten Untersuchungen von Sprossen haben keinen EHEC-Erreger nachweisen können. 23 Proben seien mit einem negativen Ergebnis abgeschlossen worden, teilte das Landwirtschaftministerium von Niedersachsen mit. 17 weitere Proben werden noch untersucht.

Bisher haben die Behörden keinen Laborbeweis, dass der Sprossenproduzent in Bienenbüttel für die Verbreitung des EHEC-Erregers verantwortlich sein könnte. Das Ministerium hält den Verdacht dennoch für "ganz wichtig", berichtet Susanne Schrammar im Deutschlandradio Kultur (Audio-Beitrag).

Verbraucherschutzministerin Aigner kündigte weitere Untersuchungen bei Sprossenproduzenten in ganz Deutschland an. Doch die Kritik am Vorpreschen einzelner Landesbehörden wächst - Frank Capellan berichtet für Deutschlandradio Kultur aus Berlin (Audio-Beitrag).

Nach dem voreiligen Schluss, spanische Gurken seien Quelle der EHEC-Epidemie, mahnt die Politik bei den jetzt verdächtigen Sojasprossen zur Ruhe. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wolle erst Laborergebnisse sehen.

Der Präsident des Bundesinstituts für Risiko-Bewertung, Andreas Hensel, warnte ebenfalls vor voreiligen Schlüssen. Man könne nicht sicher sein, dass das Sprossengemüse Verursacher der Darm-Krankheiten sei, sagte er im ZDF. 23 der insgesamt 40 Proben sind bereits ausgewertet. Zumindest bei diesen wurde keine EHEC-Kontamination nachgewiesen. Die Ergebnisse der restlichen 17 Proben stehen noch aus. Die insgesamt 40 entnommenen Proben stammen aus dem Wasser, der Lüftungsanlage und von Arbeitstischen auf dem Gelände des Gärtnerhofes, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums.

Am Sonntag war eine Firma im Landkreis Uelzen nach Mitteilung des niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums in den Verdacht geraten, Infektionsquelle des EHEC-Bakteriums (MP3-Audio) zu sein, berichtet Niedersachsen-Korrespondentin Susanne Schrammer im Deutschlandfunk. Der Erzeugerbetrieb stellt aus verschiedenen Saatgutmischungen Sprossen her. Über die Großhändler des Betriebs sind Sprossen nach Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Schleswig-Holstein geliefert worden.

Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt hatte zuvor Salatgurken aus Spanien als Träger eines EHEC-Erregers identifiziert. Die Spur stellte sich allerdings als falsch heraus. EHEC-Erreger existieren in verschiedenen Varianten.

Das EHEC-Bakterium unter dem Elektronenmikroskop (picture alliance / dpa)Das EHEC-Bakterium unter dem Elektronenmikroskop (picture alliance / dpa)Die Zahl der Todesfälle durch EHEC stieg nach Angaben des Robert-Koch-Instituts unterdessen auf 21. Bundesweit sind 1526 EHEC-Fälle registriert. Bei 627 Patienten wurde das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert, bei dem die Nieren zerstört werden.

Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums finden sich laufend aktualisierte Informationen zu EHEC. Das Ministerium hat auch ein Bürgertelefon unter der Telefon-Nr. 01805-996601 eingerichtet (Montags bis donnerstags, von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr und freitags von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr).

Verbraucherzentrale kritisiert Krisenmanagement

Die Lebensmittelkontrolle in Deutschland sei auf regionaler Ebene unterschiedlich organisiert, kritisiert Stefan Etgeton. Deshalb habe es Unstimmigkeiten bei Verzehrwarnungen gegeben. Der Verbraucherschützer wünscht sich bei der Lebensmittelüberwachung eine stärkere Rolle des Robert-Koch-Instituts.

Deutschlandradio aktuell: Sojasprossen sollen Ursache für EHEC sein

ZDF-Interview mit Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesamtes für Risikobewertung

Interview mit Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning über Sojasprossen als Infektionsquelle

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr JazzFacts

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Anschlag in London Gibt es einen Gewöhnungseffekt beim Terror?

Ein Polizist steht in London vor einer abgesperrten Straße. (AFP / Joel Ford)

Bei dem Anschlag in London starben vier Menschen. Dennoch gab es beim Länderspiel Deutschland-England keine Schweigeminute. "Man kann sagen, dass eine Wiederholung von Anschlägen, die nach einem ähnlichen Muster ablaufen, zu einer Gewöhnung führen kann", so Psychologe Immo Fritsche.

Neue Vorwürfe gegen Monsanto"Wichtige Fakten werden weggelassen"

Schriftzug "Monsanto" mit Scrabble-Steinen mit einem Biohazard-Zeichen und Getreideähren (imago / Christian Ohde)

"Buying Science" heißt eine Studie deutscher Umweltorganisationen. Der Studie zufolge sollen der Glyphosat-Hersteller Monsanto und andere Unternehmen renommierte Wissenschaftler bezahlen, damit sie eine bestimmte Meinung kolportieren. Und das sei nicht alles, erklärte Studien-Mitherausgeber Peter Clausing vom Pestizid-Aktionsnetzwerk (PAN) im DLF.

"Eingeschränkter Modus" Youtubes Filter diskriminiert LGBTQ-Menschen

Die britische Vloggerin Rowan Ellis hat die Debatte um geblockte LGBTQ-Inhalte auf Youtube losgetreten (Screenshot Youtube.com)

Im "eingeschränkten Modus" zeigt Youtube Clips nicht an, wenn sie nicht jugendfrei sind. Jetzt kommt heraus: Offenbar fallen dabei auch LGBTQ-Clips unter den Tisch. Unter dem Hashtag #YouTubePartyIsOver formiert sich jetzt Widerstand im Netz.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag von London  Festgenommene sind Terrorverdächtige | mehr

Kulturnachrichten

Kristjan Järvi verlässt Sinfonieorchester des MDR  | mehr

 

| mehr