Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Spätes Geständnis

US-Medien: Lance Armstrong räumt Doping ein

Lance Armstrong 2009 (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)
Lance Armstrong 2009 (picture alliance / dpa / Christophe Karaba)

Jetzt also doch: Der ehemalige Radprofi Lance Armstrong hat sein Schweigen gebrochen. In einem voraufgezeichneten Interview für die Talkshow "Oprah Winfrey" gesteht er, dass er leistungssteigernde Substanzen genommen hat. Ausgestrahlt wird die Talkshow am Donnerstag.

Der Radsport-Weltverband hat ihn lebenslang gesperrt. Er hat alle sieben Siege bei der "Tour de France" verloren und ist als Vorsitzender der von ihm selbst gegründeten Krebs-Stiftung "Livestrong" zurückgetreten. Der Mythos Lance Armstrong – das war gestern. Denn der 41-Jährige soll über viele Jahre hinweg systematisch gedopt haben, unter anderem mit EPO, Testosteron und Kortison. Lange hat Armstrong die Vorwürfe bestritten – doch jetzt die Wende: Im Interview mit dem Talk-Urgestein Oprah Winfrey soll er nicht nur zugegeben haben, dass er gedopt hat.

Vielmehr erhebt er den Berichten zufolge auch schwere Vorwürfe: Er will gegen "mehrere mächtige Personen im Radsport" aussagen, die von seinen Doping-Praktiken gewusst hätten – und die ihm die illegalen Praktiken sogar ermöglicht und erleichtert hätten. So jedenfalls schreibt es die New York Times, auf deren Berichte für gewöhnlich Verlass ist. Als Quelle nennt das Blatt "zwei Personen, die über das Interview informiert wurden".

Die Zeitung USA Today schreibt, Armstrong habe auch schon Gespräche mit der US-Anti-Doping-Agentur geführt. Dabei sei es um die Frage gegangen, ob er tatsächlich umfassend auspacken wird – im Englischen nennt sich das "a full debrief". Das heißt: Der 41-Jährige könnte bereit sein, alle Fragen zu beantworten, Akten zur Verfügung zu stellen, Ergebnisse offenzulegen. Ob es dazu kommt, ist aber noch offen.

90 Minuten lang offene Worte

Oprah Winfrey (dpa / picture alliance)Oprah Winfrey (dpa / picture alliance)Das Interview ist 90 Minuten lang. Oprah Winfrey hat es zuhause bei Lance Armstrong in Austin im Bundesstaat Texas aufgezeichnet. Die Sendung läuft am Donnerstag um 21 Uhr Ortszeit (Freitag, 3 Uhr MEZ) auf "OWN", dem Oprah Winfrey Network. Im deutschen Fernsehen soll das Ganze zeitgleich bei Sky laufen, mit deutscher Simultanübersetzung. Lance Armstrong selbst ließ inzwischen per Mail mitteilen, dass er zu dem Interview zunächst nichts weiter sagen will. Moderatorin Oprah Winfrey will sich dagegen bereits heute äußern, und zwar in der Show "CBS This Morning." Armstrong hat sich allerdings kurz vor der Aufzeichnung bei den Mitarbeitern seiner Stiftung Livestrong entschuldigt.

Im Deutschlandfunk legte unser Autor Jürgen Kalwa bereits dar, was Armstrongs neue Offenheit für Folgen haben könnte: "Mit einem Geständnis würde Armstrong allen Schadenersatzforderungen Tür und Tor öffnen und dabei sein gesamtes Vermögen aufs Spiel setzen." Über das Doping-System im Radsport hatten sich in den vergangenen Jahren die Berichte und Enthüllungen gehäuft. So hatte zum Beispiel Armstrongs einstiger Mitstreiter Tyler Hamilton erst im vergangenen Jahr ein umfassendes Geständnis abgelegt und ein Buch über die "Radsport-Mafia" geschrieben. Im Deutschlandradio Kultur fasste unser Rezensent zusammen: "Tyler Hamilton hat es eines Tages einfach nicht mehr ausgehalten, dieses nervenaufreibende Doppelleben, das einem den Kopf verdreht. Für die Öffentlichkeit gab er den sauberen Sportsmann, aber wenn es an der Tür klingelte, warf er sich auf den Boden, aus Panik, von einem Kontrolleur erwischt zu werden."

Justiz erwägt Klage gegen Armstrong zu unterstützen

Parallel zu dem Interview gibt es außerdem noch juristische Neuigkeiten: Nach ebenfalls übereinstimmenden Medienberichten erwägt das US-Justizministerium, einen Prozess gegen Armstrong zu unterstützen. Das meldet das Wall Street Journal ebenso wie "USA Today". Demnach hat das Ministerium den Schritt schon seit längerem geprüft. Offiziell bestätigt ist das alles nicht. Hintergrund ist eine Klage von Armstrongs früherem Teamkollegen Floyd Landis: Er soll Armstrong des Betrugs beschuldigt haben. Dabei geht es um den Vertrag mit dem damaligen Sponsor US Postal Service. In dem einschlägigen Vertrag zwischen Armstrong und dem Sponsor habe klar und deutlich gestanden: Die Einnahme von leistungssteigernden Substanzen ist ausgeschlossen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:05 Uhr Information und Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:05 Uhr Feiertag

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Kriegsreporter Kurt Pelda"Ein Tag in Syrien kostet mich fast 1.000 Euro"

Zerstörte Straße im Norden von Aleppo. (pa/dpa/Alaeddin)

Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda hat die Medien zu einer besseren Berichterstattung über den Krieg in Syrien aufgerufen. Die Medien hätten die Pflicht, über die größte humanitäre Katastrophe der letzten Jahrzehnte zu berichten, sagte er im DLF. Freie Journalisten könnten sich den Aufenthalt in Syrien angesichts der Kosten kaum noch leisten.

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

Psychologie & ErnährungDie Chemie des Glücks

Schokolade soll uns glücklich machen. Stimmt das tatsächlich? Und wenn ja: Warum? Ein Teil der Moleküle, die dafür verantwortlich sind, dass wir Glück empfinden und dass Nahrungsmittel unsere Stimmung beeinflussen, gibt es schon seit Milliarden Jahren.

1 Jahr "Wir schaffen das"Die Jahrhundertaufgabe Integration

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Putschversuch in der Türkei. (AFP / John Macdougall)

Vor einem Jahr sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre berühmt gewordenen Worte "Wir schaffen das". Angesichts der Lage der Flüchtlinge sei die Grenzöffnung gerade noch rechtzeitig gekommen, meint DLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien.

Burkini-VerbotEs ist nur ein Stück Stoff

Eine Frau schwimmt im Burkini in einem Schwimmbecken. (dpa/ picture-alliance/ Subel Bhandari)

Kleidungsstücke wie Kopftuch, Burka oder Burkini geben Frauen die Möglichkeit, sich in einer für sie fremden Gesellschaft frei zu bewegen und sich zu entwickeln, meint Deutschlandradio Kultur-Wortchefin Marie Sagenschneider. Deshalb sollten wir sie dulden.

Jugoslawien-TribunalDer Schmerz bleibt trotzdem

Als Richter am internationalen Strafgerichtshof sollte Albin Eser für Gerechtigkeit sorgen. Seine Aufgabe: Die Kriegsverbrechen aus den Bosnienkriegen ahnden. Um Frieden und Versöhnung zu schaffen,braucht es aber mehr. Eine Geschichte über das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlinge  SPD-Chef: "Union hat Herausforderungen der Integration unterschätzt" | mehr

Kulturnachrichten

Großbrand zerstört Kulissen der Prager Filmstudios  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr